Der künftige SSB-Betriebshof in Weilimdorf. Baubeginn soll im Frühjahr 2027 sein. Foto: loomn architektur/Jost Hauer
Volker Christiani, der Chefplaner der Stuttgarter Straßenbahnen AG, spricht im Interview über das größte Projekt der städtischen Tochter in den kommenden Jahren: Die Trassenverlängerung der U 13 nach Ditzingen und den Bau eines neuen Betriebshofs.
Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) plant neben einem neuen Betriebshof in Weilimdorf auch die Verlängerung der Stadtbahnlinie U 13 über Stuttgart-Hausen bis nach Ditzingen. Beide Projekte kosten zusammen 440 Millionen Euro, wobei allein 210 Millionen Euro für den Bau der Trasse veranschlagt wurden. Im vergangenen Jahr mussten die SSB-Verantwortlichen allerdings zugeben, dass die Trasse nach Hausen nicht Ende 2027, sondern erst drei Jahre später fertig werde. SSB-Chefplaner Volker Christiani erklärt, wann nun mit dem Bau des wichtigsten SSB-Projekts der kommenden Jahre begonnen wird und warum es zu den Verzögerungen kam.
Herr Christiani, laut Stadtverwaltung stieß die Anhörung für das Planfeststellungsverfahren für den Bau der Stadtbahntrasse samt Betriebshof insgesamt auf große Resonanz. Wurden die Einlassungen in den vergangenen Monaten alle bereits abgearbeitet?
Nein, die Einwendungen der Bürgerinnen und Bürger werden aktuell noch bearbeitet. Allerdings werden die Erwiderungen voraussichtlich noch im Mai an die Planfeststellungsbehörde im Regierungspräsidium Stuttgart (RP) weitergeleitet werden können.
Im vergangenen Jahr musste die SSB angesichts schwieriger Rahmenbedingungen zugeben, dass ihr ambitionierter Zeitplan nicht zu halten ist. Also könnte bei einem Baubeginn im Frühjahr 2027 die U13 frühestens 2030 bis nach Hausen fahren. Hat sich daran etwas geändert?
Aktuell gehen wir noch von diesem Zeitplan aus, was jedoch zwingend von einem Planfeststellungsbeschluss bis Ende 2025 abhängt. Der wiederum hängt davon ab, zu welcher Einschätzung das RP nach Erhalt der Erwiderungen kommt. Sollte der Baubeginn im Frühjahr 2027 erfolgen, könnte die Strecke bis zur Haltestelle Hausen inklusive dem Betriebshof nach rund drei Jahren Bauzeit in Betrieb gehen und ein weiteres Jahr später käme dann die Anbindung bis Ditzingen-Hülben.
Die Rodungsarbeiten an der B 295 (Bild rechts) sollen Ende 2026 Losgehen. Foto: Uli Nagel
Was passiert eigentlich im Jahr 2026?
Nach Erhalt der Förderbescheide wird ermittelt, wie hoch die nicht über Fördermittel abgedeckten Kosten sind. Auf dieser Grundlage finden dann die Baubeschlüsse in den Gremien der SSB und der Stadt Ditzingen statt. Außerdem erfolgen im kommenden Jahr der Flächenerwerb und die bauvorbereitenden Maßnahmen, wie zum Beispiel die archäologische Prospektion, Kampfmittelerkundung, Rodung von Gehölzen, Umsiedlung von Eidechsen, diverse Leitungsverlegungen sowie die Ausschreibung erster Bauleistungen für die Herstellung der zahlreichen Ingenieurbauwerke. Aktuell werden bereits die Eidechsenhabitate eingerichtet.
Wie viele solcher Habitate werden benötigt?
Es werden vier Zauneidechsenhabitate benötigt. Drei davon sind temporär und werden nach Ende der Baumaßnahmen wieder aufgelöst, weil dann die Eidechsen in der neu hergestellten Böschung oberhalb der Stadtbahntrasse leben können. Nur eine Fläche wird dauerhaft verbleiben, weil die Flächen in der neuen Böschung nicht für alle Tiere ausreichen. Darüber hinaus werden an zwei Stellen entlang der B 295 Flächen für Mauereidechsen aufgewertet, um den während der Bauzeit eingeschränkten Lebensraum dieser Tiere zu kompensieren.
