Start-up auf den Fildern „Wie ein Poster – nur cooler“: die eigene Stadt im Miniaturformat

Julian (links) und Raphael Ambrozy starten mit ihrer Firma Lichtbild Manufaktur durch. Foto: Caroline Holowiecki

Ob New York, Berlin, Esslingen oder Musberg: Ein Start-up aus Unteraichen stellt 3-D-Stadtmodelle her. Gegründet hat das Unternehmen ein junges Brüderpaar aus Ostfildern.

Das Surren unzähliger 3-D-Drucker wird zum Dauerrauschen im Hintergrund. Unaufhörlich bewegen sich automatische Arme hin und her, lassen Millimeter für Millimeter aus Kunststoff Häuser, Türme und berühmte Bauwerke wachsen, Städte und Bergketten, Inseln und Meere. Hier, bei der Firma Lichtbild Manufaktur in Unteraichen, entstehen detailgetreue 3-D-Stadt- und Landschaftsmodelle im Maßstab 1:5000 und drüber.

 

Egal ob Berlin-Mitte mit dem prägnanten Fernsehturm, Paris mit dem Eiffelturm im Zentrum oder ein abgelegenes Dorf irgendwo auf der Schwäbischen Alb: Jeder Ort der Welt kann von der Kundschaft auf der Firmenhomepage als Satellitenbild ausgewählt und dann als gerahmtes Modell im quadratischen Format hergestellt werden. „Wir machen täglich Kartenverbesserungen“, erklärt Julian Ambrozy, der Gründer.

Der Firmengründer kommt aus dem Stadtteil Scharnhauser Park

Der junge Mann aus dem Stadtteil Scharnhauser Park in Ostfildern hat die Software entwickelt, die es ermöglicht, weltweit Karten zu sammeln und topografische Daten in die detaillierten 3-D-Modelle umzuwandeln. Dabei ist Julian Ambrozy gerade mal 22 Jahre alt. Vor nicht allzu langer Zeit hat er sein Studium im Fach angewandte Informatik in Konstanz abgeschlossen, Schwerpunkt künstliche Intelligenz. Doch schon als Schüler hat er als Tüftler von sich reden gemacht. 2021, mitten in der ganz heißen Corona-Phase, hat er ein Portal programmiert, das Impfwilligen die Suche nach einem Impfzentrum mit freien Terminen erleichterte. Da war er gerade mal 17 Jahre alt gewesen. Wenig später, mit 18, brachte der junge Erfinder eine eigene Hausaufgaben-App heraus.

Bei der Lichtbild Manufaktur im Boot ist auch Julian Ambrozys jüngerer Bruder Raphael. Der ist 18 Jahre alt und hat im vergangenen Jahr sein Abitur gemacht. Gemeinsam hat das Brüderpaar anfangs daheim im Elternhaus gearbeitet, doch „wir wussten, dass wir ein Büro mieten müssen, sobald wir mit Abi und Studium fertig sind“, sagt Julian Ambrozy.

Seit dem vergangenen Jahr ist das Start-up im Gewerbegebiet von Unteraichen ansässig, das Team ist schon auf in Summe zehn Personen gewachsen, Werkstudenten inklusive. „Wir können das nicht mehr zu zweit“, sagt Julian Ambrozy. Schon jetzt geht der Lichtbild Manufaktur der Platz aus. Das Duo sucht bereits größere Räumlichkeiten, idealerweise auf den Fildern, „weil wir unsere Mitarbeiter nicht verlieren wollen“.

Dieses Modell von Lichtbild Manufaktur zeigt Esslingen. Foto: Caroline Holowiecki

Die Geschäftsidee kommt ziemlich gut an. Julian Ambrozy berichtet von mehr als 10 000 Kundinnen und Kunden, seitdem es das Business gibt. Die Bestellungen gingen aus der ganzen Welt ein, aus den USA, aus Australien oder Singapur. Zur Kundschaft gehören demnach Kommunalverwaltungen, Architekten- und Immobilienbüros, aber vor allem auch Privatpersonen, die sich ihr Heimatdorf, ihre Traumstadt oder ihren Lieblingsort daheim an die Wand hängen wollen oder ein individuelles Geschenk suchen. Zudem ist es möglich, in den Modellen beispielsweise einzelne Häuser oder Wanderrouten farbig zu markieren. „Es geht um persönliche Orte“, sagt Julian Ambrozy, jedes Produkt sei ein Unikat. Er lacht auf. „Es ist wie ein Poster, nur cooler.“

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