Start-up aus Filderstadt So kann warmes Abwasser noch verwendet werden
Ein Duo aus Vater und Sohn möchte die Wärmerückgewinnung beim Duschen in Deutschland populär machen.
Ein Duo aus Vater und Sohn möchte die Wärmerückgewinnung beim Duschen in Deutschland populär machen.
Sie arbeiten mit ihrer Firma Unocconi seit zwei Jahren gemeinsam daran, die Wärmerückgewinnung aus Duschwasser in Deutschland bekannt zu machen. Dass sie dabei sprichwörtlich dicke Bretter bohren müssen, schreckt das Duo aus Vater und Sohn nicht ab. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist es, Endkunden von den Produkten aus dem Portfolio der Filderstädter GmbH zu überzeugen. Und auch die Regeln des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfachs (DVGW) erschweren die Einführung neuer Produkte.
„Wir dachten nicht, dass es so lange dauert“, gibt Valentin Nittbaur zu. Der 24-Jährige hat nun alles in eine Waagschale geworfen. Das Arbeitsverhältnis in einem Unternehmen hat er zugunsten des selbstständigen Unternehmertums aufgegeben. Der Spagat zwischen der Arbeit als Angestellter und eigenem Unternehmertum war groß. „Ich musste mich immer zerreißen, irgendwann war es zu viel“, erinnert sich Valentin Nittbaur. Seit diesem Jahr ist er ausschließlich Unternehmer. Zugute kommt dem Start-up, dass Valentins Vater, Steffen Nittbaur (59), dank einer guten Abfindung als Wirtschaftsingenieur bei einem großen Automobilhersteller finanziell unabhängig ist und sich mit der Selbstständigkeit nach vielen Jahren im Angestelltenverhältnis nun ebenfalls einen beruflichen Traum verwirklichen kann.
Angeboten werden zwei Produktgruppen in unterschiedlichen Varianten. Einmal ist es eine Duschrinne mit integriertem Wärmetauscher, die die Wärme des verbrauchen Duschwassers nutzt, um das frische Duschwasser zu erwärmen. Darüber hinaus wird ein Duschrohr mit Wärmetauscher angeboten. Darin wird die Wärme des Abwassers genutzt, um das frische Duschwasser zu erwärmen. Dadurch wird über die Zeit zunehmend Energie eingespart. Je mehr geduscht wird, desto höher ist die Ersparnis. Neben dem Einbau in Privathäusern wäre also die Nutzung der Technik beispielsweise in öffentlichen Bädern, Fitnessstudios oder Hotels besonders sinnvoll.
Die Rollen in dem Unternehmen sind geteilt. „Wir sind ein diverses Team, das funktioniert super“, berichtet Steffen Nittbaur, der sich eher um die Technik kümmert. Sohn Valentin legt den Schwerpunkt seiner Arbeit auf das Marketing und den Verkauf. Das habe ihm schon immer Spaß gemacht, sagt er. Bereits zu Schulzeiten habe er damit begonnen, damals unter anderem noch mit einer Schutzhülle, ähnlich wie Handyschutzhüllen, für die zunehmend teureren und edleren Autoschlüssel.
Für die Unocconi-Produkte ist neben dem Besuchen von Messen das Internet-Marketing wichtig. Das Ziel ist es, Endkunden für die Produkte zu begeistern. Als Argumente dienen neben der Nachhaltigkeit und Innovation auch die Ersparnis. Je nach Produkt haben die Kunden den Kaufpreis nach einigen Jahren wieder drin. Installateure zu gewinnen, sei sehr schwierig, sind sich die beiden einig. Oft verbauten die Profis gerne über viele Jahre Artikel ihrer althergebrachten Zulieferer. Deshalb soll der Weg über die Kunden der Installateure gegangen werden. Die Kunden sollen auf die Handwerker zugehen. Inzwischen gibt es aber auch zahlreiche Handwerker, die die Unocconi-Artikel verbauen. Die Partner-Unternehmen sind über die Homepage des Unternehmens zu finden.
