Stadtbahnnetz in Stuttgart Wann fährt die U 19 endlich zum Mercedes-Museum?

Die SSB will dem Gemeinderat zwei Trassenvarianten für die knapp 900 Meter bis zum Mercedes-Museum präsentieren . Foto: Uli Nagel

Seit Jahren wird an der Verlängerung der Stadtbahntrasse entlang der Mercedesstraße getüftelt. Mittlerweile gibt es zwei mögliche Varianten. Doch die Umsetzung des Projekts wird immer wieder verschoben. Woran liegt das?

Redaktionsleiter: Uli Nagel (uli)

In den kommenden Jahren will die Stadt die Flächen im Neckarpark umgestalten und neu ordnen sowie die Einrichtungen besser verknüpfen und an den Neckar anbinden. Ein wichtiger Baustein in diesem Masterplan, das hat Corinna Althanns, beim Stadtplanungsamt für den Bereich Neckar verantwortlich, schon mehrfach betont, stellt dabei die Trassenverlängerung der U 19 dar. Anfang Februar gab es ein Gespräch mit allen Beteiligten, das mit einer ziemlich langen Liste endete, was es bei dem Trassenbau alles zu berücksichtigen gilt.

 

Zur Diskussion stehen zwei Varianten für die gut 900 Meter bis zum Daimler-Werkstor. Die erste verläuft dabei mittig im Straßenraum. Die Alternative, die auch im Flächennutzungsplan ausgewiesen ist, führt entlang der städtischen Sportanlagen. „Die Platanen-Allee darf natürlich nicht angerührt werden“, sagt Volker Christiani. Zwischen den Bäumen und den Sportanlagen sei jedoch genügend Platz für die Gleise.

Poller kein Problem

Der Vorteil dieser Variante: Die Trasse könnte an den Sicherheitspollern vorbei verlegt werden, die die Stadt vor der Fußball-EM für gut 6,5 Millionen Euro unter anderem auch am Kreuzungsbereich Tal-/Mercedesstraße eingebaut hat. Der Nachteil: Die Endhaltestelle liegt dann nicht beim Kreisverkehr, sondern rund 160 Meter davor. Ein Pluspunkt für eine Trasse mitten auf der Mercedesstraße. „Allerdings müsste bei dieser Lösung zu den Heimspielen des VfB Stuttgart der Betrieb für einige Stunden unterbrochen werden“, sagt der SSB-Chefplaner. Denn drei Stunden vor Anpfiff werden die Poller hochgefahren. Zudem hätte die Stadt sehr viel weniger Platz, um in der Mercedesstraße wie geplant großzügige Radspuren zu installieren. Zu guter Letzt würden auch noch sämtliche Parkplätze dort wegfallen.

SSB favorisiert ganzheitliche Lösung

Was bei beiden Varianten wichtig ist: gut 50 000 Stadionbesucher müssen im Notfall so schnell wie möglich über die Mercedesstraße und die Entfluchtungstore auf die Parkplätze und die städtischen Sportanlagen gelangen können.

„Unser Ziel ist eine ganzheitliche Lösung für Stadtbahn-, Auto- und Radverkehr, wobei die geplante Weiterentwicklung der städtischen Sportanlagen natürlich berücksichtigt werden muss“, betont Volker Christiani. Denn die Stadt will ein Gesamtkonzept für die Sport- und Veranstaltungsflächen im Neckarpark entwickeln mit dem Ziel, mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen und Verkehrsflächen zu reduzieren.

Ein Grundproblem des Neckarparks ist, dass es zwar große Freiflächen gibt, die aber laut dem Stadtplanungsamt stark versiegelt sind, was sich negativ auf Klima, Ökologie und die Aufenthaltsqualität auswirkt. Der Hauptgrund für die Versiegelung: das ebenerdige Parken. Mehr als 6200 Stellplätze blockieren eine Fläche von 20 Fußballfeldern.

