Stinke-Sorgen Neue Erkenntnisse zum Gestank in Leonberg – und auch zum Verursacher?

Das Gewerbegebiet Brennerstraße (Luftbild aus dem Jahr 2023): Der Verdacht liegt nahe, dass der Gestank hier seine Quelle hat. Foto:  

Die Quelle des ekligen Geruchs in Leonberg ist weiter nicht gefunden, auch wenn Stadt und Landratsamt nun die Kräfte bündeln. Ein erstes Resultat gibt es aber dennoch.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Es stinkt nach wie vor in Teilen von Leonberg. Und während die Quelle des ekligen Geruchs nach wie vor unerkannt bleibt, steht wenigstens fest: Das, was da bei bestimmten Windrichtungen vor allem durch den westlichen Teil Leonbergs wabert, ist nicht gesundheitsgefährdend. Das gibt die Stadt in einer längeren Pressemitteilung bekannt. Eine Anfrage zum Thema, das vielen betroffenen Leonbergerinnen und Leonbergern auf den Nägeln brennt, hatte unsere Zeitung bereits Mitte Juli gestellt.

 

Erklärte Chefsache, doch dann folgt Ämter-Zwist

Woher kommt der unangenehme Geruch im Bereich des Gewerbegebiets Brennerstraße? Diese Frage hatte Oberbürgermeister Martin Georg Cohn Mitte Juni zur Chefsache erklärt. Allerdings folgte daraufhin Uneinigkeit zwischen der Stadtverwaltung und dem Landratsamt – beide Behörden fühlten und fühlen sich noch immer für die Angelegenheit verantwortlich. Inzwischen hat man sich laut Kommune geeinigt und macht gemeinsame Sache bei der Suche nach dem Verursacher.

Und die ersten Resultate liegen nun vor: „Ergebnisse von speziellen Messfahrten zeigen, dass keine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung besteht“, teilt die Stadtverwaltung mit. Regelmäßige Messfahrten würden jedoch fortgesetzt, um Gesundheitsrisiken weiterhin auszuschließen. „Dabei wird die Luft auf chemische, biologische, radioaktive und nukleare Stoffe untersucht.“ Zwar werde der Geruch wahrgenommen, jedoch schlagen die Messgeräte nicht an.

Erleichterung beim OB über erstes Resultat

„Ich bin sehr erleichtert über das Ergebnis, dass keine Gefahr für die Gesundheit der Leonberger Bürgerinnen und Bürger besteht“, sagt der OB Cohn. „Wir lassen nicht locker. Stadt und Landkreis bündeln weiterhin alle verfügbaren Ressourcen und Fachkompetenzen, um das Geruchsproblem nachhaltig zu lösen.“ Der Schutz der Gesundheit und Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger habe höchste Priorität.

Die genaue Herkunft des Geruchs konnte bisher jedoch nicht ermittelt werden. „Luftgetragene Partikel, unter anderem Geruchsstoffe, sind extrem flüchtig und stark von Wind- und Wetterbedingungen abhängig“, schreibt die Verwaltung. Geeignete Erfassungs- und Analyseverfahren seien unter bestimmten Bedingungen nur eingeschränkt anwendbar. „Auch die Wahrnehmung von Gerüchen ist individuell sehr unterschiedlich, was eine eindeutige Beweissicherung zusätzlich erschwert.“ Der Ursprung der Geruchsentwicklung müsse nicht zwangsweise direkt am Ort der Geruchswahrnehmung liegen. Der vorliegende Fall „weicht im erheblichen Maße von den bisherigen Routinen und Erfahrungen ab“.

Zur besseren Koordination wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus Expertinnen und Experten verschiedener Fachbereiche aus Stadt und Landkreis eingerichtet. Beteiligt sind unter anderem das Referat für Feuerwehr und Bevölkerungsschutz, das Referat für Klimaschutz sowie das Ordnungsamt. Ebenso sind das Amt für Bauen und Umwelt, die Gewerbeaufsicht des Landratsamts, die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg und externe Fachinstitute beteiligt.

Hilfe durch Drohnen: Die neue Einheit der Stadt kommt zum Einsatz bei der Gestanksforschung. Foto: Simon Granville

Also geht es weiter wie gehabt. Neben den regelmäßigen Messfahrten und der Aufnahme sowie Analyse von Wetterdaten erhofft man sich Aufschluss qua Bürgerbeteiligung über die App „Leo-Oh!“ sowie ein Online-Meldeformular. Die Reinigung der Kanalisation soll außerdem dazu dienen, diese als Geruchsherd auszuschließen.

Drohneneinheit soll bei der Suche helfen

Zum Zuge kommt nun auch die neu geschaffene Drohneneinheit der Stadt Leonberg, um Verdachtsquellen aus der Luft zu identifizieren. So wird aus entsprechender Höhe regelmäßig mit speziellen Messgeräten kontrolliert, ob flüchtige organische Verbindungen in der Luft vorhanden sind. Diese sind in der Regel die Hauptverursacher von industriellen Gerüchen wie Bitumen, Gummi, Lösungsmittel oder Farben. Die Stadt, das Landratsamt Böblingen sowie weitere Fachbehörden und Fachunternehmen befänden sich laut Mitteilung in „ständiger Abstimmung zur Umsetzung von technisch möglichen und vor allem zielführenden Maßnahmen“. Gleichzeitig würden gewerbliche Kontrollen sowie die Suche nach betriebsbezogenen technischen Anlagen intensiviert, die nachweislich für die Geruchsemissionen verantwortlich sein könnten. „Es liegt im Interesse aller beteiligten Akteure, diese schnellstmöglich zu lokalisieren und zu unterbinden.“

Gestank bitte melden

„Leo-Oh!“-App
Die Stadt ruft alle betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner auf, ihre Beobachtungen weiterhin mitzuteilen. Meldungen können im Mängelmelder „Leo-Oh!“ per App oder unter www.leonberg.de/Mängelmelder in der Kategorie „Geruchsbelästigung“ eingetragen werden. Hier sind Daten wie Tag, Uhrzeit und vor allem Standort wichtige Hinweise für die Stadtverwaltung. Auch ein Online-Formular steht unter www.leonberg.de/Geruchsbelaestigung zur Verfügung.

Hinweis
Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass die Meldungen gesammelt und im Mängelmelder gegebenenfalls nicht als „abgeschlossen“ dargestellt werden.

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