Solarpark Schönbühl In Weinstadt entsteht der größte Solarpark der Region
In Weinstadt entsteht die größte Solaranlage der Region Stuttgart. Ein Projekt, das sich in mehrfacher Hinsicht auszahlt, sagt Andreas Killmaier von der Volksbank Stuttgart.
In Weinstadt entsteht die größte Solaranlage der Region Stuttgart. Ein Projekt, das sich in mehrfacher Hinsicht auszahlt, sagt Andreas Killmaier von der Volksbank Stuttgart.
Andreas Killmaier arbeitet bei der Volksbank Stuttgart und beschäftigt sich seit langem mit Erneuerbaren Energien. Im Interview erklärt er, wieso er sich nun ehrenamtlich im Vorstand der Remstal Bürgerenergie Genossenschaft engagiert und welche Chancen er darin sieht.
Herr Killmaier, die Volksbank Stuttgart hat die Genossenschaft Remstal Bürgerenergie (REBE) mitbegründet. Ist das Neuland für die Bank?
Das ist unsere erste Beteiligung an einer Bürgerenergie Genossenschaft und insofern tatsächlich Neuland für die Volksbank Stuttgart. Insgesamt ist so eine Beteiligung aber nicht untypisch für Volksbanken. Es gibt in der Region andere Volksbanken, die sich an solchen Projekten beteiligt haben. Im Übrigen sind Volksbanken ja selbst Genossenschaften.
Was ist das Ziel der Genossenschaft?
Die Remstal Bürgerenergie Genossenschaft ist ein Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern, des KlimabündnissesWeinstadt, der Stadtwerke Weinstadt und der Volksbank Stuttgart, um privates Kapital für die Energiewende zu mobilisieren. Um die zu stemmen, müssen die Stadtwerke Weinstadt – wie viele andere Versorger auch – in den nächsten zehn Jahren mindestens das Doppelte ihres bisherigen Investitionsbudgets für Energie- und Versorgungsinfrastruktur aufwenden.
Um welche Summe handelt es sich?
Allein die Energiedrehscheibe Weinstadt kostet einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Hier werden ein großer Solarpark, ein Umspannwerk, große Strom- und Wärmespeicher, zwei Elektrokessel, eine weitere Holzhackschnitzelheizung und zwei Großwärmepumpen gebaut, mit der die Abwärme aus dem Auslauf der Kläranlage für das Nahwärmenetz nutzbar gemacht wird. Die Summe ist enorm, aber die Stadtwerke Weinstadt legen damit den Grundstein für 30 bis 50 Jahre Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Obendrein spart es auch noch CO2 : Ein grünes Projekt, das schwarze Zahlen schreibt und uns unabhängig von Energieimporten macht.
Im REBE-Vorstand sitzen ein Vertreter der Volksbank Stuttgart, der Stadtwerke und des Klimabündnisses Weinstadt . . .
Ja. Da ist aus allen Lagern jemand beteiligt. Wir sind ein gutes Dreigestirn. Eigentlich ist das eine sensationelle Konstellation. Wir arbeiten alle ehrenamtlich für die Genossenschaft, um die Kosten gering zu halten. Aber es entstehen dennoch Kosten, beispielsweise für Steuerberatung, externe Prüfer oder die Software für unsere Internetseite und digitale Mitgliederverwaltung.
Warum engagiert sich die Volksbank Stuttgart für das Projekt?
Unser Auftrag ist es unter anderem auch, die Transformation der regionalen Wirtschaft zur Nachhaltigkeit zu fördern. Der Solarpark Schönbühl mit rund 20 MWp Leistung ist ein Leuchtturm-Projekt. Wir wollen aktiv an der Energiewende mitwirken und das nicht nur, indem wir Kapital zur Verfügung stellen, sondern auch mit Netzwerken und persönlichen Kapazitäten.
Was reizt Sie als REBE-Vorstandsmitglied persönlich an dem Projekt?