Die Trassenverlängerung hat eine lange Vorgeschichte

Über eine Verlängerung der Trasse in der Mercedesstraße wird in Stuttgart schon lange diskutiert: „Wir leben leider nicht im Schlaraffenland des Nahverkehrs.“ Mit diesen Worten beerdigte im Jahr 2014 Wolfgang Arnold, damals Technikvorstand bei der Stuttgarter Straßen Bahnen AG (SSB), den Vorstoß einiger Gemeinderatsfraktionen, das Mercedes-Museum besser an den ÖPNV anzubinden und deshalb die Stadtbahntrasse – damals pendelte die Wasenlinie U 11 nur bei Großereignissen vom Hauptbahnhof zum Wasen – von der Endhaltestelle am Stadion vorbei bis zum Daimler-Konzern zu verlängern. Sechs Millionen Euro für den Gleisbau sowie jährliche Betriebskosten in Höhe von 700 000 waren Wolfgang Arnold damals jedoch zu viel.

U 19 geht in Dauerbetrieb

Wiederauferstehung feierte die Idee jedoch bereits ein Jahr später, als SSB-Chefplaner Volker Christiani im Bezirksbeirat Bad Cannstatt eine Möglichkeit für eine Trassenverlängerung präsentierte. Sein Vorschlag damals: die Linie U 19 könnte auch nach einer Verlängerung der Trasse weiter bis direkt vor die Daimler-Werkstore fahren. Den bei Dauerbetrieb der U 19 bis zum Mercedes-Museum prognostizierten Zuwachs von 2000 Fahrgästen am Tag bewertete sogar der Kritiker Arnold als „beachtlich“.

Erste Gespräche mit Anliegern

2018 wurden erste Gespräche mit den Anliegern entlang der Mercedesstraße geführt. „Allerdings noch mit gebremster Energie – Projekte wie etwa die S-Bahn nach Neuhausen oder die Trassenverlängerung der U 13 hatten damals Priorität“, erinnert sich Volker Christiani. Das Projekt wurde jedoch nie von der Agenda genommen und regelmäßig im Nahverkehrsplan fortgeschrieben, allerdings auch nie mit Nachdruck weiter verfolgt. Zuletzt waren sich SSB und Verwaltungsspitze einig, sich dem Thema erst nach der Fußball-EM 2024 wieder ernsthaft zu widmen. Und die SSB-Verantwortlichen hielten Wort: „Ich denke, dass wir im Herbst erstmals dem Gemeinderat etwas Konkretes präsentieren können“, sagt der SSB-Chefplaner Christiani, der sich auch eine Kombilösung beider Varianten vorstellen könnte. Zu möglichen Kosten wagt er jedoch keinerlei Prognosen: „Für den Preis von sechs Millionen Euro aus dem Jahr 2014 wird das Projekt sicher nicht mehr zu realisieren sein.“

Infrastruktur im Neckarpark

Stadien
Neben der MHP-Arena gibt es noch das Robert-Schlienz-Stadion neben dem VfB-Clubhaus, das Stadion Festwiese sowie das Reitstadion.

Vereine
Neben dem VfB Stuttgart sind im Neckarpark auch noch der PSV Stuttgart, auf einem gemeinsamen Gelände der VfL Stuttgart und der ESV Rot-Weiss Stuttgart, der Stuttgarter Sportclub sowie die Kanugesellschaft Stuttgart beheimatet.

SpOrt Stuttgart
Neben zahlreichen Sportorganisationen und- fachverbänden sind hier auch etliche Olympiastützpunkte wie etwa Radfahren und Turnen beheimatet.

Hallen
Neben der Schleyerhalle (15 000 Zuschauer) und Porsche-Arena (7500 Plätze) gibt es noch die SCHARRena mit Platz für gut 2000 Zuschauer.

Mercedes-Benz-Museum
Seit 2006 Pilgerstätte für Autofans mit jährlich bis zu einer Million Besucher.

Carl-Benz-Center
Es wurde 2006 als Veranstaltungszentrum eröffnet und bietet rund 20 000 Quadratmeter Nutzfläche. Es verfügt über die Carl-Benz-Arena, ein Hotel und verschiedene Einrichtungen des VfB Stuttgart.

Weitere Themen