Baumstammläufer Mehmet „Mamo“ Topyürek beim Stuttgartlauf (links) und in der MHP Arena (rechts). Foto: Mehmet Topyürek
Mehmet „Mamo“ Topyürek aus Heilbronn hat am Wochenende mit seinem Auftritt beim Stuttgartlauf für Aufsehen gesorgt. Wer ist der Extremsportler mit dem Baumstamm?
Bienen, Bananen oder ein Läufer im Giraffenkostüm – beim 33. Stuttgartlauf am vergangenen Wochenende sorgten einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer für ein schmunzelndes Publikum. Offene Münder und ungläubige Blicke bescherte hingegen Mehmet „Mamo“ Topyürek. Der 41-Jährige aus Heilbronn absolvierte den Halbmarathon durchs Stuttgarter Umland nicht im Kostüm, dafür mit einem Baumstamm auf den Schultern und barfuß.
Nachdem er bereits diverse Halbmarathons in der Region Heilbronn hinter sich gebracht hat, wollte sich der Stuttgart-Fan auch den hiesigen Lauf nicht entgehen lassen. „In der Nacht davor konnte ich nicht schlafen, weil ich so aufgeregt war“, erzählt er. „Das liebe ich bei jedem Lauf, egal wie lang er ist, denn es gibt mir ein Zeichen, dass ich im Puls bin.“
„Highlight, in die MHP Arena einzulaufen“: Heilbronner läuft Halbmarathon mit 22-Kilo-Baumstamm
Bereits bei der Anreise nach Stuttgart ließ Topyürek sich nicht lumpen: Ab vier Uhr morgens legte er die 53 Kilometer aus Heilbronn mit dem Fahrrad zurück, um sich der ungewöhnlichen Challenge zu stellen und den 22 Kilogramm schweren Baumstamm 21 Kilometer lang und schließlich über die Ziellinie in der Stuttgarter MHP Arena zu tragen. „Ich trainiere gerade für einen Weltrekord-Versuch im Juni“, erzählt der 41-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. „Außerdem finde ich es langweilig, mit dem Auto anzureisen. Bei der Fahrt nach Stuttgart habe ich den Sonnenaufgang genossen, das war toll.“
Bei der Ankunft in Stuttgart ist er dann jedoch „fix und fertig“, wie er erzählt. Doch die Atmosphäre unter den Läuferinnen und Läufern reißt ihn wieder mit. Ein besonderer Moment für den 41-jährigen, bekennenden VfB-Fan: der Zieleinlauf in die MHP-Arena. „Es war ein Highlight, in die MHP Arena einzulaufen. Das wollte ich schon immer mal machen“, so Topyürek. Welchen Platz er am Ende belegt hat, weiß der Heilbronner nicht – und es ist ihm auch nicht wichtig, wie er sagt. „Mir geht es um den Lauf an sich.“
Vom Thai-Boxer zum Baumstammläufer
Der Halbmarathon in Stuttgart war nicht das erste Mal, dass der Heilbronner diese Strapazen auf sich genommen hat. Bereits seit mehr als zehn Jahren ist er auf diversen Sportveranstaltungen in der Region dabei, organisiert mittlerweile sogar eigene Wettkampf-Veranstaltungen und Spendenläufe. Stets im Gepäck: sein Markenzeichen, ein rund 20 Kilogramm schwerer Baumstamm.
Im Jahr 2015 kam bei Topyürek die Idee auf, mit einem Baumstamm auf den Schultern Strecke zu machen. Es folgten Triathlons, Marathons, Weltrekorde auf dem Fahrrad und beim Schwimmen. Im Jahr 2020 war der Baumstammläufer im RTL-Format Ninja Warrior, 2021 in der Show „Das Supertalent“ zu Gast. 2023 gelang ihm schließlich erstmals ein Weltrekord bei einem Ultramarathon, für den er mit seinem Baumstamm von Böckingen bis nach Stuttgart joggte. Insgesamt fünf Weltrekorde hat der 41-Jährige mittlerweile aufgestellt.
Dass sich Mehmet „Mamo“ Topyürek in seiner selbst erfundenen Kategorie, dem Baumstammlaufen, auspowert, kommt nicht von ungefähr. Bevor der 41-Jährige vor über zehn Jahren sein erstes Holz schulterte, war er professioneller Muay Thai-Boxer, trainierte auch damals bereits regelmäßig.
Der Heilbronner Extremsportler Topyürek bei einem seiner Läufe mit Baumstamm. Foto: Mehmet Topyürek
Doch warum nimmt der 41-Jährige solche Strapazen auf sich? „Der Kampfsport ist mit der Zeit eintönig geworden. Ich wollte etwas Neues ausprobieren“, erzählt er. 2009 läuft er seinen ersten Marathon. Bei einem Lauf greift er sich einen am Rand der Strecke herumliegenden Baumstamm und erntet dafür Begeisterung im Publikum. „Alle waren so still, da musste mehr Power rein, ich musste die Leute aufwecken“, erinnert sich Topyürek. „Danach haben sie sich totgelacht.“ Auch die anderen Läuferinnen und Läufer sind begeistert, lassen sich durch die Aktion des Heilbronners mitreißen. Der Topyürek'sche Baumstammlauf ist geboren.
Extremsportler Topyürek: „Es ist eine Kopfsache“
Doch wie bereitet man sich körperlich auf einen solchen Lauf vor? Und wie hält man mental durch? Topyürek sieht das ganz gelassen. „Ich trainiere nicht übertrieben viel“, sagt er. Gemeinsam mit einer Freundesgruppe geht er ab und an laufen, macht Krafttraining. Den Baumstamm trägt er bei seinen Läufen abwechselnd auf der linken und der rechten Schulter.
Um Muskelkater und Schmerzen abzuwenden, müsse man „den Körper in Bewegung halten“. Wichtig sei, kontrolliert an das Ganze heranzugehen und sich nicht zu überschätzen. Mental versucht Topyürek, sich nicht so sehr aufs Laufen zu konzentrieren, sondern in seinen Körper „reinzuhorchen“. „Der Körper will meist mehr. Es ist eine Kopfsache, man muss es nur durchziehen. Das ist mein Ansporn.“
Die sportliche Hochleistung sei nicht der Mittelpunkt seiner Aktionen, sagt Topyürek. Wie bei seinem ersten Lauf zählt für den 41-Jährigen bis heute vor allem die Show: Er möchte die Leute begeistern, sie zum Lachen bringen. „Wenn die Leute gut drauf sind und ihren Spaß haben, habe ich automatisch auch mehr Freude und mehr Kraft.“ Mittlerweile ist der Heilbronner deutschlandweit bekannt. Diese Prominenz möchte er sinnvoll nutzen und organisiert gemeinsam mit Freunden und Helfern Spendenläufe, deren Erlöse an bedürftige Kinder und benachteiligte Familien gehen. „Ich laufe nicht mit dem Baumstamm, um anzugeben. Ich möchte meine Bekanntheit nutzen, indem ich etwas Gutes für andere tue und ihnen ein gutes Gefühl gebe.“
Fünf Weltrekorde sind nicht genug
Deshalb läuft Topyürek immer weiter. Fünf Weltrekorde genügen dem 41-Jährigen nicht. Am 21. Juni möchte er seinen sechsten auf der Schwäbischen Alb ab Uhingen aufstellen. 305 Kilometer mit dem Fahrrad und zu Fuß liegen dann vor ihm – mit dem Baumstamm auf den Schultern.