Es ist spannend, denn eine Genossenschaft zu gründen ist ja nicht alltäglich. Bei der Volksbank Stuttgart bin ich als Bereichsleiter „Spezialfinanzierung“ auch für Erneuerbare Energien und Infrastrukturprojekte verantwortlich. Diese Themen beschäftigen mich beruflich seit Mitte der 1990er Jahre, als die ersten PV-Anlagen gebaut wurden.
Welche Vorteile hat eine Genossenschaft?
Für eine Bürgerbeteiligung bietet sie sich an. Die Eintrittshürden sind niedrig, bei uns kostet ein Anteil 500 Euro. Und Genossenschaften sind hoch demokratisch, denn die Mitglieder können direkt mitbestimmen und jeder hat das gleiche Stimmrecht, egal ob jemand einen oder 100 Anteile gezeichnet hat. Bürger können vor Ort investieren und sehen, wohin ihr Geld fließt. Das ist also eine passende Lösung und wohl mit ein Grund, wieso es in Deutschland rund 1000 Bürgergenossenschaften allein im Energiebereich gibt.
Wie ist der Zeitplan?
Unser Ziel als Genossenschaft ist es, in einem ersten Schritt 2,5 bis drei Millionen Euro einzusammeln, um einen substanziellen Anteil zum Projekt beitragen zu können. Ich wünsche mir aber natürlich deutlich mehr.
Gibt es ein Limit?
Eigentlich nicht. Eine Genossenschaft kann theoretisch unendlich wachsen, zumindest was die Zahl der Mitglieder angeht. Beschränkungen gibt es nur bei der Zahl der Anteile, die man kaufen kann. Bei uns sind 200 Anteile die Obergrenze.
Ab wann kann man dann Anteile zeichnen?
Es gibt ein zweistufiges Verfahren. Ab dem 25. Februar können Interessenten sich auf der digitalen Plattform www.rebe-power.de registrieren und ihr Interesse an Anteilen bekunden. Bis Ende Juni dieses Jahres werben wir für die REBE und schauen dann, was zusammenkommt. Anfang Juli werden die Interessenten in einem zweiten Schritt um verbindliche Zeichnung und Überweisung des Geldbetrags gebeten. Wenn die Zahlung eingegangen ist, ist man Mitglied der REBE.
Wie lange dauert es, bis die Genossenschaft Dividende auszahlt?
Dividende kann es erst geben, wenn der Solarpark Schönbühl gebaut und in Betrieb ist. Im ersten Jahr wird es also keine Dividende geben, im zweiten wohl ein bis zwei Prozent. Für das erste volle Betriebsjahr planen wir, im Folgejahr drei Prozent Dividende zu zahlen. Nachhaltig sollen es 3 bis 4 Prozent sein. Wir wollen dabei den Strom nicht selbst vermarkten, sondern über die Stadtwerke Weinstadt. Dadurch wird die Einnahmenseite besser kalkulierbar.
Werden Sie Ihren Bankkunden empfehlen, in die Genossenschaft zu investieren?
Wir geben keine Empfehlung an Kunden. Aber wir machen auf das Projekt aufmerksam und können sagen: Wir sind ein Teil davon, wir finden es gut, schaut es euch an.
Woran könnte das Projekt scheitern?
Es könnte scheitern, wenn die Genehmigung für den Bau des Solarparks nicht erteilt wird. Meine Vorstandskollegen und ich sind aber sehr zuversichtlich, dass es klappen wird.
Termin
Die Veranstaltung „Energie für Weinstadt – mit Sonne, Speicher und Nahwärme“ dreht sich am Mittwoch, 25. Februar, in der Jahnhalle in Endersbach um die Zukunft der örtlichen Energieversorgung.
Experten
Zu Gast sind ab 19 Uhr drei Experten: Jann Binder vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung spricht zum Thema „Wind und PV – so gelingt die Energiewende“, der Erste Betriebsleiter der Stadtwerke Weinstadt, Thomas Meier, informiert über die „Energiedrehscheibe Weinstadt“ und – zusammen mit den beiden REBE-Vorstandskollegen Andreas Killmaier und Karl Greißing – über die Remstal Bürgerenergie Genossenschaft (REBE).