Ein weiterer Grund, weshalb Handwerker bisher nicht gerne auf alle Unocconi-Produkte zurückgreifen, ist die ausstehende Freigabe des Wasserrohrs durch den Deutschen Verein des Gas- und Wasserfachs (DVGW). Die Duschrinne von Unocconi ist freigegeben. Doch beim Rohr gibt es ein Problem. „Der Prozess ist sehr mühsam“, sagt Steffen Nittbaur. Die vereinsinternen Vorschriften sähen unter anderem vor, dass das Material über einen Zeitraum von 100 Tagen 93 Grad Celsius heißes Wasser aushalten müsse. Das schafft das Rohr aus PVC nicht. Allerdings ist die Anforderung aus Nittbaurs Sicht fernab jedweder Praxis.
Der Verein selbst betont, dass seine Zertifizierung freiwillig ist. Die Rohre von Unocconi können also auch ohne die Freigabe des DVGW eingebaut werden. Allerdings ist das Zertifikat eine unabhängige Bestätigung dafür, dass der Artikel sowohl den gesetzlichen Anforderungen als auch den DIN-Normen entspricht. Wenn ein Handwerksunternehmen das Rohr trotzdem einbaut, geht es damit ein Risiko ein. In der Trinkwasserverordnung steht: „Wasserversorgungsanlagen sind so zu planen und zu errichten, dass sie mindestens den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechen.“ Genau dies wird mit dem DVGW-Zertifikat ausdrücklich bestätigt. Die 93 Grad Celsius entstammten einer DIN-Norm. Die hohe Temperatur werde dort als äußere Belastung bedingt durch „Fehlfunktion“ festgelegt. Dies sei ein „Schutzziel für die Haltbarkeit und Sicherheit von Rohren in Trinkwasserinstallationen“, so der DVGW.
Neben der Bürokratie ist auch das Finanzielle eine Herausforderung. Ohne Einbußen beginnt der Traum vom Unternehmertum für Valentin Nittbaur nicht. Er setzt sein Erspartes ein, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Um die Kosten gering zu halten, hat er bisher weiter bei den Eltern im Haus gelebt. Auf ein eigenes Auto hat er ebenfalls verzichtet. 500 Tage möchte er sich Zeit geben, damit das Geschäft Geld abwirft. „Wir müssen schon schauen, dass es läuft“, bringt es der Senior auf den Punkt. Bei aller Freude für die Arbeit und der hohen Frustrationstoleranz ist der wirtschaftliche Druck da. Damit könne er aber umgehen, betont der Sohn. „Ich finde es toll, die Dinge voranzutreiben. Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt er.
Wichtig ist vor allem die Arbeit am Computer, im Internet. Das muss nicht unbedingt von Deutschland aus geschehen. Er habe sich ein One-Way-Ticket für Thailand gekauft, wolle dort arbeiten, erklärt Valentin Nittbaur seine nächsten Pläne. Das asiatische Land hat nicht nur geringere Lebenshaltungskosten, sondern zieht seit vielen Jahren digitale Nomaden aus der ganzen Welt an.
Technik
Die Produkte, die in der Schweiz oder in den Niederlanden hergestellt werden, nutzen die Wärme des Abwassers, um das Frischwasser zu erwärmen. Die Folge ist, dass weniger Wasser erhitzt werden muss, was wiederum Energie einspart.
Kosten und Nutzen
Wer es genau wissen möchte, findet auf der Homepage des Unternehmens, www.unocconi.com, einen Rechner, bei dem die genauen Daten eingegeben werden können. Dort können auch die Preise für die unterschiedlichen Artikel abgerufen werden. Die Duschrinne kostet grob zwischen 2000 und 3000 Euro. Die Duschrohre mit Wärmetauscher gibt es für weniger als tausend Euro.