Der Fuhrpark der Stuttgarter Straßenbahnen AG muss erneuert und ausgebaut werden, um das Angebot erhalten und verbessern zu können – mit großzügiger Unterstützung des Landes.
Das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs in Stuttgart bilden die Stadtbahnen der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) – zum Beispiel wenn die S-Bahn wie zurzeit wieder zur Urlaubsmesse CMT zur Landesmesse unterbrochen ist. „Alleine die drei Stammstrecken U6, U7 und U12 befördern am Tag rund 250 000 Fahrgäste“, betonte der Technische Vorstand der SSB, Thomas Moser. Doch neben dem nötigen Personal sei vor allem ein moderner Fuhrpark die Voraussetzung für ein weiterhin verlässliches, modernes und kundenorientiertes Angebot. Umso mehr ist die Freude groß über die Förderung des Landes in Höhe von knapp 56 Millionen Euro für die Anschaffung von 30 weiteren, neuen Stadtbahnen.
Fuhrpark der SSB wächst auf 254 Fahrzeuge
Der Ort für die Übergabe im Straßenbahnmuseum war bewusst gewählt: In einem Prototyp der ersten Generation aus dem Jahr 1981 zeigte sich der Start für die Vision Stadtbahn in Stuttgart. Seit 1985 sind die ersten Züge bereits im Einsatz. „Nach nunmehr rund 40 Jahren und 40 Millionen geleisteten Kilometern müssen diese nun durch zeitgemäße ersetzt werden“, betonte Moser. Zudem soll das SSB-Angebot im Stadtbahnverkehr auch weiter ausgebaut werden.
Für beide Projekte werden insgesamt 70 neue Züge benötigt. Der Fuhrpark des städtischen Tochterunternehmens soll daher von derzeit 224 auf 254 Stadtbahnen ausgebaut werden. Langfristig bis zum Jahr 2040 sogar bis auf 270 Fahrzeuge.
„Es ist sicher der höchste Förderbetrag für ein Einzelprojekt in Baden-Württemberg“, betonte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Bereits vor eineinhalb Jahren hatte das Land die Anschaffung der ersten 40 Stadtbahnen mit 84 Millionen Euro bezuschusst. Somit beläuft sich die Förderung über das Landesgemeindefinanzierungsgesetz (LGVFG) auf stolze 140 Millionen Euro für die insgesamt 70 neuen Bahnen. Geld, das Hermann gut angelegt sieht: „Die Pünktlichkeit der Stadtbahn ist über alle Maße erhaben. Das kann man leider nicht über alle Bereiche des öffentlichen Nahverkehrs sagen“. Daher stellte der Minister auch zukünftige Zuschüsse des Landes für den Ausbau des Netzes der SSB „im Sinne des Klimaschutzes“ in Aussicht.
2029 sollen die ersten Züge rollen
Das widerlege eindrucksvoll die in Bürgermeisterkreisen geäußerte Befürchtung, dass angesichts knapper Kassen „Landesminister etwas mitbringen“, betonte Stuttgarts OB Frank Nopper. Immerhin 35 Prozent der Kosten für die neuen Züge übernimmt das Land. Aber auch Stuttgart erfülle weiter seine Pflicht, „schließlich tragen Stadt und SSB die restlichen 65 Prozent“.
Bis die neuen Züge über das 140 Kilometer lange Schienennetz der SSB rollen, wird es aber noch einige Zeit dauern. Den Zuschlag für die speziell auf die Stuttgarter Bedürfnisse zugeschnittenen Fahrzeugtypen erhielt bei der europaweiten Ausschreibung der Schweizer Hersteller Stadler, gefertigt werden die Bahnen im Werk in Pankow. Die ersten Bahnen könnten wohl 2029 nach Stuttgart kommen, die letzten 2034. Bis dahin soll denn auch der neue Betriebshof in Weilimdorf genügend Platz bieten – für einen weiterhin zuverlässigen und komfortablen Nahverkehr in der Landeshauptstadt.