Stadt lädt Künstler aus Künstler-Mobbing in Ostfildern?
Die Stadt schließt Klaus Illi vom Offenen Atelier aus und verweigert die weitere Zusammenarbeit mit dem Künstler. Illi redet von „Zensur“, die Stadt von „negativen Erfahrungen“.
Die Stadt schließt Klaus Illi vom Offenen Atelier aus und verweigert die weitere Zusammenarbeit mit dem Künstler. Illi redet von „Zensur“, die Stadt von „negativen Erfahrungen“.
Am Sonntag war in Ostfildern wieder Offenes Atelier angesagt. Elf Künstlerinnen und Künstler öffneten ihre Arbeitsräume – mittlerweile eine schöne Tradition. Einer, der immer dabei war, war auch diesmal dabei. Aber nicht offiziell. Weder auf dem Leporello zur Veranstaltung noch in deren Bewerbung durch die Stadt Ostfildern kam Klaus Illi vor. Sein Atelier in Kemnat machte der überregional bekannte Künstler trotzdem auf. Kann ihm ja niemand verbieten. Zudem arbeitet seine Frau Bettina Bürkle, ebenfalls Künstlerin, im selben Haus. Sie hat es auf den Flyer und in die städtische Werbung geschafft – nach einigen Querelen. Was ist da los?
Zunächst: Wie die Ostfilderner Stadtsprecherin Petra Giacopelli auf Anfrage bestätigt, hat die Stadt entschieden, „keine weiteren gemeinsamen Projekte“ mit Illi durchzuführen. Illi wiederum weist darauf hin, das nun bereits zum siebten Mal durchgeführte Offene Atelier sei keine Veranstaltung der Stadt, sondern eine Initiative der Künstler selbst. Die Stadt habe sich lediglich bereit erklärt, die Druckkosten des Leporellos und die Öffentlichkeitsarbeit zu übernehmen. Der Ausschluss eines Künstlers von dieser medialen Präsentation sei ein inhaltlicher Eingriff, der der Stadt nicht zustehe.
Aber warum wurde Illi aus dem Leporello und den städtischen Infos verbannt? Die Begründung der Stadt gegenüber unserer Zeitung ist vage: „In der Vergangenheit kam es wiederholt zu schwierigen Situationen in der Zusammenarbeit“ mit Illi. Die Entscheidung, die Kooperation mit ihm einzustellen, stehe „in keinem inhaltlichen Zusammenhang mit den Themen, die er künstlerisch bearbeitet oder für die er sich engagiert, sondern beruht allein auf den negativen Erfahrungen in Bezug auf ein notwendigerweise konstruktives Miteinander der Zusammenarbeit.“
Aus Sicht des Künstlers steht am Anfang des Konflikts sehr wohl eines seiner Projekte. In seinem Beitrag zur Ausstellung „Spot on!“ anlässlich des 50-jährigen Stadtjubiläums im Sommer dieses Jahres thematisierte Illi ein dunkles Kapitel der jüngeren Stadtgeschichte: den von Neonazis 1992 im Kemnater Industriegebiet begangenen Mord an dem kosovarischen Gastarbeiter Sadri Berisha. Zur Ausstellungseröffnung plante Illi eine Gesprächsrunde mit dem Sohn und weiteren Angehörigen des Ermordeten sowie Zeitzeugen wie dem damaligen Ostfilderner Oberbürgermeister Herbert Rösch.
Diese Veranstaltung wurde ihm von der Stadt in den Räumen der städtischen Galerie untersagt. Man habe ihm mündlich mitgeteilt, so Illi, in der Galerie finde Kunst statt, das Gespräch sei aber Politik. Für den Künstler ein Fall von Zensur. Er wich mit der Veranstaltung ins evangelische Gemeindehaus aus. Unsere Zeitung griff den Fall auf, die Stadt begründete auf Anfrage ihr Vorgehen mit dem „zeitlichen Umfang“ sowie einem „nur vergleichsweise geringen Bezug der konzipierten Eröffnungsveranstaltung zu den ausgestellten Werken – in künstlerischer Hinsicht“. Was nicht nur Illi anders sieht.
In den jetzigen Vorgängen mutmaßt er eine Retourkutsche, weil er jenen Konflikt publik machte. Von zwei Künstlerkollegen sei er informiert worden, dass er und seine Frau Bettina Bürkle nach dem Willen der Stadt diesmal nicht am Offenen Atelier beteiligt würden. Von städtischer Seite sei gedroht worden, sonst die Unterstützung durch Übernahme der Druckkosten und Werbung zu entziehen.
Illi wandte sich an Kulturamtsleiter Daniel Blank und wurde von diesem zu einem Gesprächstermin eingeladen, den er jedoch wegen Abwesenheit nicht wahrnehmen konnte. In einer Mail an Blank kritisierte Illi seinen Ausschluss als „ungeheuerlich und unfair“, den seiner Frau als „Sippenhaft“. In seiner Antwort-Mail an Illi, die unserer Zeitung vorliegt, schreibt Blank: „Die Förderung des Einladungsflyers (...) werden wir zusagen unter der Bedingung, dass Ihr Name im Einladungsflyer nicht erscheint. Ob der Name Ihrer Frau Bettina Bürkle in dem Flyer erscheint, ist für uns dabei nicht maßgeblich – wenn Frau Bürkle das wünscht, spricht in Bezug auf die Förderzusage nichts dagegen, dass im Flyer ihr Name abgedruckt wird.“ Und dann noch mal verschärfter Klartext: „Auf diese Bedingung bestehen wir, weil sonst fälschlicherweise der Eindruck entstehen könnte, dass die Städtische Galerie Ostfildern weiterhin an einer Zusammenarbeit mit Ihnen interessiert sei und Kooperationen realisieren möchte. Das ist die Städtische Galerie Ostfildern bis auf weiteres nicht.“
Illi beklagt den Umgang mit ihm als „zutiefst undemokratisch. Was für ein Verständnis von Freiheit der Kunst steckt da dahinter?“ Am Offenen Atelier nahm er mit seinem Projekt „Grüss Göttin“ teil.
Wer? Wann? Wo?
Ihre Ateliers in Ostfildern öffnen die Künstler Tobias Ruppert und
Kunstverleih
Die Ausstellung zum diesjährigen Kunstverleih beginnt am Sonntag um 11.15 Uhr in der Städtischen Galerie. Gegen Gebühr können Interessierte die ausgestellten Werke aus der städtischen Sammlung für 33 Monate ab 8. Oktober ausleihen. Bis 7. Oktober dauert die Ausstellung.