Es werden vier Zauneidechsenhabitate benötigt. Foto: Uli Nagel
Auf Stuttgarter und Ditzinger Gemarkung muss die SSB rund 240 Flächen erwerben. Wie weit sind die Kaufverhandlungen fortgeschritten?
Die betroffenen Eigentümer haben in diesen Tagen ein erstes allgemeines Informationsschreiben erhalten, mit dem auch weitere Betroffene, wie zum Beispiel Pächter, erfragt werden. Weiterhin ist im Lauf des Jahres eine Informationsveranstaltung geplant, in der den Betroffenen das Projekt und das weitere Vorgehen bezüglich der erforderlichen Vereinbarungen vorgestellt werden. Sie bekommen dort zum Beispiel den Bauablauf erläutert und können Fragen stellen. Entschädigungsfragen werden dort – allerdings nicht einzelfallbezogen – ebenfalls schon angesprochen.
Wann müssen die Menschen mit den ersten großen Maßnahmen rechnen?
Die Rodungsarbeiten entlang der B 295 werden aus heutiger Sicht zwischen November 2026 und Februar 2027 durchgeführt. Zum geplanten Baubeginn ab Frühjahr 2027 müssen teilweise Feldwege sowie Geh- und Radwege aufgrund der in diesem Bereich stattfindenden Bautätigkeiten abgesperrt werden. Das Aufstellen entsprechender Beschilderung zeigt jedoch alternative Wege, um die Beeinträchtigung weitestgehend zu reduzieren. Zum Bau der neuen Brücken wird auch der Individualverkehr temporär umgeleitet, um die Arbeiten im unmittelbaren Bereich der B 295 durchführen zu können. Dies erfolgt hauptsächlich an Wochenenden.
Der künftige SSB-Betriebshof Foto: loomn/Hauer
Wie müssen sich die Bürgerinnen und Bürger den Trassenbau vorstellen? Arbeiten sich die Gleisbauer von der Rastatter Straße in Richtung künftigen Betriebshof, Hausen und weiter bis nach Ditzingen/Hülben vor, oder wird an mehreren Stellen zugleich gearbeitet?
Aufgrund der ambitionierten Bauzeit wird an mehreren Stellen gleichzeitig gearbeitet. Grundsätzlich erfolgen zu Beginn an mehreren Stellen die Rohbauarbeiten für die Herstellung der Ingenieurbauwerke wie etwa Stützwände, Stadtbahnbrücken oder Betriebsgebäude, die aufgrund der Topografie und Streckencharakteristik erforderlich sind. Teilweise müssen zuvor Leitungen aus dem Baufeld verlegt werden. Die Gleisbauarbeiten folgen direkt nach Abschluss einzelner Ingenieurbauwerke des jeweiligen Abschnitts oder können bereits in Teilbereichen ohne Abhängigkeit von vorherigen Maßnahmen beginnen.
Das Gespräch führte Uli Nagel
Zahlen und Daten
Stadtbahntrasse Die neue Strecke ist 4,8 Kilometer lang. Geplant sind sechs SSB-Haltestellen, jeweils drei in Weilimdorf und Ditzingen. Insgesamt müssen zwei neue Stadtbahn- und zwei neue Feldwegbrücken gebaut werden.
Betriebshof Neben der 9500 Quadratmeter großen Abstellhalle für 47 Stadtbahnzüge ist eine 6000 Quadratmeter große Werkstatt sowie ein Dienst- und Sozialgebäude mit Stellwerk (2400 Quadratmeter) geplant. Die drei Gebäude bekommen ein gemeinsames, rund 18 600 Quadratmeter großes Gründach (Regenrückhaltung), dass zudem noch mit einer gut 4300 Quadratmeter großen Fotovoltaikanlage versehen wird.
Flächenbedarf Der Gesamtbedarf an landwirtschaftlichen Flächen auf Stuttgarter Gemarkung ist groß: 4,8 Hektar für den Stadtbahnbetriebshof, zwei Hektar für die U-13-Trasse und 2,1 Hektar für Ausgleichsflächen. Für Baustellenlogistik und Zwischenlagerung des Erdaushubs werden etwa 3,8 Hektar Ackerflächen benötigt.