Außerdem fällt das Shopping-Erlebnis in Zeiten des Lockdowns weg, es können keine Verkaufsgespräche stattfinden, Kunden dürfen, wenn überhaupt, nur mit Termin in den Laden kommen. Wegen der schwierigen Zeiten möchte Folker Baur seinen Laden auch nicht einem jungen Mitarbeiter vermachen. „Das will ich niemandem aufs Auge drücken“, sagt er. Deshalb ist am 31. Juli offiziell Schluss mit Sport Baur.
Seine Skiwerkstatt hat er schon verkauft
Leicht fällt es Folker Baur keinesfalls, sich von seinem Geschäft zu trennen. „Am Anfang war es ein ganz komisches Gefühl, aber jetzt werde ich immer freier“, sagt er. Seine Ski-Werkstatt hat er schon verkauft, die Schleifmaschinen sind vor Wochen abgeholt worden. Einen Monat vor der Schließung will er einen Räumungsverkauf machen – sofern es die Coronaregeln zulassen. Und dann ist er weg, der Laden, an dem so viele Erinnerungen hängen.
„Meine Tochter wohnt mittlerweile in Köln, ist aber hier aufgewachsen. Der Laufstall stand dort im Treppenhaus“, erzählt Folker Baur und deutet in den hinteren Teil des Ladens. 42 Jahre lang war er an der Filderhauptstraße nicht nur Verkäufer, sondern Ansprechpartner, für manche gar Seelentröster. „Die Leute kamen hier rein und erzählten plötzlich von ihren Problemen“, sagt Baur, „sie waren froh, dass jemand zuhört und es nicht gleich an die große Glocke hängt“.
Folker Baur und Stuttgart-Plieningen gehören fest zusammen
In Plieningen kommt man nicht um Folker Baur herum. Wenn man ihn nicht aus seinem Laden kennt, dann vom Sportverein, der Plieninger Leistungsgemeinschaft, vom Maibaumaufstellen, vom Weihnachtsbaumaufstellen, vom Hohenheimer Schlossradrennen, oder zumindest kennt man ihn als den Mann, in dessen Garten jedes Jahr sechs Meter hohe Bananenstauden wachsen. „Wenn ich durch den Ort laufe, muss ich schon jeden Zweiten oder Dritten begrüßen“, sagt Baur, „das ist ganz normal für mich“. Und er wird Plieningen auf jeden Fall erhalten bleiben. „Ich werde mich noch engagieren, wo es geht“, sagt er, „bisher bin ich ja noch fit und gesund“.
Bei seinem Sportprogramm ist das kein Wunder. Jeden Mittag schnappt er sich sein Fahrrad und fährt über Möhringen nach Waldenbuch und wieder zurück, erzählt er. „In zwei Stunden bin ich wieder da, wenn es gut läuft in anderthalb“, sagt er. Und er verrät auch, warum er das macht: „Ich habe ein Laster. Ich trinke nicht, ich rauche nicht, aber ich bin sehr süß. Es kann vorkommen, dass ich zwei Tafeln Schokolade am Tag esse“, sagt er, „deshalb muss ich trainieren, damit ich nicht entsprechend kräftig werde“. Die nötige Disziplin dafür habe er noch aus jungen Jahren, als er Handball als Leistungssport betrieben hat.
Seinen Ruhestand will Folker Baur freilich auch für den Sport nutzen. Das Rennrad und das Mountainbike wollen so viel wie möglich bewegt werden. Außerdem möchte er mehr Zeit mit seinen Enkeln in Köln verbringen und sich um seinen Oldtimer kümmern. Mit Autos hat bei dem Plieninger beruflich alles angefangen: Er ist gelernter Automechaniker und nur wegen der Ölkrise in den Sportbereich umgestiegen. Zurück zu den Autos habe er nie gewollt. „Ich habe mich hier voll und ganz wohlgefühlt.“