Die Avocado galt vor allem in Großstädten lange Zeit als Superstar der Trendgastronomie. An der Calwer Straße haben die Stuttgarter Volksfestwirtin Sonja Merz und ihre Tochter Katharina Renz den Genuss der gesunden, aber ökologisch bedenklichen Superfrucht zelebriert. Die Avocado-Show, so der Name der Edelkette, ist eine holländischen Erfindung – doch nun ist sie Vergangenheit. Am 23. Juli 2024 hat ein Gericht in Amsterdam das Unternehmen für insolvent erklärt und einen Insolvenzverwalter eingesetzt.
Zur Eröffnung der ersten deutschen Avocado-Show reiste Ron Simson, der Gründer der holländischen Franchise-Kette, im April 2022 nach Stuttgart. Künftig sollte unweit der neu eröffneten Calwer Passage „Pretty Healthy Food“ serviert werden – Speisen also, die optisch schön und vor allem gesund sind. Das Auge sollte mitessen. In ganz Europa wollte die Gastrofirma aus Amsterdam expandieren und Gerichte schaffen, die wie „kleine Kunstwerke“ sind.
Sonja Merz sagt, in Stuttgart sei die Avocado-Show nicht gescheitert
Die Avocado steht für Gesundheit, Schönheit und Veganismus – und doch gilt die Frucht als Klimakiller, die viel zu viel Wasser verbraucht. Wachsendes Öko-Bewusstsein hat vielleicht mit dazu beigetragen, dass die Geschäfte der holländischen Firma immer schlechter gingen. Das Unternehmen wurde zahlungsunfähig, wie niederländische Zeitungen vermelden.
In Stuttgart sei die Avocado-Show „nicht gescheitert“, versichert die Gastronomin Sonja Merz, die europaweit Schlagzeilen machte, als dänische Fußballfans während der EM ihren Biergarten leer getrunken haben. Mit ihrer Tochter Katharina Renz hätte sie gern mit den Avocados weitergemacht. Die Umsätze hätten gestimmt. Doch weil der Lizenzgeber insolvent ist und die Speisen im typischen Design der Lifestyle-Kette nicht mehr liefern kann, müssen Mutter und Tochter die Reißleine ziehen.
Die Show ist vorbei. Sonja Merz bietet an der Calwer Straße zwar nun vorübergehend ihre eigenen Gerichte wie Maultaschen oder Burger an, doch dies auch nicht mehr lange. „Wir werden nächste Woche einen Makler beauftragen, der das Lokal für uns verkaufen soll“, sagt die Wirtin unserer Redaktion. Da sie viel zu tun habe mit den Vorbereitungen für das Weindorf und das Volksfest sowie auch den Biergarten im Schlossgarten betreibe, fehle ihr die Zeit, die Räume der bisherigen Avocado-Show neu zu nutzen.
In der Gastronomie herrscht ein Kommen und Gehen. Nicht alle Konzepte, die zunächst als vielversprechend angesehen werden, bringen den gewünschten Erfolg auf längere Sicht. Ist das Aus der Avocado-Show nach nicht mal zweieinhalb Jahren gar ein Beleg dafür, dass der Trend der Superfrucht allmählich endet?