Spieler der Woche Marc Hetzel – schlampiges Genie mit angerissenem Meniskus
Der Angreifer des TSV Jahn Büsnau schnürte zuletzt den Dreier-Pack und ist ein wichtiger Faktor im Kampf um den Aufstieg. Eine negative Eigenschaft räumt er selbst offen.
Der Angreifer des TSV Jahn Büsnau schnürte zuletzt den Dreier-Pack und ist ein wichtiger Faktor im Kampf um den Aufstieg. Eine negative Eigenschaft räumt er selbst offen.
Am vergangenen Spieltag im Heimspiel gegen den SV Vahingen trat Marc Hetzel beim Stand von 2:0 zum Elfmeter an. Der Angreifer des Bezirksligisten TSV Jahn Büsnau hatte sich zuvor bereits einmal in die Torjägerliste eingetragen. Doch er scheiterte am Vaihinger Schlussmann Maximilian Ulmer. Hetzels Fazit: „Zwar platziert, aber nicht hart genug geschossen.“ Er habe danach ein schlechtes Gewissen gehabt, weil die Vaihinger kurz danach zum 2:2 kamen. Doch weil Hetzel das Ganze mit zwei weiteren eigenen Treffer wieder geradegerückt hat, Büsnau letztlich 5:4 siegte und weiterhin alle Möglichkeiten zum Aufstieg in die Landesliga hat, ist der Dreifach-Torschütze unser Spieler der Woche.
Überrascht von seinem Fehlschuss war Hetzel im Nachhinein nicht. Er wollte eigentlich gar nicht zum Schuss vom Punkt aus antreten. Aber der eigentliche Büsnauer Elfmeterschütze Sebastian Lenhardt reichte ihm den Ball weiter mit den Worten: „Schieß du.“ Aber: „Da ich nicht wollte, hätte ich auch nicht schießen dürfen. Schlechte Voraussetzung. So ist es stets schwerer, zu treffen“, erzählt Hetzel.
Generell hat der 27-Jährige sein Visier in dieser Saison aber gut eingestellt, steht sein Zähler doch schon bei 18 Toren in 21 Spielen. „Wohl mein bestes Jahr in Büsnau, es macht auch riesigen Spaß“, sagt Hetzel. So viel Spaß, dass er bereits verlängert hat, dann in seine vierte Saison in Büsnau gehen wird. „Hoffentlich in der Landesliga, das ist unser Ziel“, sagt er. Nicht unrealistisch. Nach dem 2:3-Patzer des Zweitplatzierten SV Deckenpfronn am Dienstagabend gegen den VfL Herrenberg fehlen den Büsnauern zwei Spieltage vor Rundenschluss nur zwei Zähler zum Relegationsplatz, drei zum Spitzenreiter und Mitaufsteiger ASV Botnang.
Das Fußballspielen hat Hetzel beim SV Vaihingen gelernt, wechselte dann zur SV Böblingen und spielte dort als A-Jugendlicher bereits im Landesliga-Team. Es folgte ein Engagement beim damaligen Verbandsligisten VfL Sindelfingen. Diverse Verletzungen warfen Hetzel aber zurück und er wechselte für zwei Spielzeiten zum TSV Plattenhardt, ehe ihn seine Freunde und Immer-noch-Mitspieler Cedric Hornung und Sebastian Lenhardt sowie der jetzige Trainer der Büsnauer Zweitvertretung, Martin Batschuri, überredeten, nach Büsnau zu wechseln. Nicht nur wegen des Aufstiegs im Vorjahr sei es ein guter Entschluss gewesen, auch sonst existiere ein toller Zusammenhalt in der Truppe, der „mit verantwortlich für unseren Erfolg“ sei.
Für seinen Trainer Dominik Lenhardt ist Hetzel ein entscheidender Faktor, warum nach dem letztjährigen Aufstieg der Durchmarsch folgen könnte. Nach der Partie gegen Vaihingen sagte der Coach über seinen Dreifach-Schützen: „Für mich der beste Spieler der Liga.“ Doch warum? Was zeichnet Hetzel, der in Esslingen im sechsten Semester Mechatronik studiert, fußballerisch aus? Eine gute Technik und er habe selten einen Spieler mit solch einem tollen ersten Kontakt gesehen, sagt Dominik Lenhardt. Egal ob hohe oder flache Bälle, geschickt lege er den Ball am Gegner direkt in seinen Lauf vorbei und mache dann etwas daraus. Wobei Lenhardt auch lachend sagt: „Manchmal sieht es bei ihm lustlos aus, als ob er keine Lust am Fußball hat – er ist ein schlampiges Genie.“
Hetzel gibt seinem Trainer durchaus Recht. Faul sei er durchaus – vor allem was die Rückwärtsbewegung anbelange. „Da bleib ich doch gerne mal stehen, arbeite lieber mit aber nicht gegen den Ball“, erzählt er schmunzelnd und sieht seine Vorzüge nach „Pässen in die Tiefe, im Eins-gegen-Eins und im Abschluss. Ich bin recht treffsicher.“ Und das derzeit mit angerissenem Meniskus, der ihn die vergangenen rund drei Wochen außer Gefecht setzte.
Dennoch: Nach nur einer Trainingseinheit wurde er gegen Vahingen prompt zum Matchwinner. „Das Knie hält, nur mein Fitnessstand ist aktuell deutlich ausbaufähig“, sagt Hetzel.