Stäffele in Stuttgart Sieben Fakten für Stäffelesrutscher

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Einzigartig sind sie und der Topografie der Kesselstadt geschuldet: Die Stuttgarter Stäffele. Wir haben sieben Fakten zusammengetragen, die Stäffelerutscher kennen sollten.

Treppauf, treppab – Stuttgart ist bekannt für seine Stäffele, wie dieses Exemplar am Schwabtunnel im Westen. Foto: the 26 Bilder
Treppauf, treppab – Stuttgart ist bekannt für seine Stäffele, wie dieses Exemplar am Schwabtunnel im Westen. Foto: the

Stuttgart - Nicht umsonst werden die Stuttgarter „Stäffelesrutscher“ genannt: Den Kessel und die Halbhöhe verbinden unzählige Treppen, die es hinauf- und hinabzusteigen gilt, wenn man sich in der Landeshauptstadt zu Fuß fortbewegen will.

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Einer, der die Stäffele in- und auswendig kennt, ist Oliver Mirkes, der als Stadtführer Stäffelestouren anbietet. Wir haben mit ihm gesprochen – über Geheimtipps, spektakuläre Ausblicke und warum keiner so genau weiß, wie viele Treppen die Stuttgarter Hänge durchziehen.

Wie viele Stäffele gibt es in Stuttgart?

Wie viele Stäffele es in Stuttgart gibt, weiß keiner so genau, auch nicht Oliver Mirkes. „Es kommt darauf an, was man als Stäffele definiert.“ Zählt man neben den öffentlichen Treppenanlagen auch Weinbergstaffeln, Hausaufgänge und die Staffeln in Privatgärten dazu, ist die Anzahl schwer zu beziffern. Die Zahl 600, die in vielen einschlägigen Büchern und Artikeln kursiert, scheint dem Stadtführer annähernd realistisch zu sein. Gesichert ist dagegen laut Mirkes, dass es rund 50 öffentliche Staffeln gibt, die einen Namen haben.

Warum hat Stuttgart so viele Stäffele?

Dass es in Stuttgart so viele Stäffele gibt, hängt selbstverständlich mit der Topografie der Landeshauptstadt zusammen. Seit dem 12. Jahrhundert, weiß Mirkes zu berichten, wurde in den Steillagen am Neckar Weinbau betrieben. Um die Hänge zu bewirtschaften, wurden Staffeln angelegt. Im 19. Jahrhundert legte Stuttgart deutlich an Einwohnern zu. Der Kessel wurde zu eng, man wich mit der Bebauung auf die Hänge aus – die Halbhöhe war geboren.

Welches ist Stuttgarts längstes Stäffele?

„Die Willy-Reichert-Staffel an der Karlshöhe“, weiß Oliver Mirkes, ist das längste Stäffele. 408 Stufen führen nach oben. Die Taubenstaffel in Heslach, die oft als längste Staffel Stuttgarts gehandelt wird, hat dagegen „nur“ 357.

Das Stäffele mit der schönsten Geschichte

Das ist Geschmackssache, ganz klar. Der Stadtführer selbst hat ein Herz für die Stäffele rund um die Karlshöhe: Mit der Oscar-Heiler- und der Willy-Reichert-Staffel hat hier das Schwaben-Duo „Häberle und Pfleiderer“ seine in Stufen gegossene Ehrung bekommen.

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Bei seinen Führungen erfährt Mirkes hingegen immer wieder, dass vor allem die Sünderstaffel zwischen Pfizer- und Diemershaldenstraße die Fantasie der Menschen anregt. Die Legende ist aber auch zu schön: Ein Edelmann soll hier sein Leben gelassen haben, weil er in einem Duell einen Nebenbuhler getötet hatte. Hans Rugger, so sein Name, soll sich den Ort sogar selbst ausgesucht haben: „Am Gabelberg liegt mir mein Ahnengut, da lasst mich verspritzen mein junges Blut.“ So dramatisch die Geschichte klingt - sie ist nicht wahr. Vielmehr ist die Staffel nach der Wengerter-Familie benannt, der einst an Ort und Stelle ein Weinberg gehörte.

Die Stäffele mit der schönsten Aussicht

Oliver Mirkes hat drei Tipps parat: Wer die Dobelstaffel hinaufsteigt, wird mit einem schönen Kesselblick bis zum Birkenkopf belohnt.

Auch die Fritz-Münch-Staffel an der Alten Weinsteige bietet eine reizvolle Aussicht über das Lehen- und Heusteigviertel auf der einen und die Weinberge an der Neuen Weinsteige auf der anderen Seite.

Steigt man das Pfarrwegle in Heslach hoch, kann man bis zur Gänsheide mit der Villa Reitzenstein und auf den Haigst sehen.

Drei Stäffele, die man als Stuttgarter gegangen sein muss

Da fällt dem Stäffeleführer die Auswahl schwer. Ein Muss ist sicherlich die Sünderstaffel – nicht nur wegen der romantisch-gruseligen Geschichte, die sich um sie rankt, sondern auch wegen der Treppenanlage selbst: Die zweiflügeligen Auf- und Abgänge sowie das schmiedeeiserne Geländer sind sehenswert.

Die Eugenstaffel (die übrigens nur umgangssprachlich so heißt) ist sicher kein Geheimtipp, aber mit dem Galatea-Brunnen am oberen Ende einfach wunderschön. Und als Belohnung fürs Treppensteigen kann man sich oben mit einem Eis belohnen.

Die Oscar-Heiler-Staffel hat nicht nur einen illustren Namensgeber, sondern auch einen derart versteckten Aufgang, dass viele eingefleischte Stuttgarter ihn nicht auf Anhieb finden dürften. Hinter dem Heslacher Stadtbad liegt der verborgen in einer Art Hinterhof. Auf der Heiler-Staffel kann man bis hoch zur Karlshöhe steigen.

Oliver Mirkes’ Geheimtipp

Die vermutlich einzige Stäffeles-Kreuzung Stuttgarts findet sich in Heslach, an der Baum- und der Rebenreute. Die zugehörige namenlose Staffel führt zum Blauen Weg hinauf. Eine schönes Ziel für den nächsten Sonntagsspaziergang.

Oliver Mirkes bietet vielfältige Stäffeles-Stadtführungen an. Mehr Informationen gibt es hier.

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