Sonderpädagogische Schulen Zu hohe Gebühren – Eltern starten Petition gegen Pläne des Kreises Ludwigsburg

Grundschüler mit körperlichen und geistigen Behinderungen haben bald auch einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Foto: dpa/Holger Hollemann (Archiv)

982 Euro im Monat für zwei Tage Betreuung in der Woche: Die Pläne des Landratsamts Ludwigsburg finden Eltern von Grundschülern mit Behinderung unfair. Sie stellen sechs Forderungen.

Ludwigsburg: Anne Rheingans (afu)

Wer ein Kind mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen hat, ist es gewohnt zu kämpfen. Für Zuzahlungen der Krankenkasse, die Anerkennung der Behinderungen oder therapeutische Maßnahmen. Einige Eltern aus dem Kreis Ludwigsburg führen darüber hinaus momentan einen ungewöhnlichen Kampf: für eine bezahlbare außerschulische Betreuung. Sie wehren sich mit einer Petition gegen neue Pläne des Landratsamtes.

 

Als ein Pilotprojekt in Ludwigsburg soll von September an ein Ganztagsangebot für Erstklässler an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) im Landkreis eingeführt werden. Ein Vorhaben, das von vielen Eltern nicht nur begrüßt, sondern sehnsüchtig erwartet wurde. Doch die konkrete Umsetzung hat kürzlich etliche Betroffene geschockt.

Hunderte Unterstützer bereits in den ersten Tagen

Vorgesehen ist nämlich, dass das Angebot im ersten Jahr nur an der Schule am Favoritepark stattfinden wird, in Zusammenarbeit mit der Fröbelschule. Zudem ist es auf zwei Nachmittage in der Woche, insgesamt sechseinhalb Stunden, und auf die Ferienzeiten beschränkt. Ausgenommen sind 20 Schließtage. Dennoch wird zum Start eine beachtliche Elterngebühr von 982 Euro monatlich erhoben, die elfmal im Schuljahr zu zahlen ist. Dieses Vorhaben, das in rund zwei Wochen noch vom Kreistag abgesegnet werden muss, hat bei Eltern behinderter Kinder Sorge, Unverständnis und Ärger ausgelöst.

Mit einer Onlinepetition, die seit dem vergangenen Freitag läuft und in wenigen Tagen schon Hunderte Unterstützer gefunden hat, gibt es nun Gegenwind. „Wir fordern eine bezahlbare Betreuung, echte Umsetzung des Ganztagesanspruchs und eine flexible Ferienregelung“, schreiben die Organisatoren. „Ganztagesbetreuung an sonderpädagogischen Schulen darf kein Luxus sein“, so lautet das Motto der Petition. Sie endet am 24. April, wenn die Entscheidung des Kreistags aussteht. Bis dahin sollen 3400 Unterschriften zusammengekommen sein.

Sechs Forderungen beinhaltet die Petition. Die Eltern wollen erreichen, dass die Betreuungskosten nicht nur deutlich gesenkt, sondern auch nach Einkommen gestaffelt werden. Bei der Kalkulation der Kosten wünschen sie sich mehr Transparenz. Außerdem fordern sie, dass ein Angebot geschaffen wird, das den gesetzlichen Ganztagsanspruch tatsächlich erfüllt und eine flexible Buchung einzelner Ferienwochen ermöglicht statt einer verpflichtender Gesamtbuchung. Ein weiteres Anliegen ist es, dass die Eltern in die Planung einbezogen werden.

Anna Scheper aus Ludwigsburg hat die Petition initiiert und mit anderen Eltern vorbereitet. Ihr sechsjähriger Sohn wird im September an der Schule am Favoritepark eingeschult. Die jetzigen Pläne hält sie nicht für sinnvoll. „Es ist unfair, dass die Kosten komplett auf die Eltern abgewälzt werden“, sagt sie. Familien mit behinderten Kindern bräuchten Unterstützung und Teilhabe, keine zusätzlichen Hürden.

Auch Nicole Dries aus Marbach, Mutter zweier autistischer Töchter, hat an der Petition mitgearbeitet und hält die Elternbeiträge für nicht leistbar. „Die Eltern der betroffenen Kinder haben schon jetzt finanziell sehr viel zu tragen“, meint sie.

Landratsamt sieht gesetzliche Vorgaben erfüllt

Das Landratsamt verweist auf die Gesamtkosten von etwa 96.500 Euro pro Jahr, die vom Land nur mit etwa 31.600 Euro bezuschusst werden. „Somit fehlen noch circa 65.000 Euro, die durch die monatlichen Gebühren von den Eltern gedeckt werden müssen“, teilt die Pressestelle mit. Fast alle Kosten entstünden durch die zwei Betreuungskräfte, die die zunächst sechs Kinder, mit denen kalkuliert wird, betreuen. Zudem müssten Anmeldung, Abrechnung, Reinigung und Ausstattung der Räume berechnet werden.

„Uns ist bewusst, dass diese Höhe für Familien eine große Belastung darstellen kann“, heißt es aus dem Landratsamt. Deshalb soll weiterhin nach Möglichkeiten gesucht werden, wie Familien entlastet werden können. Nach Ansicht der Verwaltung des Landkreises Ludwigsburg wird mit den vorgelegten Plänen die gesetzliche Vorgabe erfüllt. Das Angebot soll langfristig auf alle vier Schulen (SBBZ) ausgeweitet werden.

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