Eleanor von Winter auf ihrem Balkon mit Sicht auf den Hangrutsch, dem die Eigentümer des Nebenhauses mit einer Plane entgegenwirken, um das Wasser abzuleiten. Foto: StZN/Dürr
Seit Jahren rutscht ein Hang in Schwäbisch Gmünd – zuletzt drei Meter. Die Stadt hat den Hauseigentümern eine Frist bis Freitag gesetzt, um die Standsicherheit der Gebäude zu beweisen.
Eleanor von Winter hat schlaflose Nächte hinter sich. Die 49-Jährige schaut von ihrem Balkon auf den Hang, der sie im schlimmsten Fall zum Auszug aus ihrer Wohnung zwingen und womöglich Zehntausende Euro für dessen Sicherung kosten könnte. „Die Situation hat sich immer weiter verschärft“, erzählt die Entwicklungsingenieurin. Deshalb sah sich auch die Stadt Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) zum Handeln aufgefordert und hat den Eigentümern der 21 Wohnungen in den drei betroffenen Häusern vor etwa einem Monat eine Frist gesetzt, um die Standsicherheit der Gebäude nachzuweisen. Bis Freitag, 20. Februar.
Der Hang sei weiter in Bewegung, hieß es in dem Schreiben. Bei der letzten Messung Ende Dezember sei festgestellt worden, dass er innerhalb von drei Monaten um weitere 3,15 Meter gerutscht sei. Die Abbruchkante reiche bis an das Fundament des mittleren der drei Häuser. Dies seien Anzeichen einer „erheblich gefährdeten Standsicherheit“.
Die Regenmengen im Sommer 2024 hatten Auswirkungen auf den Hang
„Wir gehen davon aus, dass Sie eine umgehende Überprüfung der Standsicherheit veranlassen“, hieß es aus dem Rathaus in Richtung der Eigentümer. Werde der Nachweis nicht fristgerecht vorgelegt, könne auch die Nutzung der Gebäude untersagt werden: „Dies würde eine umgehende Gebäuderäumung bedeuten.“
Bereits beim Bau der Häuser Anfang der 1990er-Jahre war bekannt, dass sie auf einem Rutschhang stehen werden. Entsprechend streng waren die Auflagen für die Baugenehmigung. „Mehr als 30 Jahre war die Standsicherheit nie ein Thema“, sagt von Winter. Doch die großen Regenmengen im Sommer 2024, die in einigen Orten im Südwesten zu Überschwemmungen führten, hatten auch Auswirkungen auf jenen Hang in der 60 000-Einwohner-Stadt.
Für Sicherung des Hangs stehen bis zu zwei Millionen Euro Kosten im Raum
Man arbeite nicht gegeneinander, sondern wolle jetzt gemeinsam dafür sorgen, „dass die Bewohner dort sicher leben – und dafür brauchen wir einen Nachweis, dass die Gebäude sicher stehen“, sagt der zuständige Erste Bürgermeister Christian Baron (CDU). Bei der gesetzten Frist habe die Stadt einen gewissen Spielraum. Sollten die Eigentümer für die Nachweise der Standsicherheit doch noch weitere Tage benötigen, bedeute das nicht den sofortigen Auszug an diesem Freitag. Es sei denn, die in Auftrag gegebenen Untersuchungen ergeben, dass die Häuser akut einsturzgefährdet seien.
Vor allem beim mittleren der drei Häuser sieht die Situation vor Ort bedrohlich aus: Jenes steht quasi direkt am Abgrund, vor der Hauswand geht es steil nach unten. Eine riesige Plane liegt über dem Hang, um das Wasser abzuleiten – als kurzfristige Maßnahme. Langfristig aber stehen Kosten bis zu zwei Millionen Euro für die Sicherung des Hangs im Raum – verteilt auf alle Eigentümer. „Nur eine Plastikplane hilft nicht, es muss was getan werden, dass der Hangrutsch gestoppt wird“, sagt Baron..
Blick von unten auf die betroffenen Häuser. Foto: StZN/Dürr
Eleanor von Winter lebt zwar nicht in dem besonders gefährdeten mittleren Haus, sondern in einem der äußeren, deshalb geht sie davon aus, dass sie auch weiterhin erst einmal dort wohnen kann. Doch sie hat Angst vor einer „Kostenexplosion“ mit Blick auf die Sicherung des Hangs. Schwäbisch Gmünd sei ihre Heimat, hier ist sie geboren, an dem Ort mit Blick über die Stadt lebt sie seit 2011, drei Jahre später hat sie sich die Wohnung gekauft.
Eigentümerin rechnet allein für sich mit Kosten von 90.000 Euro
Sie rechnet allein für sich mit Kosten in Höhe von rund 90.000 Euro für die Sicherungsmaßnahmen – eine Menge Geld bei einem geschätzten Verkehrswert ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung von ungefähr 120.000 Euro. Beteiligt sich eine Elementarschadenversicherung an den Kosten? Das ist noch unklar.
Bei besonders gefährdetem Haus muss ein Statiker draufschauen
Erfreuliche Nachrichten gibt es am Mittwochmittag vom zuständigen Hausverwalter für zumindest die zwei weniger gefährdeten Häuser, von denen in einem Eleanor von Winter lebt. Celestino Piazza, Geschäftsführer der Vereinigten Gmünder Wohnungsbaugesellschaft, gibt sich zuversichtlich, dass man zumindest für jene zwei Gebäude die Frist der Stadt einhalten und die Standsicherheit bis zu den ersten Sicherungsmaßnahmen im Sommer nachweisen kann.
Beim besonders gefährdeten mittleren Haus hingegen müsse neben einem Geologen zusätzlich ein Statiker seine Zustimmung geben. Dies werde aber nicht mehr bis zu diesem Freitag möglich sein. Man sei aber in ständigem Austausch mit der Stadt.