Stadtbibliothek Stuttgart Max und Moritz sind Kult – seit 55 Jahren kurvt der Bücherbus
Am 25. Februar 1971 hatte der erste Stuttgarter Bibliotheksbus seine Jungfernfahrt. Die Bücherei auf vier Rädern ist bis heute unterwegs – und wird heißgeliebt.
Am 25. Februar 1971 hatte der erste Stuttgarter Bibliotheksbus seine Jungfernfahrt. Die Bücherei auf vier Rädern ist bis heute unterwegs – und wird heißgeliebt.
Der Autor der Stuttgarter Zeitung war voll des Lobes: Eine „höchsterfreuliche Neuheit“ lobte er im Lokalteil der Ausgabe vom 26. Februar 1971. Einen Tag zuvor war der neue Bücherbus auf die Strecke gegangen. Der war zwölf Meter lang, zweieinhalb Meter breit, drei Meter hoch – eine Sonderkonstruktion der Firma Gottlob Auwärter aus Möhringen –, hatte ein steigendes Rössle an der Seite und bot 60 Personen und 4500 Büchern Platz. Dach und Rückwand des Busses waren verglast, um Tageslicht einzulassen. Der Kulturdezernent Schumann pries die fahrende Bibliothek vor der Jungfernfahrt als „motorisierte Kulturarbeit“.
Sieben Stuttgarter Stadtbezirke bediente der Bücherbus am Anfang: Büsnau, Fasanenhof, Birkach, Heumaden, Sillenbuch, Hedelfingen und Obertürkheim. In Sillenbuch, Birkach und Obertürkheim ersetzte der Bus drei „unzulänglich untergebrachte“ Stadtteilbibliotheken, die geschlossen wurden. Eine weitere Station sollte die Wohnstadt Asemwald werden – „nach der Fertigstellung des ersten Wohnblocks.“
1976 beschrieb ein Reporter eine Fahrt mit dem Bücherbus: „Hat der Wagen eine der festen und markierten Haltestellen erreicht, senkt der Fahrer das Fuhrwerk zur bequemen Einstiegshöhe ab und schon stürmt (...) die schiere Leselust das Gefährt des Geistes.“ Die Bibliothekarin Brigitte Wilhelm half bei allen Fragen weiter: „Da isch im Fernsehen mal a Sendung gwäsa. Gibt’s da au a Buch davo?“, zitiert der Autor einen jungen Bücherwurm. Was nicht im Bus war, wurde bestellt und war beim nächsten Mal dabei.
Sechs Jahre später, im Februar 1977, bekam der erste Bücherbus Verstärkung. Oberbürgermeister Manfred Rommel schickte den zweiten Bus auf die Strecke. Der, hieß es in einem weiteren Artikel der StZ, versorge „Gebiete mit vielen Ausländern, wie Stuttgart-Nord, Hausen oder Wangen.“ Dafür habe der Bücherbus fremdsprachige Bücher in den Regalen, „wenn auch nicht ausreichend“.
Dass sein Stadtbezirk „nur“ von einem Bücherbus angefahren wurde, wie Hedelfingen oder Heumaden, beklagte 1985 der Bezirksvorsteher von Stuttgart-West, Günter Stegmaier. Da sei, „als wolle man einem Bernhardiner und einem Zwergpinscher den selben Futternapf hinstellen.“ 20 Jahre später, 2005, bekam der Westen seine eigene Bezirksbibliothek.
1987 ging der erste Bücherbus nach 16 Jahren in Rente – er kam nicht mehr durch den TÜV. Den Nachfolger taufte die Frau des OBs, Lieselotte Rommel, auf den Namen „Moritz“. Moritz hatte eine Klimaanlage und kostete eine halbe Million Mark.
Die neueste Generation von Max und Moritz sind heute fast täglich irgendwo im Stadtgebiet unterwegs. Die silberfarbenen Bücherbusse fahren über 50 Haltestellen an – Kindergärten, Schulen und natürlich Stadtteile ohne eigene Stadtteilbibliothek. Sillenbuch zum Beispiel, Wangen oder Dürrlewang.
„Generationen von Leserinnen und Lesern haben in den Bussen ihre Begeisterung für Bücher entdeckt, Wissen geteilt und Geschichten erlebt“, sagt Elke Brünle, die stellvertretende Direktorin der Stadtbibliothek Stuttgart. Die Bücherbusse seien „ein Stück lebendiger Lesekultur“.
Garagenparty im Busdepot
55 Jahre Bücherbus wollen gefeiert werden – am Freitag, 27. Februar, steigt im Busdepot in der Landhausstraße 188/1 eine Garagenparty. Von 7 bis 21 Uhr gibt es ein vielfältiges Programm und Einblicke hinter die Kulissen der Bücherbusse. Diese dienen zudem als rollende Gästebücher, auf denen alle Gäste ihre Glückwünsche und kleinen Botschaften verewigen können. Um 10, 14 und 18 Uhr finden Depotführungen statt, um 11 Uhr liest Kulturamtsleiter Marc Gegenfurtner Kindern vor. Anmelden kann man sich per Mail unter: stadtbibliothek.fahrbibliothek@stuttgart.de