Sperrung der A 81 bei Sindelfingen Das Elefantenbrückle ist Geschichte
Lärm, Staub und jede Menge Schutt: Das Elefantenbrückle, das von Sindelfingen aus über die A 81 führte, ist weg, abgerissen von drei mächtigen Baggern.
Lärm, Staub und jede Menge Schutt: Das Elefantenbrückle, das von Sindelfingen aus über die A 81 führte, ist weg, abgerissen von drei mächtigen Baggern.
Am Samstag gegen 11 Uhr sind zwischen Böblingen und Sindelfingen drei Bagger schwer beschäftigt. Im Akkord reißen sie einen Teil des Elefantenbrückles an der S-Bahn-Haltestelle Goldberg ab, das vor Kurzem noch Böblingen und Sindelfingen verbunden hat.
Mehrere Stunden lang arbeiten die Bagger zu diesem Zeitpunkt schon. Mit hydraulischen Scheren und Meißeln nagen die Maschinen seit kurz nach Mitternacht an der Spannbetonbrücke, die 1970 erbaut wurde. Während der Bauteil, der über die Bahngleise führt, stehen bleibt, ist der Teil über der Autobahn von Montag an Geschichte. In den nächsten Monaten baut die Deges, die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau Gesellschaft, an dieser Stelle einen Deckel, der 850 Meter lang sein wird und die Anwohner am Goldberg von dem Straßenlärm auf der neuen, dreispurigen Autobahn abschirmen wird.
An den Absperrungen stehen am Samstagmorgen zahlreiche verwirrte Fußgänger und Buspassagiere, die nun nicht mehr einfach queren können. Hinter der Baustellenabsperrung sind noch einige wenige Schritte möglich, dann geht es abwärts in die Baugrube, in der die drei Bagger die Brücke lautstark in ihre Einzelteile zerlegen. „Wo müssen wir denn jetzt hin?“, fragt eine Frau, die mit großen Augen vor dem Bauzaun steht.
Diese Frage soll sich Fußgängern nur kurz stellen. Am Donnerstag, 5. Dezember, soll eine Behelfsbrücke freigegeben werden, mit der Fußgänger und Radfahrer an dieser Stelle wieder über die A 81 kommen können. Bis dahin müssen sie entweder der Leibnizstraße, die nach links abknickt, folgen und in Richtung Peter-Schaufler-Platz die A 81 überqueren. Oder sie folgen der Leibnizstraße in die andere Richtung und nutzen die neue Brücke an der Böblinger/ Sindelfinger Straße.
Für den öffentlichen Nahverkehr hat die Baustelle ebenfalls Folgen, denn auf dem Elefantenbrückle befinden sich Bushaltestellen, die nun nicht mehr angefahren werden können. Die Busse der Linie 706 fahren nicht mehr zwischen den Haltestellen Leipziger Straße und Goldberg, sondern werden zum Bahnhof in Böblingen umgeleitet. Unterwegs halten sie an der Haltestelle DRK Sindelfingen. Die Linie 708 fährt vom Eichholz zur Leipziger Straße und kehrt dann wieder um. Die Buslinie 722 wird über den Goldberg zur Haltestelle Goldberg umgeleitet. Die Regionalbuslinie 734 wird über die Böblinger Straße geführt und endet an der Haltestelle Goldberg. Ab dem nächsten Sommer sollen die Busse laut einer Pressemitteilung der Verkehrsverbünde Stuttgart (VVS) wieder die gewohnten Strecken befahren.
Fünf Brücken wurden während der Verbreiterung der A 81 bereits abgerissen. Zwischen Sindelfingen-Ost und Böblingen-Hulb wächst die Autobahn bis zum Jahr 2027 von zwei auf drei Fahrspuren an. Die Bauarbeiten sollen rund 490 Millionen Euro kosten. Mit einem weiteren Brückenabriss müssen die Autofahrer noch rechnen, dieser steht allerdings erst im Sommer 2025 an.
Es staubt gewaltig, während die Bagger die Brücke pulverisieren. „Die Baggerfahrer vermeiden, dass allzu große Betonteile auf den Boden fallen“, erklärt Deges-Projektleiter Johannes Kuhn, der die Bauarbeiten übersieht. Jeder von ihnen hat seinen Zuständigkeitsbereich: Der eine reißt ab, der andere zerkleinert, ein weiterer trennt mithilfe eines Magnets den Stahl vom Beton. Der Lärm und der Staub scheint den Neugierigen, die am Bauzaun stehen, nichts auszumachen, schließlich ist Action geboten. Für den Abriss des Elefantenbrückles sind rund 100 Personen im Einsatz. Das 61 Meter lange und 15 Meter breite Brückenstück wiegt rund 2000 Tonnen.
Neben dem Brückenabriss wird während der Sperrung auch noch an anderen Stellen gearbeitet, erklärt Projektleiter Johannes Kuhn. Die Stadt Böblingen kümmere sich beispielsweise darum, Lampenmasten aufzustellen, die Autobahnmeisterei erledige Grünarbeiten, die sonst bei rollendem Verkehr nicht möglich wären.
Während einige Neugierige am Samstag extra einen Ausflug zur Baustelle eingeplant hatten, haben einige Anwohner, die in direkter Nachbarschaft zur Baustelle wohnen, das Angebot der Deges angenommen und sind für das Wochenende in ein Hotel umgezogen. Dies sei ein übliches Vorgehen, erklärt Projektleiter Johannes Kuhn, denn die Bauarbeiten liefen die ganze Nacht über und rissen die Lärmschutzgrenzen.
Sperrung
Die A 81 zwischen Sindelfingen-Ost und Böblingen-Hulb war von Freitag um 22 Uhr bis Montag früh um 5 Uhr voll gesperrt, weil das sogenannte Elefantenbrückle zwischen Sindelfingen und Böblingen im Zuge der Verbreiterung der Autobahn abgerissen wurde. Trotz Black-Friday-Shopping und Weihnachtsmarkt-Saison entstanden auf der Umleitungsstrecke über die Mahdentalstraße und Calwer Straße durch die Sindelfinger Innenstadt tagsüber keine größeren Staus. Die Deges hatte im Vorfeld Maßnahmen ergriffen, um einen möglichst störungsfreien Verkehrsfluss zu garantieren.
Zähflüssiger Verkehr
Zeitweise stockte der Autoverkehr beispielsweise an der Gottlieb-Daimler-Schule in der Neckarstraße, in der Sindelfinger/Böblinger Straße in Richtung Sindelfingen oder in der Konrad-Adenauer-Straße Richtung Süden. Größere Staus oder Zeitverluste seien im Umleitungsgebiet in Sindelfingen laut Polizei allerdings nicht entstanden. Zur Mittagszeit war die Autobahnausfahrt Sindelfingen-Ost Richtung Stuttgart beinahe leer – viele Menschen nahmen die Sperrung offenbar zum Anlass, einfach zu Hause zu bleiben. Über die B 464 lief der Verkehr laut Verkehrsteilnehmern teilweise nur zähflüssig in Richtung Autobahn ab. Gegen Abend kam es auf der B 464 laut Polizei außerdem zu einem Auffahrunfall mit mehreren Autos, weswegen die Strecke für circa eine Stunde gesperrt werden musste.