Wohin führt der Weg? Dr. Katharina Mayer-Eichberger (links) und Zilia Cherkassky wissen nicht, wie es aufgrund der Baustelle im Herdweg weitergeht. Foto: MAX KOVALENKO
Für eineinhalb Jahre ist der Herdweg wegen Kanalarbeiten gesperrt. Ortsansässige Gewerbetreibende müssen erhebliche Einbußen verkraften. Hilfe von der Stadt bleibt bislang aus.
„Wir fühlen uns einfach nicht ernst genommen“, betont Dr. Katharina Mayer-Eichberger. Die Leiterin der Kinderwunschpraxis Villa Haag im Herdweg kritisiert die mangelnde Kooperation und fehlende Kommunikation der Stadt. Der Grund ist die bereits seit September vergangenen Jahres laufenden Kanalarbeiten in der Straße im Stuttgarter Norden. „Unsere Patienten finden einfach nicht mehr zu uns oder müssen deutlich längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Dadurch haben wir erhebliche Umsatzeinbußen“, sagt die Ärztin. Und eine Besserung ist nicht in Sicht, schließlich soll die Baustelle noch bis Mai 2027 bestehen bleiben.
Mayer-Eichberger ist mit ihrem Ärger nicht alleine. Auch weitere Geschäfte sind von der „unhaltbaren Situation“ betroffen. Inzwischen sind die großflächigen Arbeiten an der Ecke zur Dillmannstraße angekommen. Die gesamte Fahrbahn ist aufgerissen, für Fußgänger und Radfahrer steht nur auf einer Seite ein schmaler Gehweg zur Verfügung. Parkplätze sind so gut wie keine vorhanden, auch der hauseigene Parkplatz der Kinderwunschpraxis ist nicht anfahrbar.
Keine Parkplätze, kein Bus und falsche Hinweisschilder
Generell sei die Parkplatzsituation eine Katastrophe – aber nicht nur. Auch Anlieferungen seien nur mit Umwegen und enormem Aufwand möglich. Auch vom öffentlichen Nahverkehr ist der Herdweg aufgrund der Sperrung abgeschnitten. Mindestens bis Ende dieses Jahres fährt die SSB-Buslinie 43 zwischen Feuersee und dem Killesberg einen weiten Bogen um diesen Bereich. Aber selbst für Fußgänger ist der Weg beschwerlich, manchmal gar unmöglich. „Viele meiner Patienten müssen auf eine Behandlung verzichten, weil sie den langen und steinigen Fußweg nicht meistern können“, sagt Katrin Schöll von der gegenüber liegenden Physiotherapie-Praxis.
Hinzu kommt eine teilweise „völlig falsche Beschilderung“, ergänzt Zilia Cherkassky. Auch die Zufahrt zu ihrer etwas weiter unten gelegenen Herdweg-Apotheke ist weiter gesperrt, obwohl die Baustelle inzwischen weiter gewandert ist. Zudem wird auf allen Hinweistafeln – unter anderem bereits am Hegelplatz – auf die Sperrung hingewiesen. „So kann man die Kundschaft bereits im Vorfeld von uns fernhalten.“ Zu Beginn habe die 43-Jährige noch versucht, mit der Stadt Kontakt aufzunehmen, aber „die Aussage war nur, ich könne die Beschilderung selbst verbessern“, schüttelt Cherkassky mit dem Kopf. „Das kann ich aber im Umkreis von mehr als einem Kilometer nicht überall übernehmen.“
Für Patienten und Kunden steht im Herdweg nur ein schmaler Gehweg zur Verfügung. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
„Wir sind per se nicht gegen die notwendigen Sanierungsmaßnahmen“, wollen sich die drei Gewerbetreibenden nicht falsch verstanden wissen, aber dass sie bei der Stadt kein Gehör für ihre Probleme finden oder dass man sogar gemeinsam nach Verbesserungen sucht, „können wir einfach nicht nachvollziehen“. Schließlich sei eine derart lange Baustelle nicht nur geschäftsschädigend, sondern könne auch existenzbedrohend werden.
Gewerbetreibende verzeichnen bis zu 30 Prozent Umsatzeinbußen
Rund 30 Prozent Umsatzeinbußen verzeichnet Cherkassky in ihrer Apotheke seit Beginn der Baumaßnahme. Noch schlimmer trifft es Physiotherapeutin Schöll. Für den monatlich vierstelligen Verdienstausfall hat sie daher eine Ausfallrechnung an die Stadt gestellt. Die lapidare Antwort macht die 49-Jährige sprachlos: „Anlieger müssten diese Probleme aufgrund von Baustellen entschädigungslos hinnehmen, solange die Existenz des Betriebes nicht gefährdet ist.“
Es ist diese fehlende Empathie seitens der Stadt, welche die drei Geschäftsfrauen auf die Palme bringt. Seit Monaten versuchen sie Kontakt mit der Verwaltung aufzunehmen – vergebens. „Den einzigen Satz, den wir immer hören ist, dass alles mit der Straßenverkehrsbehörde abgestimmt ist“, sagt Mayer-Eichberger. „Aber was ist mit uns?“, fragt sich die Ärztin. Informationen im Vorfeld habe es keine gegeben, „nicht einmal einen Zettel im Briefkasten, wir waren völlig überrascht“. Geschweige denn, dass sich jemand von der Stadtverwaltung einmal mit den Betroffenen an einen Tisch setzen würde. Denn Verbesserungsvorschläge hätten die drei Frauen genug, um zumindest ein wenig für Abhilfe zu sorgen.