Ende Oktober hat die Gröner Group GmbH Leipzig einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Leipzig gestellt. Wie das Unternehmen mitteilt, sollen laufende Bauprojekte davon aber nicht tangiert sein, und der Betrieb der Unternehmensgruppe soll ohne Einschränkungen weitergehen. Was auch das Wendlinger Otto-Quartier, das von der zur Gruppe gehörenden Projektgesellschaft CG Elementum entwickelt und realisiert wird, betrifft.
„Die Gröner Group GmbH hat einen Insolvenzantrag gestellt, nicht die Schwestergesellschaft CG Group GmbH oder deren Tochtergesellschaft CG Elementum AG“, betont Eva Mommsen, Leiterin Kommunikation bei der CG Group, auf Anfrage. Laufende Projektentwicklungen wie das Otto-Quartier seien nicht von der Insolvenz betroffen. Denn: „Seit einer Umstrukturierung hat die Gröner Group GmbH keine Verbindung zum operativen Geschäft der CG Group GmbH und der ecobuilding AG.“ Die Planungen der CG für das Wendlinger Otto-Quartier blieben unverändert und folgen dem geltenden städtebaulichen Vertrag, betont die Unternehmenssprecherin.
Schwierige Situation in der Immobilienbranche
Macht sich die Stadt nun Sorgen, wie es mit dem Otto-Quartier weitergeht? „Es ist uns nicht bekannt, ob das vorläufige Insolvenzverfahren der Gröner Group GmbH auch Auswirkungen auf die hier vor Ort tätigen Gesellschaften hat“, sagt Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel dazu. Seit Bekanntwerden der Insolvenz gab es laut Weigel allerdings noch keinen Kontakt zu den Verantwortlichen bei der Gröner Group.
Indes lief bereits in der Vergangenheit nicht alles rund. So sind im städtebaulichen Vertrag für die einzelnen Erschließungsabschnitte Zeitpläne hinterlegt. Eigentlich sollte etwa der Bereich Schwanenweg bis zum neuen Holzparkhaus schon Ende 2022 fertig sein. Die CG hinkte indes ziemlich hinterher, schaffte es aber noch rechtzeitig, die Arbeiten zu Eröffnung des Parkhauses, das die Stadt gebaut hat und die dafür rund 11 Millionen Euro in die Hand genommen hat, im September zu beenden. Auch war geplant, dass der Investor noch 2023 mit dem Bau eines Hotels und eines Bürogebäudes in unmittelbarer Nähe des Parkhauses startet – das neue Gebäudeensemble soll gleichzeitig als Lärmschutz für die dahinter geplanten Wohn- und Bürobebauung dienen. Diese wiederum können erst gebaut werden, wenn der Lärmschutz steht. Getan hat sich hier allerdings bislang nichts. Fakt ist: stark gestiegene Finanzierungs- und Baukosten haben den Bausektor in Deutschland zuletzt deutlich ausgebremst. „Die Situation in der Immobilienbranche ist derzeit äußerst schwierig“, bestätigt Mommsen. Immerhin habe die erneute Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Erholung am Markt bewirkt: „Wir arbeiten an einer schnellen Umsetzung unserer Projektentwicklung und führen vielversprechende Gespräche mit Mietern und Investoren.“ Zu möglichen Vertragspartnern und laufenden Gesprächen könne sich die CG zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht äußern.
Aktuell ruhen die Arbeiten im Otto-Quartier wieder einmal. Der Grund: Bei den Entkernungs- und Räumungsarbeiten sei man auf noch unbekannte Gebäudeteile gestoßen, erklärt Mommsen: „Dies ist bei einer Revitalisierung eines solchen Areals nicht ungewöhnlich, hat aber zur Folge, dass wir die Arbeiten zunächst unterbrechen mussten.“ Laut der Unternehmenssprecherin sind die Bauanträge zumindest für die Bestandsgebäude aber bereits eingereicht und man warte auf eine zügige Bewilligung.
Die Stadtverwaltung sieht weiteren Verzögerungen gelassen entgegen
Die Stadt sieht weiteren möglichen Verzögerungen in Sachen Zeitplan gelassen entgegen: „Wir werden gemeinsam mit dem Projektentwickler Wege zur Fertigstellung finden, so wie bisher auch“, sagt Wendlingens Bürgermeister Weigel. Mit im Boot sitzt auch die HOS-Gruppe, die das historische Industrieareal 2019 an die CG veräußert hatte. Etwa zwei Hektar verblieben damals im Eigentum des Wendlinger Traditionsunternehmens, das auf dem Gelände obendrein seinen Stammsitz hat und seinen Teilbereich ebenfalls weiterentwickelt. Ein Büro- und Parkgebäude wurde bereits erstellt, weitere Projekte sind in Planung. Verzögerungen in Sachen Erschließung sind laut dem HOS-Geschäftsführer Andreas Decker alles andere als optimal: „Da die bestehenden Erschließungsanlagen lediglich als Interimserschließung dienen und insbesondere die Verkehrserschließungsanlagen in einem immer schlechteren Zustand sind, ist für uns eine zeitnahe Realisierung der geschuldeten Neuerschließung von Bedeutung.“
Ein Rückkaufsrecht für das Gelände besitzt die HOS übrigens nicht mehr: „Das Rückkaufsrecht mussten wir im Zuge des Abschlusses des städtebaulichen Vertrages aufgeben“, bestätigt Decker.
Vom Vorzeigeareal zum Sorgenkind: das Wendlinger Otto-Quartier
Das Quartier
Auf dem rund zehn Hektar großen ehemaligen Industriegelände am westlichen Stadtrand von Wendlingen soll ein attraktives Stadtviertel mit einem Mix aus Gewerbe und Wohnen im Verhältnis von 70 zu 30 entstehen. Die prägenden, teilweise unter Denkmalschutz stehenden Industriegebäude, werden dabei integriert. Der Hauptinvestor ist die CG Elementum, die im Jahr 2019 rund 80 Prozent des Otto-Quartiers von der HOS-Gruppe gekauft hat.
Entwicklung
Mehr als zehn Jahre hat die Stadt Wendlingen zunächst mit der HOS-Gruppe und später mit der CG Elementum über die Zukunft des Otto-Quartiers verhandelt. Im Februar 2022 wurde der städtebauliche Rahmenvertrag zwischen Stadt, der HOS und der CG Elementum beurkundet. Damals hatte ein Sprecher der CG Elementum einen Baustart für das Frühjahr 2023 angekündigt. Die Stadt verabschiedete den Bebauungsplan für das Quartier im Juni 2022.
IBA’27
Das Otto-Quartier war 2020 als eines der ersten Projekte der Internationalen Bauausstellung 2027 der Stadtregion Stuttgart (IBA’27) aufgenommen worden. Überraschend verkündeten die Verantwortlichen Ende 2022 das Ende der Partnerschaft. Als Grund wurden „unterschiedliche Ansichten hinsichtlich des Verfahrensablaufs“ angegeben. Unter anderem hatte die CG Elementum die zwei größten Baufelder verkauft, was die IBA-Verantwortlichen nicht begeisterte.