Mit zwei Mann habe man zwei Tage gebraucht, um drei Carports aufzustellen, sagt der Gründer Felix Gerhardt. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer
Das Start-up UV Energy aus Böblingen will mit Parkplatz-Kraftwerken zur Energiewende beitragen. Prototypen stehen bereits. Eine erste Erkenntnis ist: Die mit Solar überdachten Parkplätze sind am schnellsten besetzt.
Mit Solardächern auf Häusern oder über Terrassen sowie Balkonkraftwerken und Ähnlichem sind mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten auf dem Markt, wie jeder Einzelne mit vergleichsweise geringem Aufwand selbst Strom aus Sonnenschein erzeugen kann. Auch für Parkplätze gibt es Lösungen, wie sie mit Solarkollektoren überdacht werden können. Was für Privatpersonen eher unwichtig ist, geht Firmen und Kommunen sehr wohl etwas an. Das Klimaschutzgesetz schreibt für neue Parkplätze ab einer Zahl von 35 Stellplätzen nämlich inzwischen eine Solarüberdachung vor. Die Umsetzung sei für Kommunen und Gewerbetreibende aber kompliziert, sagt Felix Gerhardt, einer der Gründer des Böblinger Start-ups United Virtual (UV) Energy. Das wollen er und seine Mitstreiter mit ihrem Bausatz für Parkplatzkraftwerke ändern.
„Die Bereitstellung erneuerbarer Energien wird zunehmend durch den vorherrschenden Fachkräftemangel eingeschränkt“, konstatiert das junge Unternehmen auf seiner Webseite. Darin liege möglicherweise ein Grund dafür, dass die Energiewende noch nicht so weit vorangeschritten sei, wie eigentlich möglich. Der vormontierte Bausatz von UV Energy soll mit einer kurzen Planungszeit helfen. „Wenn wir voll im Schwung sind, werden wir vom ersten Kontakt bis zum fertigen Anschluss drei bis sechs Wochen brauchen“, sagt Gerhardt. Das soll voraussichtlich im kommenden Jahr so weit sein. Aber schon jetzt sei man schneller als die Mitbewerber, die rund 14 Monate brauchten, so seine Einschätzung.
Felix Gerhardt Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer
Gerhardt und seine Mitstreiter Steffen Theurer und Nikolai Ensslen – Letzterer ist Geschäftsführer des Unternehmens Synapticon aus Schönaich und bei UV Energy als Beirat tätig – sind überwiegend zufällig dazu gekommen, etwas mit erneuerbaren Energien zu machen. Felix Gerhardt erzählt, er habe zunächst eine Medienschule geleitet und sei vor rund zehn Jahren zu dem Start-up Solavinea gekommen, das Solar-Überdachungen für Terrassen entwickelt.
Ziel: Solarausbau im größeren Stil
Sein Interesse für Solarenergie beschreibt Gerhardt so: „Man müsste sich schon sehr ignorant anstellen, um nicht zu erkennen, dass es höchste Zeit ist, dass die erneuerbaren Energien ausgebaut werden.“ Bei dem Start-up habe er Steffen Theurer kennengelernt, der als externer Berater für das Unternehmen gearbeitet habe. „Von da war der Schritt zu den Carports nicht mehr weit“, sagt Gerhardt. Theurer und er hätten zusammen überlegt, wie man ähnliche Systeme im größeren Stil an Geschäftskunden herantragen könne. „Meine Vorstellung war, dass ich einen größeren Impact haben wollte“, sagt Gerhardt. „Wenn ich eh schon mit Erneuerbaren arbeite, dann will ich das im großen Stil machen.“
Die drei Gründer hatten die Idee, ihren Kunden nicht die Hardware für den Solar-Carport zu verkaufen, sondern den davon erzeugten Strom. Auf der Suche nach einer simplen Umsetzungsmöglichkeit seien sie schnell an Grenzen gestoßen: ohne monatelange Planung und individuelle Anfertigung für den jeweiligen Parkplatz habe man keine Bausysteme gefunden. „Wir hatten an so etwas wie Lego, Ikea oder Amazon gedacht“, sagt Felix Gerhardt. Ein System, das man online bestellen könne, das überall passe und das schnell montiert und angeschlossen sei. „Wir hatten das Glück, dass Steffen Theurer viele Jahre lang Prototypen entwickelt hat und dass Nikolai Ensslen Wirtschaftsingenieur ist“, sagt der Mitgründer. So habe man schließlich ein eigenes System und eine zugehörige Software entwickelt.
