Spielstätte in Stuttgart gefunden Freie Tanz- und Theaterszene soll ins Penthouse ziehen

Das Penthouse soll die neue Spielstätte für die Freie Tanz- und Theaterszene der Stadt werden. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Der Stuttgarter Gemeinderat soll in den Haushaltsberatungen rund 18 Millionen Euro für den Umbau der Großraumdiskothek beschließen. 2025 soll dort der Betrieb aufgenommen werden.

Die 2018 gegründete Freie Tanz- und Theaterszene (FTTS), eine haftungsbeschränkte, gemeinnützige Unternehmergesellschaft (gUG), soll vom zweiten Halbjahr 2025 an eine feste Spielstätte in der ehemaligen Großraumdiskothek Penthouse an der B 27 in Feuerbach bekommen. Die Miete beträgt rund eine Viertelmillion Euro jährlich. Die Stadt kommt aber auch für die Umbaukosten auf, die laut einer Ratsvorlage für die anstehenden Haushaltsberatungen aktuell noch auf 17,85 Millionen Euro geschätzt werden. Die Projektsteuerung schlägt mit 270 000 Euro zu Buche.

 

Theaterhausanbau hat als Spielstätte nicht gepasst

Die FTTS wurde mit dem Ziel gegründet, die Freien Darstellenden Künstlerinnen und Künstler in Stuttgart zu stärken und bis zur Fertigstellung des Ergänzungsbaus des Theaterhauses die Freie Szene trotz fehlender Spielstätte sichtbar zu machen. Mittlerweile wurde allerdings beschlossen, dass neben dem Ensemble Gauthier Dance das Friedrichsbau Varieté in den Anbau auf dem Pragsattel zieht. Die Planung habe auch dem Bedarf der Freien Szene nicht entsprochen, teilt die Kulturverwaltung in ihrem Beschlussantrag an den Gemeinderat mit.

Was wird aus dem markanten ovalen Glasbau über dem Großmarkt Selgros, fragten sich die Autofahrer lange. Schon vor der Pandemie hatte die 2007 eröffnete Großraumdiskothek, in der bis zu 2500 Gäste auf 2000 Quadratmetern gefeiert haben, für immer geschlossen. Im Frühjahr haben dann das Citizen.Kane.Kollektiv, eine freie Theatergruppe, das Rave-Kollektiv Trabanten und die Initiative Queerdenker* das Penthouse über die städtische Leerstandbörse gemietet.

Die Voraussetzungen für eine Spielstätte stimmen

Im Frühsommer hatten die Kulturverwaltung und die Freie Tanz- und Theaterszene über die Anforderungen an einen Produktions- und Aufführungsort gesprochen und hatten das Penthouse (Heilbronner Straße 385) ins Auge gefasst. Eine Machbarkeitsstudie kommt nach Aussage der Verwaltung zum Schluss, dass es hinsichtlich seiner Lage, der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie der Gebäudestruktur und -zustand geeignet erscheint.

Gibt der Gemeinderat seine Zusage, soll die FTTS als Mieter für die nächsten 15 Jahre auftreten, die Umbauarbeiten veranlassen und als Bauherr fungieren. Im zweiten Obergeschoss sind die Probebühne, ein Proberaum, das Foyer für Veranstaltungen sowie Sanitäranlagen, Lager und die Werkstatt geplant. Im Galeriebereich befinden sich weitere Garderoben, Veranstaltungsflächen und Räume für die Haustechnik. Auch die Terrasse kann genutzt werden.

160 Plätze im Veranstaltungssaal

Die Zugänge und sanitären Anlagen sind für 500 Gäste ausgelegt. Eine flexible Bestuhlung ermöglicht bis zu 160 Besucher im Veranstaltungssaal, bis zu 60 Plätze im Foyer sowie weitere 60 Plätze auf der Probebühne.

In den Haushaltsberatungen geht es auch um die finanzielle Unterstützung des Betriebs der FTTS. Laut Ratsvorlage schlägt die Kulturverwaltung vor, die bisherige Förderung im nächsten Jahr um 204 000 auf 456 000 Euro zu erhöhen. 2025 soll der Gemeinderat einer Anpassung um 486 000 auf 738 000 zustimmen. In diesen Beträgen sind je 106 000 Euro für die Planungskoordination für die neue Spielstätte enthalten. Künftig braucht die FTTS mehr Personal. Um den Spielbetrieb zu ermöglichen, fallen von 2025 an jährlich rund 100 000 Euro an Honoraren für Abenddienste, Kasse und Reinigung an. Die Einnahmen aus dem Spielbetrieb sollen sich in vergleichbarer Höhe bewegen.

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