Sport in Stuttgart Gestapelte Hallen – Richtfest für Stuttgarts kompliziertestes Sportgebäude

Das neue Sportzentrum für Judo, Handball und Beachvolleyball in Nachbarschaft zur MHP-Arena soll 2027 fertig sein. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

In einem 36 Millionen Euro teuren Leistungszentrum in Stuttgart sollen ab 2027 Judo, Handball und Beachvolleyball trainiert werden. Die Bauweise ist einzigartig.

Redaktionsleiter: Uli Nagel (uli)

Das Sportherz der Landeshauptstadt schlägt im Neckarpark. Hier befinden sich neben den großen Veranstaltungsstätten MHP-Arena, Hanns-Martin-Schleyer-Halle und Porsche-Arena mehrere Vereinssportanlagen, eine Bezirkssportanlage, das Sportbad sowie zentrale Einrichtungen von Leistungszentren wie Kunstturnen, Beachvolleyball, Leichtathletik oder Volleyball und der Olympiastützpunkt Stuttgart.

 

Baubeginn für neues Sportzentrum war 2024

Doch die heute schon große Anzahl an Sporteinrichtungen bekommt weiter Zuwachs. Auf dem gut 5000 Quadratmeter großen Grundstück, das zwischen dem Sportgelände des VfL Stuttgart und der Benzstraße liegt, entsteht seit Herbst 2024 ein Sportzentrum für die Bundesstützpunkte Beachvolleyball und Judo in Kombination mit einer Zwei-Feld-Sporthalle für den leistungsorientierten Handballsport.

Blick von der Benzstraße auf das markante Gebäude. Foto: Aldinger Architekten, Stuttgart

„Der Gebäudekomplex ist eine hervorragende Ergänzung der bisherigen Infrastruktur rund um den Olympiastützpunkt Stuttgart“, sagte Sportbürgermeister Clemens Maier beim Richtfest und zeigte sich optimistisch, dass im April 2027 die ersten Sportlerinnen und Sportler ihre Trainingseinheiten in den neuen Hallen absolvieren können.

Wettbewerbssieger wurde das Stuttgarter Büro Aldinger

Die Planungen für das neue Sportzentrum wurden in enger Zusammenarbeit zwischen dem Amt für Sport und Bewegung, dem Hochbauamt, dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt und dem Amt für Umweltschutz der Landeshauptstadt Stuttgart sowie dem Architekturbüro Aldinger Architekten Planungsgesellschaft mbH, das 2020 den Wettbewerb gewonnen hatte, entwickelt.

Keine einfache Aufgabe für das Stuttgarter Büro. „Das Grundstück ist sehr klein, und auch in die Höhe gab es Beschränkungen“, sagt Architekt Dirk Herker. Doch in dem Gebäude mussten drei Sportbereiche mit unterschiedlichen Anforderungsprofilen, Sanitäranlagen, zwei Foyers und zwei Zugängen sowie Treppenhäuser, Büros und Lehrräume untergebracht werden.

Gesamte Haustechnik im Obergeschoss

Unterm Strich blieb nur eine Lösung: die Hallen werden in dem Gebäude gestapelt, wobei die Bereiche Beachvolleyball und Judo unten angeordnet werden, da nur im Erdgeschoss eine unkomplizierte Anlieferung und Abholung von Sand möglich ist. Auf der darüber liegenden Ebene wird die teilbare Halle für den Handballbetrieb gebaut. Und wer in Bad Cannstatt baut, der weiß: nach unten gibt es Einschränkungen wegen des Mineralwassers. Aus diesem Grund gibt es keinen Keller, und die 600 Quadratmeter Hausflächentechnik befindet sich im Obergeschoss. „Die komplexe Stapelung der verschiedenen Sporthallen, die alle unterschiedliche Abmessungen und Anforderungen haben, macht das Gebäude einzigartig unter den Stuttgarter Sportbauten“, so Dirk Herker.

Blick in die neue Beachvolleyballhalle. Foto: Aldinger Architekten, Stuttgart

Angesichts der heterogenen Umgebung hat sich das Büro Aldinger für eine einfache Kubusbauweise entschieden. „Nicht expressiv, sondern eine einfache Kiste“, so Herker, die dennoch optisch etwas zu bieten haben werde. Die riesigen Fenster zur Benzstraße hin werden genauso ein Blickfang werden, wie das feine Geflecht der Metallfassade aus Recycling Aluminium.

Auch Umweltaspekte spielten bei der Planung eine zentrale Rolle. Neben der Wärmeversorgung durch den Anschluss an das Nahwärmenetz im Neckarpark wird es Fassaden- und Dachbegrünungen sowie eine Photovoltaikanlage geben, die den Großteil des Energiebedarfs decken soll. „Überdachte Eingangsbereiche, eine große Dachterrasse sowie die begrünte Fassade sind so in das Gebäude eingebaut, dass an zentraler Stelle im Neckarpark ein markantes Gebäude entsteht“, sagte Dirk Herker. Das Gesamtbild passe auch zum neuen Sportbad.

Mit 36 Millionen Euro kein Schnäppchen

Das Thema Nachhaltigkeit, anspruchsvolles Nutzerprofil und komplexe Bauweise – in der Summe hat das Gesamtpaket seinen Preis. Mit fast 36 Millionen Euro ist das neue Sportzentrum, die ersten Planungen begann 2016, nicht gerade ein Schnäppchen. Sportbürgermeister Clemens Maier ist deshalb froh, dass der Gemeinderat bereits 2020 grünes Licht gab. „Angesichts der Sparmaßnahmen würde die Stadt solch ein Projekt heute wohl nicht mehr anfassen.“

Die Hallennutzer

Hauptnutzer
Das Nachwuchsleistungszentrum des TVB Stuttgart, der Deutsche Handballbund (DHB), der Deutsche Volleyball-Verband, der Volleyball-Landesverband Württemberg und der Württembergische Judo-Verband.

Judo
Nach der Fertigstellung wird der Bundesstützpunkt Judo von Sindelfingen nach Stuttgart umziehen.

Beachvolleyball
Den Beachvolleyballprofis steht mit dem neuen Sportzentrum künftig eine eigene Halle für das Wintertraining zur Verfügung.

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