Eine Baustelle in Neckartailfingen bereitet den Rathauschefs von Aichtal und Nürtingen (Kreis Esslingen) Sorgen. Sie erwarten mehr Verkehr wegen der geplanten Umleitungsstrecke.

Reporterin: Greta Gramberg (gg)

In Neckartailfingen soll der Hochwasserschutz entlang des Neckars verbessert werden. Das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart hat die entsprechenden Bauarbeiten für Anfang August angekündigt. Doch nun kommt Kritik aus den Nachbarkommunen. Die Rathauschefs von Aichtal und Nürtingen fordern, die geplante Verkehrsführung zu ändern. Denn die vorgesehene Umleitung führt durch ihre Kommunen. Für die Infrastruktur sowie für die Anwohner sei das nicht verkraftbar, monieren der Aichtaler Bürgermeister Sebastian Kurz und der Nürtinger Oberbürgermeister Johannes Fridrich.

 

Los geht es nach den Plänen des Regierungspräsidiums am Montag, 4. August. Unter anderem soll die Hochwasserschutzmauer entlang der B 297, genauer gesagt auf dem Tunnel und an den Tunneleinfahrten, auf einer Länge von mehr als 500 Metern um bis zu 75 Zentimeter erhöht werden. Zunächst wird am Tunneleingang aus Richtung Tübingen gearbeitet. „Für diese Arbeiten muss die B 297 hier für eine Dauer von ungefähr fünf Monaten halbseitig gesperrt werden. Der Verkehr aus Richtung Tübingen wird dabei weiträumig umgeleitet. Der Verkehr aus Richtung Nürtingen kann weiter durch den Tunnel fließen“, teilt das Regierungspräsidium mit.

Verdopplung des Verkehrs befürchtet

Wegen der Tunnelsperrung fürchten die Nachbarkommunen mit mehr Verkehr. Foto: Markus Brändli

An dieser Stelle fordern Fridrich und Kurz Veränderungen. Sie monieren, dass die geplante Umleitung durch die Aichtaler Stadtteile Aich und Grötzingen sowie durch Nürtingen-Oberensingen und damit über Straßen führe, die ohnehin stark ausgelastet seien. Es sei mit mindestens 6000 Fahrzeugen zusätzlich zu rechnen, was einer Verdopplung des Verkehrsaufkommens in Aichtal entspreche, so Kurz. Besonders kritisch sieht er die Situation am Feuerwehrhaus im Ortsteil Aich, das direkt an der Umleitungsstrecke liege. Der Bürgermeister befürchtet, dass die Rettungskräfte im Alarmfall nicht zur Wache durchkommen.

In Nürtingen-Oberensingen werde zu Stoßzeiten ein massiver Rückstau bis nach Grötzingen befürchtet, so Fridrich. Er sieht einen drohenden Verkehrsinfarkt in dem Stadtteil, der auch negative Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr und damit auf viele Pendler wie auf Schülerinnen und Schüler habe.

Umleitung über Neckartailfingen?

Die Verwaltungsschefs kritisieren, dass sie erst im Juli von dem Umleitungsplan erfahren haben. „Mit dieser kurzfristigen Ankündigung werden wir vor vollendete Tatsachen und angesichts der drohenden Auswirkungen vor enorme Herausforderungen gestellt – dies ist so nicht akzeptabel“, sagt Fridrich.

Die beiden Städte fordern Nachbesserung „in Form einer alternativen Verkehrsführung, die für alle betroffenen Kommunen vertretbar ist“. Diese könne über die alte Ortsdurchfahrt Neckartailfingen führen. Die Nürtinger Straße sei breit genug ausgebaut, um den Umleitungsverkehr in einer Hauptrichtung aufzunehmen. Kurz plädiert zudem für eine weiträumige Umleitung des Schwerlastverkehrs über B 312, B 27 und A 8.

Der Hochwasserschutz in Neckartailfingen sei angesichts zunehmender Extremwetterlagen unbestreitbar wichtig, räumen Kurz und Fridrich ein. Da die Gemeinde aber letztlich sowohl von der Ortsumfahrung auf der B 297 als auch von den Hochwasserschutzmaßnahmen erheblich profitiere, halten es die Rathauschefs für „angemessen, dass der Umleitungsverkehr in einer Fahrtrichtung für die Zeit der Bauarbeiten durch den Ortskern umgeleitet und nicht einseitig auf die Umlandkommunen verlagert wird“.