Staatsdiener aus Hohenlohe Der Beamte, der dreieinhalb Jobs zugleich schultert
Dezernent im Landratsamt, Chef eines öffentlichen und eines privaten Betriebs, dazu Busfahrer – wie schafft ein Staatsdiener im Hohenlohekreis das bloß?
Dezernent im Landratsamt, Chef eines öffentlichen und eines privaten Betriebs, dazu Busfahrer – wie schafft ein Staatsdiener im Hohenlohekreis das bloß?
Für Kolleginnen, Mitarbeitende und Weggefährten ist Alexander Wolf ein Phänomen. Wie schaffe es der Beamte bloß, fragen sie sich, drei, zuweilen sogar vier Jobs gleichzeitig zu schultern? Auch sein Tag habe doch nur 24 Stunden, irgendwann müsse auch er einmal schlafen.
Im Hauptberuf ist Wolf (38) Dezernent für Mobilität und Straßenbau im Landratsamt des Hohenlohekreises in Künzelsau. Die Führungsaufgabe übernahm er 2022 – unter dem damaligen Landrat und heutigen Präsidenten des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg, Matthias Neth – zusätzlich zu seiner bisherigen Funktion: als Leiter des Eigenbetriebs Nahverkehr Hohenlohekreis (NVH), der den öffentlichen Personennahverkehr im Kreis organisiert. Zu seiner Entlastung wurde dort laut einem Kreissprecher eine zusätzliche Stelle geschaffen und das Dezernat „deutlich verkleinert“. Dotiert ist der Posten mit Besoldungsgruppe A 15, um die 7000 Euro.
Zugleich ist der Beamte 50-Prozent-Gesellschafter und Co-Geschäftsführer einer privaten Busreisefirma mit Sitz in Ilshofen im Nachbarkreis Schwäbisch Hall, zusammen mit einem Partner. „Regionale sowie überregionale Busreisen für alle Altersklassen und Interessengebiete“ offeriert die 2014 gegründete Firma Wolf & Göhner. Mehrtagesfahrten führen etwa an den Gardasee, nach Tirol oder ins Elsass, das komplette Programm wird organisiert. Auch der Linienverkehr ist im Handelsregister als Geschäftszweck eingetragen. Immer wieder steuert Wolf, der einen entsprechenden Führerschein hat, auch selbst einen Bus.
Wie ist das zeitlich zu bewältigen neben einer Vollzeitstelle mit 41 Wochenstunden? Während der Beamtenbund im Südwesten seit langem für eine Reduzierung um eine Stunde kämpft, scheint der Staatsdiener damit nicht annäherend ausgelastet. Erfasst wird die Dienstzeit von Dezernenten in Künzelsau nicht, laut dem Sprecher gilt grundsätzlich die „Vertrauensarbeitszeit“, also ohne Kontrolle. Um die Busfirma kümmere sich Wolf nach Kenntnis des Landratsamtes „ausschließlich zu Zeiten, in denen er nicht für den Hohenlohekreis tätig ist“. Die Nebentätigkeit sei von Anfang an genehmigt, bereits bei seiner Wahl zum NVH-Chef habe Wolf alle Kreisräte darüber informiert.
Ein Verkehrsdezernent, der ein öffentliches und ein privates Verkehrsunternehmen führt – drohen da keine Interessenkonflikte? Nein, meint die Kreisverwaltung, schließlich sei „der Inhalt der Nebentätigkeit nicht deckungsgleich mit der dienstlichen Tätigkeit“. Die NVH kümmere sich ausschließlich um den öffentlichen Linienverkehr, die Firma Wolf & Göhner dagegen alleine um den sogenannten Gelegenheitsverkehr; Linienverkehr betreibe sie nicht. Zudem befinde sich ihr Sitz im Nachbarkreis Schwäbisch Hall, der die Fach- und Rechtsaufsicht führe; im Hohenlohekreis sei sie nicht aktiv und kooperiere dort auch nicht mit anderen Busfirmen.
Auch bei Auftragsvergaben sieht der Kreis keine Probleme. Diese erfolge – wie zuletzt 2018 für zehn Jahre – EU-weit nach speziellen Kriterien; den Zuschlag bekomme das wirtschaftlichste Angebot. Wolf habe da keinen Ermessensspielraum und letztlich keinen Einfluss. Heikel könnte es werden, wenn sich Wolf & Göhner direkt an einem Vergabeverfahren der NVH beteiligt. Aber das, so der Kreissprecher, sei „in der Vergangenheit nicht passiert“.
Als Multitalent und Tausendsassa wird Alexander Wolf seine Zeitgenossen also auch künftig staunen lassen.