Störche in Weil der Stadt Fünf Storchenküken: Ein Bruterfolg, der überrascht
Gleich fünf Storchenküken wurden gewogen und beringt. Damit könnte die Keplerstadt ihren Bruterfolg übertreffen und neue Rekorde aufstellen.
Gleich fünf Storchenküken wurden gewogen und beringt. Damit könnte die Keplerstadt ihren Bruterfolg übertreffen und neue Rekorde aufstellen.
Die ersten Storchenküken sind bereits Ende April geschlüpft. Bis man die flauschigen Köpfchen gesehen hat, hat es aber ein paar Wochen gedauert. Und es blieb bis kurz vor der Beringung vor Pfingsten spannend. Denn es war nie ganz klar, sitzen da vier junge Störche im Nest in Weil der Stadt oder vielleicht sogar fünf?
„Wir liegen jedes Jahr beim Bruterfolg weit über dem Durchschnitt“, sagt Sabine Holmgeirsson, die Storchenbeauftragte im Kreis. Zum Bruterfolg zählen alle Jungtiere, die das Nest verlassen haben. Für die Statistik ist es egal, ob die Jungstörche den ersten Herbst und Winter überleben. In der Keplerstadt waren es bisher zweimal je zwei Junge, einmal drei Küken – und letztes Jahr haben sogar vier junge Störche das Nest verlassen. Das war Ende August.
Der Rekord kann gebrochen werden. Denn tatsächlich lagen in der Transportbox am vorigen Freitagnachmittag fünf kleine Vögel, die Leif Holmgeirsson zusammen mit Jürgen Bosch, dem Storchenbeauftragten der Region, und seinem Sohn mit Hilfe eines Hubsteigers aus dem Nest geholt haben. Bis die Kleinen unten waren, dauerte es ein paar Minuten. Derweil kreiste Vater Leon immer wieder über den Turm und über die Dächer der Altstadt. Der erste Jungstorch brachte 1800 Gramm auf die Waage, der zweite 1600 Gramm und der dritte 1500 Gramm.
Deutlich größer war der vierte Vogel, der mit 2300 Gramm das Schwergewicht unter den Geschwistern ist – ein krasser Gegensatz zum letzten Vögelchen, das nur 900 Gramm schwer war. Ob der Kleine überleben wird, hängt vom Wetter und dem Nahrungsangebot ab. Die Natur ist hart: „Die Schwächeren sind die Reserve, falls das Futter knapp wird“, erklärt Jürgen Bosch, der auch Fachbeauftragter für Vögel des Naturschutzbundes Nabu in Baden-Württemberg ist.
Nachdem alle fünf Kleinstörche ihre Ringe an die Beinchen bekommen haben, wurde der zweitschwerste namens Top und der zweitleichteste, Tip genannt, mit einem Sender versehen. „Das sind richtige Hightech-Geräte“, erklärt der Vogelexperte beim Anpassen der Beinsender. Im Vergleich zum vorletzten Jahr, als den Jungen sogenannte Rucksacksender auf den Rücken geschnallt wurden, unterscheiden sich in der Größe kaum von den Ringen, die die Tiere in diesem Jahr ans rechte Bein bekommen haben. Das hat seinen Grund: rechte Beine stehen für Jahre mit geraden Zahlen, wie 2026.
Die Minisender wiegen gut 20 Gramm und enthalten einen Akku, zwei Solarzellen, GPS und Bewegungssensoren. Die Daten, die die Vogelwarte durch das Tracking der Sender bekommt, geben nun auch Aufschluss über genaues Flugverhalten der Störche, wie Segel- oder Gleitflug.
Tip und Top sind auch Teil eines baden-württembergischen Projekts, an dem insgesamt 80 Jungstörche teilnehmen. Ungefähr ab Mitte Juli, sobald die beiden das Nest verlassen, kann man ihren Spuren über Animal Tracker folgen.
Die Kosten für den Hubsteiger, der Voraussetzung für die Beringung und Versorgung mit Sendern der Tiere war, trägt der Nabu Weil der Stadt. Hergefahren wurde die mobile Hebebühne von Inga Holmgeirsson, die wie ihre Mutter Sabine und ihr Bruder Leif ein Faible für die Weiler Störche hat.
Auch in diesem Jahr laden Sabine Holmgeirsson und der Nabu wieder zu einem Storchennachmittag ein, der am Freitag, 12. Juni, ab 17 Uhr vor dem Klösterle in Weil der Stadt stattfinden wird.