KI berechnet Parkplatzkraftwerke
Ganz fertig ist die Software zwar noch nicht – die künstliche Intelligenz (KI) muss noch lernen – aber einen Einblick gibt Felix Gerhardt schon mal. Ziel ist, dass die Kunden auf der Plattform im Internet ihre Adresse eingeben und über ein Satellitenbild die Stellplätze markieren, die ein Parkplatzkraftwerk bekommen sollen. Die KI rechnet dann aus, wie der Stromertrag ist, wie viele Einheiten benötigt werden, und – falls es keine Stellplatzmarkierungen gibt – wie die Parkfläche sich am besten nutzen ließe. Es gebe zwei Möglichkeiten: entweder, der Kunde kaufe die Hardware, die bei ihm aufgebaut werde, oder er finanziere sie über den Strom, die er UV Energy zur eigenen Nutzung abkaufe.
Was das UV-Energy-System von anderen unterscheide, sagt Gerhardt, sei besonders das sogenannte selbst balancierende Design. Das könne in der Theorie ganz ohne Schrauben auskommen. „Wir werden es aber in Wirklichkeit immer mit Erdschrauben im Boden verankern“, sagt Gerhardt. Aber warum „selbst balancierend“? „Ich habe mir mal in einem Parkhaus die linke Autoseite ruiniert, weil ein Betonpfeiler aus dem Nichts kam“, sagt Gerhardt. Daher sollten die Carports seines Start-ups so wenig Pfeiler wie möglich haben. Auch das Solarmodul, das obenauf liegt, werde verschraubt, damit es bis zu zwei Tonnen Schnee sowie Sturm standhalten könne.
Soll mit so wenig Pfeilern wie möglich auskommen – die Carport-Lösung mit Solarenergie Foto: Andreas Ulmer
Hergestellt wird die Hardware, das heißt die Standbeine, der Stahlrahmen und die Panels, außerhalb des Unternehmens. Standbeine und Alurahmen würden von Metallbetrieben angefertigt. Theoretisch könne das jeder entsprechende Betrieb sein, je nach Standort des Kunden, sagt Gerhardt. Die Solarpaneele und Wechselrichter würden je nach Anforderungen und Verfügbarkeit von „den bekannten Herstellern am Markt“ zugeliefert. Drei Prototypen des Parkplatzkraftwerks stehen aktuell auf dem Firmenparkplatz von Synapticon. „Die letzte Schraube haben wir am 22. Dezember vergangenen Jahres festgezogen“, sagt Felix Gerhardt. Mit zwei Mann habe man zwei Tage gebraucht, um die drei Carports aufzustellen. In absehbarer Zeit wolle man auch den Rest der dortigen Parkplätze mit Solarkraftwerken überdachen. „Wir haben gemerkt, dass die Parkplätze meist zuerst belegt sind“, sagt er. Schließlich wolle jeder im Schatten parken.
Auch Sindelfingen will mitmachen
Auch mit Städten wie beispielsweise Sindelfingen sei man schon in Gesprächen – beispielsweise, was die Parkplätze beim Badezentrum und beim Glaspalast angeht. Aber auch für Baustellen sei das Konzept der Pop-up-Carports potenziell interessant. Viele Baustellenfahrzeuge seien inzwischen elektrisch. Die könne man mit den Carports dann entweder vor Ort laden oder den Strom für die Baucontainer nutzen.
Im vergangenen Jahr habe das junge Unternehmen über eine Landesförderung und durch das Programm Business Angels eine Finanzspritze in Höhe von 230 000 Euro erhalten. Damit habe man die Prototypen angefertigt und aufgestellt, aber auch Leute eingestellt. UV Energy hat seinen Sitz um Gründerzentrum AI Xpress im Röhrer Weg in Böblingen und besteht aktuell aus vier Personen – Mitgründer Nikolai Enssler nicht mitgerechnet. Ein fünfter Mitarbeiter soll im Juli dazustoßen.