Stand der Sanierung Liebfrauenkirche in Esslingen: der „Faifegrädler“ bekommt ein Facelifting

Die Liebfrauenkirche wird seit Anfang 2025 aufwendig saniert. Foto: Roberto Bulgrin

Das Gotteshaus im Esslinger Stadtteil Mettingen muss wegen baulicher Mängel saniert werden. Zeit- und Kostenrahmen wurden im Zuge der Bauarbeiten nach oben korrigiert.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

Es ist ein Trick der Optik: Von den fünf Türmen der Liebfrauenkirche in Esslingen-Mettingen sind aus allen Perspektiven immer nur vier zu sehen. „Faifegrädler“ wird das Gotteshaus in der Schenkenbergstraße daher liebevoll genannt – weil es alle Fünfe gerade sein lässt. Doch in den letzten Monaten waren nicht nur eine Turmspitze, sondern große Teile des Gebäudes verdeckt. Es wurde hinter einem Baugerüst versteckt, denn die Kirche wird aufwendig saniert. Die Arbeiten sind nicht immer himmlisch verlaufen, doch bis zum Sommer sollen sie beendet sein.

 

Aber nein. Pfarrer Peter Rohde schüttelt energisch den Kopf. Einschränkungen müssen die gut 1000 evangelischen Christen in Mettingen, Weil und Brühl wegen der Maßnahme in den kommenden Monaten nicht befürchten. Gottesdienste und andere Veranstaltungen könnten in der Kirche wie gewohnt durchgeführt werden: „Ein Ausweichprogramm brauchen wir nicht.“ Das Gotteshaus könne weiterhin genutzt werden.

Die Liebfrauenkirche muss saniert werden, wurde im Januar 2024 bekannt gegeben: Zum Vororttermin trafen sich Florian Hartmann, Leiter der Bauabteilung der Esslinger Gesamtkirchengemeinde, Pfarrer Peter Rohde und der damalige Dekan Bernd Weißenborn (von links). Foto: Roberto Bulgrin

Vieles wurde bereits erledigt. Einiges ist noch zu tun. Zu Jahresbeginn sollen laut Florian Hartmann, dem Leiter der Bauabteilung der Esslinger Gesamtkirchengemeinde, vor allem die Natursteine im Chor auf Vordermann gebracht werden. Ab März wird es dann herausfordernder. Für die Sanierung des aus dem 15. Jahrhundert stammenden Gotteshauses müssen die denkmalgeschützten Fenster ausgebaut werden. Dafür, so ergänzt Florian Hartmann, muss im Innern des Chors ein zusätzliches Gerüst aufgestellt werden. Die Fensteröffnungen würden während dieser Zeit durch eine Holzkonstruktion verschlossen.

PV-Anlage wurde auf Liebfrauenkirche in Mettingen angebracht

Ab März stehen dann der Außenputz des Chores sowie der Einbau eines äußeren Schutzes gegen Schlagregen und einer inneren Staubschutzwand für die Chorfenster auf dem Bauplan. Segmente der Mittelpfosten sollen ausgetauscht werden. Einige Sanierungsarbeiten sind laut Hartmann bereits beendet: So wurden eine Blitzschutzanlage und eine Photovoltaikanlage installiert. Die Ausbesserungen am Putz des Kirchenschiffs sowie die Turmsanierung auch mit Maßnahmen an Holzbauteilen, Schallläden oder Fenstern wurden durchgeführt.

Bis zum Sommer soll alles fertig sein. Der neue Zeit- und Kostenrahmen könne laut Florian Hartmann eingehalten werden. Denn Aufwand und Ausgaben für die Sanierung hatten im August letzten Jahres deutlich nach oben korrigiert werden müssen. Ursprünglich war man Hartmanns Angaben zu Folge von etwa 525 000 Euro ausgegangen. Nun hat sich die Summe auf gut 1,28 Millionen Euro hochgeschraubt. Der Eigenanteil der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen habe sich von 263 000 auf aktuell 521 000 Euro fast verdoppelt. Zuschüsse gebe es von der Evangelischen Landeskirche und dem Kirchenbezirk Esslingen. Auch beim Landesdenkmalamt seien Fördergelder beantragt worden.

Grund für den „Kostenkracher“ sind im Zuge der Bauarbeiten zu Tage getretene Mängel. Die Schäden an Putz und Sandstein im Bereich von Chor, Turm und Kirchenschiff seien größer als ursprünglich gedacht, sagt Florian Hartmann. Die Missstände seien aber erst sichtbar geworden, als das Gerüst bereits gestanden habe.

Bis zum Sommer sollen die Bauarbeiten an der Liebfrauenkirche im Esslinger Stadtteil Mettingen beendet sein. Foto: Roberto Bulgrin

Gestartet waren die Bauarbeiten Anfang 2024. Die Betonfaserplatten, die erst seit 1974 das Schiff des Gotteshauses bedeckten, mussten laut einem damals erschienenen Artikel unserer Zeitung komplett ersetzt werden. Teilweise waren sie schon im Sommer 2021 durch ein Unwetter entfernt worden. Ein provisorisches Dach wurde installiert, das Kunstwerke im Innern und Bausubstanz schützen sollte. Doch selbst ohne Unwetter wären die Faserplatten mittlerweile fällig gewesen, hatte Hartmann damals erklärt. Auch die rissigen Außenwände sollten saniert werden. Darum wurde mit dem Facelifting des „Faifegrädlers“ begonnen.

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