Mehr als 1100 PS auf einer neuen Elektroplattform: Mercedes-AMG bringt den GT erstmals vollelektrisch auf die Straße – und liefert Nostalgie aus dem Lautsprecher.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Veronika Kanzler (kan)

Mercedes-AMG stellt in Los Angeles sein erstes vollelektrisches Serienmodell vor: den AMG GT 4‑Türer Coupé. Die Sportwagenschmiede aus Affalterbach setzt dafür auf die neue Plattform AMG.EA (AMG Electric Architecture) – eine eigens entwickelte Architektur, ausgelegt auf maximale Leistung.

 

Im Mittelpunkt steht ein neuartiger Antrieb mit drei Axial-Fluss-Motoren – kleiner, leichter und deutlich leistungsstärker als herkömmliche E-Motoren. Der Unterschied liegt in der Bauweise: Beim Axial-Fluss-Motor verlaufen die magnetischen Kräfte entlang der Drehachse. Dadurch fällt er besonders flach und platzsparend aus. Klassische Elektromotoren arbeiten dagegen mit radialem Fluss – die Kräfte wirken quer zur Achse, der Motor ist entsprechend zylindrisch aufgebaut und benötigt mehr Raum und Gewicht.

AMG-Serienfahrzeug mit mehr als 1100 PS

Ein Motor sitzt vorn, zwei weitere sind in der hinteren Antriebseinheit untergebracht. Jeder einzelne fällt laut AMG rund ein Drittel kompakter aus als herkömmliche Elektromotoren. Wie klein das tatsächlich ist, verdeutlichte der Hersteller schon beim Konzeptfahrzeug AMG GT XX: Jeder Motor passe „fast in eine Pizzaschachtel“.

Zusammen liefern die drei Motoren beim AMG GT 63 bis zu 860 kW, das entspricht 1169 PS. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert der Sportwagen in 2,1 Sekunden und bewegt sich damit auf Augenhöhe mit Modellen wie dem Porsche Taycan Turbo GT oder dem Xiaomi SU7 Ultra.

Die Energie liefert eine neu entwickelte 800-Volt-Batterie mit direktgekühlten Rundzellen und einer Nettokapazität von 106 kWh. Entscheidend ist dabei weniger die reine Speichergröße als die Leistungsfähigkeit: Die Batterie soll hohe Leistung nicht nur kurzfristig, sondern auch wiederholt abrufen können.

Technische Details des AMG GT 63 4-Türer Coupé

  • Motor: Drei Axial-Fluss-Motoren
  • Reichweite: bis zu 760 Kilometer
  • Maximale Antriebsleistung: 860 kW/1169 PS
  • Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h
  • Ladezeit für etwa 460 km Reichweite: 10 Minuten
  • Maximale DC-Ladeleistung: 600 kW
  • Länge/Breite/Höhe: 5,09 Meter/1,95 Meter/1,41 Meter
  • cW-Wert (Luftwiderstandsbeiwert): 0,22
  • Leergewicht: 2,46 Tonnen

Optisch weicht das AMG GT Coupé vom Konzeptfahrzeug ab

Wie alle neuen Mercedes-Modelle basiert auch der AMG GT auf dem hauseigenen Betriebssystem MB.OS. Es bündelt zentrale Funktionen wie Navigation, Infotainment, Assistenzsysteme sowie das Energie- und Lademanagement – und wird per Software-Update kontinuierlich weiterentwickelt.

Optisch entfernt sich die Serienversion vom Konzept – und verliert dabei an Charakter. Die nach unten gezogene Front ist einem konventionellen Kühlergrill gewichen, der stark an den Vorgänger erinnert. Auch die Rückleuchten wurden entschärft: Statt sechs leuchtender Kreise greift die Serienversion das Markenlogo auf, die Sterne sitzen nun in den Lichtgrafiken.

Auf akustische Zurückhaltung setzt AMG trotz Elektroantrieb ebenfalls nicht: Ein eigens entwickeltes Soundsystem soll dem Fahrzeug einen charakteristischen Klang verleihen. Dafür wurde der Sound eines V8-Motors digital erfasst. Als Referenz diente ein AMG GT R, der auf dem Prüfstand vermessen wurde, um „jede Nuance des authentischen AMG Soundcharakters“ zu übertragen, so das Unternehmen.

Preis für AMG GT Coupé liegt wohl oberhalb von 200.000 Euro

Die Serienproduktion startet im Sommer 2026 im Werk Sindelfingen, die Axial-Fluss-Motoren kommen aus Berlin-Marienfelde. Einen offiziellen Preis nennt Mercedes noch nicht, dieser soll sich aber an den Vorgängermodellen orientieren, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass der Preis oberhalb von 200.000 Euro liegen wird.