20-Jährige vom GC Stuttgart Solitude aus Mönsheim gewinnt in Alabama Qualifikationsturnier und sichert sich das Spielrecht für die höchstdotierte US-Tour der Profis.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Es war ein turbulenter Wettkampf in Alabama, die letzte Stufe der Final Qualifying Stage der Q-Series der LPGA (Ladies Professional Golf Association): Eigentlich war das Turnier auf fünf Runden angesetzt, aber durch Wettkapriolen von Starkregen bis hin zu Frost entwickelte sich ein kräftezehrender Kampf, bei dem auch die mentale Stärke eine entscheidende Rolle spielte.

 

Helen Briem ließ sich von alldem nicht beirren, auch wenn letztlich nur vier Runden gewertet wurden. Die 20-Jährige aus Nürtingen, die in der Bundesliga für den GC Stuttgart Solitude antritt (sofern es ihr Terminplan zulässt), setzte ein großes Ausrufezeichen – sie holte sich den Sieg und wird im kommenden Jahr vor allem auf der Profi-Tour der Frauen in der LPGA spielen.

Erster Saisonsieg für Helen Briem

„Die Saison doch noch mit einem Sieg abzuschließen, ist sehr toll“, freute sich Helen Briem, „ich war dieses Jahr auf der Ladies European Tour oft sehr nah dran, aber es hat immer knapp nicht gereicht. Daher bin ich jetzt glücklich, dass es geklappt hat, und ich freue mich sehr auf nächstes Jahr!“

Nach einer fehlerfreien 65er Runde (7 unter Par) am ersten Wettkampftag, bei der der Jung-Profi ohne Bogey blieb, führte Briem das Feld der 115 Athletinnen an. Auch nach der zweiten Runde, auf der die Deutsche trotz eines Doppelbogeys auf ihrer Abschlussbahn mit einer 69 (-2) in die Ergebnisliste kam, stand Schwarz-Rot-Gold im Zwischenklassement ganz oben. In der dritten Runde reichte eine 71 (Par) nicht, um als Führende in die vierte Runde zu starten, weil die Koreanerin Dongeun Lee nach ihrem dritten Ergebnis unter 70 Schlägen hauchdünn die Führung übernommen hatte.

Große Eintrittskarte: Helen Briem freut sich auf den Start in der US-Tour der Profi-Golferinnen im nächsten Jahr. Foto: DGV

Ganz stark war die Reaktion, die Helen Briem zeigte. 2024 hatte die 20-Jährige Sieg auf Sieg gefeiert und auch nach ihrem Wechsel ins Profilager sofort triumphiert – in diesem Jahr brachte Briem auf der Ladies European Tour (LET) etliche Spitzenplatzierungen nach Hause, aber ein Sieg wollte nicht gelingen. Wie stark das Talent aus Nürtingen unterwegs war, zeigt aber, dass sie mit ihren Platzierungen zu den beiden Spielerinnen gehört, die aktuell automatisch für das Solheim-Cup-Team 2026 qualifiziert wären.

Dass 2025 noch kein Sieg in den Büchern stand, nagte aber an Helen Briem und so zog sie am Finaltag der Tour School in Alabama noch einmal alle Register, spielte grandios und lieferte mit einer 68 (4 unter Par) genau die Schlagzahl ab, der nötig war, um am Ende ganz oben zu stehen. Stephan Morales war beim Triumph seines Schützlings dabei und zeigte sich von dessen Stärke sehr beeindruckt. „Ich habe selten eine so anstrengende Tour School erlebt“, sagte der Bundestrainer, „es war alles dabei: Unterbrechungen und viele Stunden Wartezeit, harte Bedingungen mit Regen, getoppt durch eine zweistündige Spielverspätung wegen Frosts.“ Dabei spielte das Layout des Platzes dem Talent in die Karten – da Briem besonders lang und hoch schlagen kann, besaß sie bei diesen Platzbedingungen einen Vorteil.

Marcus Neumann, Vorstand Sport im Deutschen Golf Verband (DGV), hat die Turniertage von Alabama aus der Heimat verfolgt. Neben Helen Briem sicherten sich auch Polly Mack und Isi Gabsa die Tourkarte für 2026. Der ehemalige Damen-Bundestrainer war tief beeindruckt vom Auftritt der Deutschen: „Welch eine letzte Runde! Helen Briem belohnt sich beim letzten Turnier des Jahres für eine bisher schon gute Saison.“