Spinnen in der Wohnung Im Staubsauger überleben sie nicht

Lieber die Spinnen raussetzen oder gleich im Haus belassen, denn sie fressen einander selbst.

Stuttgart - Der Herbst lockt Spinnen in die Häuser. Dass sie nützlich sind, interessiert viele Menschen wenig, eher, wie sie die kleinen Krabbler wieder loswerden. Die Mutigen greifen zu Glas und Pappe. Wer die kleinen Tiere lieber auf Abstand hält, kann einen Spinnenfänger nehmen.

Sie muss nur klammheimlich auf acht Beinen durch eine Ritze kriechen. Schon hat sie es warm und wohlig, sie setzt sich in die schöne dunkle Zimmerecke und wartet auf ihr Abendmahl. Doch anstatt einer leckeren kleinen Fliege kommt ein dicker Pantoffel auf sie zugesaust. In den eigenen Wänden nehmen es die meisten Menschen mit dem Tierschutz nicht so genau. Um Spinnen loszuwerden, ist die Pantoffelmethode noch eine der harmloseren Mittel.

Beliebt sind vor allem Staubsauger, aus denen die Spinnen, auch wenn dies immer wieder behauptet wird, nicht wieder lebend rauskommen. In handelsüblichen Staubsaugern schlagen die Spinnen an den Rand des Schlauchs und zerplatzen. In teuren Modellen ohne Schlauch verhungern die Tiere in der Staubkammer. Um ganz sicherzugehen, dass der ungebetene Gast die Saugprozedur nicht überlebt, streut so mancher trotzdem noch Reis hinterher, damit dass Tier im Kugelhagel stirbt. Andere greifen zu einer Ladung Teppichschaum, um den schnellen Krabbler endlich ruhigzustellen.

Wie lange überleben Spinnen in der Wohnung?

Darauf gibt es leider keine eindeutige Antwort. Spinnen sind ziemlich hart im Nehmen. Auch wenn sie über einen längeren Zeitraum keine Beute machen, können sie problemlos mehrere Monate in der Wohnung überleben. Ein Test einer amerikanischen Ungezieferbekämpfungsfirma hat gezeigt, dass die Krabbler bis zu 6 Monate in luftdicht verschlossenen Plastikbehältern überleben können – ganz ohne Nahrung, Wasser oder Sauerstoff. Genug Zeit also, um auch den Winter ohne Beute zu überstehen. Angesichts dessen macht es keinen Sinn zu versuchen, das Spinnenproblem auszusitzen und zu warten, bis sie verhungern.

Glas und ein Stück Pappe

"Wir dürfen Tiere ohne einen vernünftigen Tod nicht töten", sagt Werner Rathgeb vom Umwelttelefon Stuttgart. Statt Pantoffel, Staubsauger und Teppichschaum rät er zu einem Glas und einem Stück Pappe. Sein Tipp ist alt: Man stülpt das Glas über das Tier, schiebt die Pappe vorsichtig darunter, trägt die Spinne an die frische Luft und lässt sie wieder frei. So viel zum Prinzip, aber in der Praxis gibt es dabei ein paar Probleme.

Um ein Glas über eine Spinne zu stülpen, muss man sich der Spinne schon sehr nähern. Was, wenn sie nicht in das Glas, sondern den eigenen Arm hinaufläuft? Als Alternative zum Glas empfiehlt Rathgeb Spinnenfänger. Das sind Fanggeräte, mit denen sich die Tiere auf Abstand halten lassen. Es gibt diverse Modelle. Etwa den "Snapy", eine kleine Box am Stil, in der sich Insekten und Spinnen einfangen lassen. Andere Modelle speziell für Spinnen haben Borstenköpfe, an denen die Tiere kleben bleiben.

Spinnen wird man nicht los

Auch Martin Kreuels, Spinnenexperte vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu), betrachtet Spinnenfänger als gutes Mittel, um die Tiere nach draußen zu bringen. Er weist aber darauf hin, dass Spinnen dann meist schnell zurück ins Haus krabbeln. "Spinnen wird man nicht los", sagt Kreuels. Wenn eine Spinne sich einmal an einem Ort wohlgefühlt habe, komme sie zurück: "Um die Spinne davon abzuhalten, muss man sie schon 60 bis 70 Meter weit wegbringen."

Davon, alle Spinnen zu verbannen, rät Kreuels ab: "Ein Spinnenvakuum ist nicht gut." Wenn dann neue Spinnen in die Wohnung einmarschierten, habe man gleich ein geballtes Problem, da keine anderen Spinnen mit ihnen konkurrieren könnten. Am besten sei es, die Tiere einfach in Ruhe zu lassen. "Spinnen sind Kannibalen, sie regulieren ihre Anzahl selbst", sagt er. Am häufigsten in den Häusern anzutreffen seien zwei Spinnenarten: die grazile Zitterspinne, mit ihren langen dünnen Beinen sowie die haarige, bis zu sechs Zentimeter lange Große Winkelspinne. Letztere ist Spinne des Jahres 2008 und Kreuels nennt sie "das Ekeltier der Deutschen". Da die Zitterspinne die Große Winkelspinne frisst, empfiehlt er, zumindest diese Spinne im Haus zu lassen.

 

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