Stadtbahn-Planung in Ludwigsburg „Es muss eine echte Bürgerbeteiligung geben“

Die Karte auf dem Boden zeigt den Trassenverlauf und mögliche Probleme Foto: Simon Granville

In einigen Städten – etwa Tübingen und Regensburg – sind die Stadtbahnplanungen von einer Bürgermehrheit gekippt worden. Begründet wurde dies damit, dass die Bürger nicht rechtzeitig beteiligt worden seien. Das will man in Ludwigsburg besser machen.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Am Donnerstag hat die Planung für eine Bürgerbeteiligung in Sachen Ludwigsburger Stadtbahn begonnen – sogenannte „Schlüsselakteure“ waren von der Servicestelle Dialogische Bürgerbeteiligung des Landes Baden-Württemberg eingeladen worden, um sich zum ersten Teilabschnitt der Stadtbahn von Markgröningen nach Ludwigsburg zu äußern – welche Wünsche gibt es, was wird kritisch gesehen, welche Fragen sind offen.

 

Allerdings erschloss sich nicht ganz, wie man die „Schlüsselakteure“ ausgewählt hat. Denn eingeladen waren auffallend viele Befürworter der Stadtbahn-Idee – das Aktionsbündnis Stadtbahn, lokale Vertreter von Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und Nabu, das Klimaschutzmanagement Kreis Ludwigsburg, die VCD-Kreisgruppe Ludwigsburg, um nur einige zu nennen. Der in Sachen Stadtbahn eher schweigsame Innenstadtverein Luis war eingeladen, der Bund der Selbstständigen, der deutliche Kritik an den Plänen geäußert hat, jedoch zunächst nicht. Auch Reiner Boucsein von der IHK sagte, er sei erst „auf den letzten Drücker“ eingeladen worden.

Alle sollen zu Wort kommen

Michael Ilk, der Geschäftsführer des Zweckverbands Stadtbahn, versicherte: „Wir haben nicht darauf geachtet, dass nur Befürworter vertreten sind. Es muss eine echte Bürgerbeteiligung geben, in der alle Teile der Bevölkerung zu Wort kommen.“ Denn er wolle auch die Argumente gegen eine Stadtbahn kennenlernen und, wenn möglich, entkräften. Die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung ist im Übrigen – bis auf wenige Ausnahmen – ein im Baugesetzbuch vorgeschriebener Verfahrensschritt.

Dass den neuen Überlegungen, die Stadtbahn stark einen Kilometer auf einer Weststadtroute zum westlichen Ausgang des Bahnhofs und dann über die stark befahrene Friedrichstraße fahren zu lassen, von einigen der etwa 20 Anwesenden kräftiger Wind entgegenweht, wurde rasch deutlich. Christine Knoß, die nicht als Grünen-Stadträtin, sondern als Vertreterin des Naturparks West anwesend war, beklagte, dass durch das parallel zur Schillstraße geplante zweite Gleis der dortige schattige Weg wegfalle und „wohl Hunderte Bäume“ gefällt werden müssten. Auch sah sie keine Möglichkeit für Ausgleichsflächen in der Weststadt.

Etliche konträre Interessen

Reiner Boucsein von der IHK sah Probleme in erster Linie mit der geplanten Route Friedrichstraße, vor allem bei der Unterführung, wo sich Stadtbahn und andere Fahrzeuge über eine Ampelregelung eine Spur teilen müssten. Denn die Friedrichstraße und die Schwieberdinger Straße seien zentrale Wirtschaftsverkehrsachsen zwischen Waiblingen und Ludwigsburg. Wieder andere befürchteten einen Ausweichverkehr durch Oßweil über die Schorndorfer Straße und in die Wilhelmstraße – dabei wolle man doch vor allem mittels der Stadtbahn Busse und andere Fahrzeuge aus der Wilhelmstraße heraushalten, sagte etwa Christine Knoß. Eine andere Teilnehmerin äußerte, nur dank einer Innenstadtlinie hätten auch Ludwigsburger etwas von dem Großprojekt. Doch gerade dieser Trassenabschnitt ist äußerst umstritten und auch noch nicht vom Gemeinderat genehmigt.

Nora Jordan-Weinberg vom Kreisseniorenrat plädierte dagegen dafür, den Busverkehr zu erhalten. Der Weg zur nächsten Haltestelle sei kürzer, und der Bus könne, anders als eine Stadtbahn, bei Unfällen oder Baustellen auch mal ausweichen. Ilk versicherte, der Busverkehr werde innerhalb Ludwigsburgs weiter eine wichtige Rolle spielen. „Die Stadtbahn ist eher für weitere Entfernungen.“ Überhaupt wolle man, dass der Individualverkehr auch weiter funktioniere.

Adelheid Kainz vom BUND wies darauf hin, dass sich in den Jahrzehnten der Stadtbahn-Planung technisch viel verändert habe. „Wären autonom fahrende Busse nicht flexibler? Und was ist mit den Folgekosten einer Stadtbahn?“ Auch dass Bäume weichen müssen, sah sie kritisch.

Dieser schattige grüne Weg im Naturpark West müsste für ein zweites Stadtbahngleis weichen. Foto: privat

Insgesamt wurde eine verbindliche Klärung einiger Aspekte gefordert. So gibt es wohl verschiedene Aussagen seitens der Deutschen Bahn über die Nutzung der Gleise durch eine Stadtbahn. Auch zu potenziellen Fahrgastzahlen wurde eine realistische Aktualisierung verlangt. Die letzten Schätzungen stammen aus dem Jahr 2016; seitdem arbeiten mehr Menschen von zu Hause aus. Insgesamt brauche man „mehr Zahlen und weniger Gefühl und Hoffnung“, so eine Anwesende. Ebenfalls gefordert wurden Luftbilder, anhand derer deutlich werden soll, wie viel bestehendes Grün weichen müsste. Und geklärt werden soll schließlich auch, was aus den Anregungen der Bürger während der Trassenbegehungen geworden ist.

Doch auch damit wird das Thema noch längst nicht durch sein. Michael Ilk sagte, es gebe schon Ankündigungen, dass selbst gegen den ersten Teilabschnitt geklagt werden solle. Ob diese Klagen aufschiebende Wirkung haben könnten, müsse noch eruiert werden.

So soll es weitergehen

Bürgerinfo
Am Dienstag, 13. Mai, laden der Zweckverband Stadtbahn und die Stadt Ludwigsburg alle Interessierten zu einer Informationsveranstaltung ins Forum Ludwigsburg. Ab 17 Uhr haben Infostände geöffnet, die eigentliche Veranstaltung beginnt um 18 Uhr.

Info-Markt
Mit einem Infomarkt beginnt der zweite Teil der sogenannten dialogischen Bürgerbeteiligung. Alle sind eingeladen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 20. Mai, ab 18 Uhr auf dem Franck-Areal am Ludwigsburger Bahnhof statt, Raum 80. Weitere Veranstaltungen in Markgröningen und Möglingen sollen folgen.

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