Stefan Hartung im Gespräch Bosch-Chef: Kein Mitarbeiter wird gezwungen, für die Rüstung zu arbeiten

Bosch-Chef Stefan Hartung (links) stellte sich den Fragen von Anne Guhlich, stellvertretende Chefredakteurin der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten und Joachim Dorfs, Chefredakteur der beiden Zeitungen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Konzernchef Stefan Hartung will auch die Verteidigungsindustrie beliefern. Ein Ersatz für das schwache Autogeschäft wird daraus aber nicht werden.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Klaus Köster (kö)

Der Stuttgarter Bosch-Konzern wird seine Beschäftigten nicht zwingen, an der Produktion von Rüstungsgütern mitzuwirken. Mitarbeiter, die das nicht wollen, hätten die Freiheit, das nicht zu tun, sagte Bosch-Chef Stefan Hartung bei der Diskussion „StZ im Gespräch“ der Stuttgarter Zeitung und „Treffpunkt Foyer“ der Stuttgarter Nachrichten.

 

Die Entscheidung, den Beschäftigten die Mitarbeit im Rüstungsbereich freizustellen, wird für Bosch dadurch erleichtert, dass die Fertigung von Verteidigungsgütern für das Unternehmen auch perspektivisch keine große Rolle spielen soll. Es werde „kein riesiges Geschäft werden“, sagte der Bosch-Chef vor rund 460 Besuchern. Bosch wirke als Zulieferer an der Produktion von Millionen Lkw im Jahr mit. Verglichen damit sei die jährliche Fertigung von Panzern verschwinden gering.

Stefan Hartung spricht vor 460 Gästen in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Es gebe keinen Panzer, der ohne Bosch fährt

Bosch werde sich nicht in einen Hersteller von Panzern verwandeln, sehr wohl aber seinen Beitrag zur Verteidigung leisten und wichtige Komponenten produzieren. Bosch fertige nicht nur sogenannte Dual-Use-Güter, die in zivilen wie in militärischen Gütern genutzt werden können, sondern auch Produkte, die speziell für Verteidigungszwecke angepasst werden. „Es gibt keinen Panzer, der ohne uns fährt.“

Hartung verteidigte den massiven Stellenabbau des Unternehmens, durch den mehr als 20.000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Zu den Hauptgründen zählt das schwache Autogeschäft, das unter dem sinkenden Anteil von Dieselantrieben und der sich global nur langsam verbreitenden E-Mobilität leidet.

Bosch-Führungskräften fällt Stellenabbau schwer

Eine solche Entscheidung treffe man nur, wenn „glasklar ist, dass es anders nicht geht“. Bosch falle ein solcher Schritt auch deshalb schwer, weil das Unternehmen zeitgleich zum Stellenabbau Innovationen und neue Produkte auf den Markt bringe, mit denen man die eigene Wettbewerbsfähigkeit sichern wolle.

Auch die Führungskräfte würden vor sehr schwierige Situationen gestellt, wenn von 30 Leuten zwei zu viel an Bord seien. Zugleich sei es aber ein Teil der Fürsorge, an der Wettbewerbsfähigkeit von Bosch zu arbeiten. „Wir wollen das Unternehmen retten.“

Jobsicherungen sind für Bosch-Chef eher Absichtserklärungen

Die Vereinbarungen zum Schutz der Beschäftigten der Kfz-Sparte Mobility an den deutschen Standorten werden von Ende 2027 an auslaufen und nicht mehr verlängert. Hartung warnte davor, in solche Vereinbarungen zu hohe Erwartungen zu setzen. Entlassungen seien ohnehin immer das letzte Mittel – bei den Vereinbarungen zum Ausschluss von Kündigungen handle es sich letztlich nur um Absichtserklärungen, deren Einhaltung von einem bestimmten wirtschaftlichen Umfeld abhängig sei.

Schon die bisherige Entwicklung in diesem Jahr habe große Überraschungen gebracht, und auch die Eindrücke von der gegenwärtig laufenden Automesse in Peking vermittelten nicht das Gefühl, dass „alles super“ sei. In Peking zeigen auch viele chinesische Hersteller ihre neuen Modelle und Technologien, was westliche Industrievertreter immer wieder in Erschrecken versetzt.

Zur Wettbewerbsfähigkeit der Beschäftigung am Standort Deutschland sagte Hartung, alle Boschler zählten für das Unternehmen gleich viel – „ich auch“. Aber man produziere zunehmend dort, wo die Abnehmer sitzen. Zudem werde das Preisniveau der Produkte immer mehr von den chinesischen Wettbewerbern definiert.

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