Straßenbau in Stuttgart Die B14 wird zur Baustelle – über mehrere Jahre

In beide Richtungen wird die Cannstatter Straße auf zwei Fahrspuren reduziert. Zudem werden die Blitzer abgebaut. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Ende November beginnt der Neubau des Nesenbachkanals in der Cannstatter Straße zwischen Mineralbädern und Neckartor. Die Kosten belaufen sich auf mehr als 100 Millionen Euro.

Noch läuft der Verkehr nach der Umgestaltung am Leuzeknoten nicht rund, da müssen sich Autofahrer bereits auf die nächste große Baustelle an der B14 einstellen. Ab Ende November beginnen die vorbereitenden Maßnahmen für die Sanierung des Nesenbachkanals an der Cannstatter Straße. Dieser verläuft unter der Bundesstraße zwischen dem Neckartor und den Mineralbädern und ist so marode, dass er in den kommenden Jahren für geschätzt mehr als 100 Millionen Euro saniert werden muss. „Ganz ohne Verkehrsbehinderungen wird es nicht gehen“, betont der zuständige Projektleiter von der Stadtentwässerung Stuttgart, Bálint Botka.

 

Blitzer an der B14 werden abgebaut

Mit bis zu 70 000 Fahrzeugen am Tag gehört die Cannstatter Straße zu einer der Hauptschlagadern in der Landeshauptstadt. Durch die enorme Belastung ist der mehr als 60 Jahre alter Abwasserkanal des Nesenbachs stark beschädigt worden. „Eine Sanierung kommt nicht mehr in Frage“, stellte Botka bei der Vorstellung der Pläne im Bezirksbeirat Ost klar. Als Ersatz ensteht ein Neubau unter den Fahrbahnen in entgegen gesetzter Richtung. Ein schwieriges Unterfangen wie Untersuchungen ergaben. Unter den in Richtung Schwanenplatztunnel verlaufenden Fahrbahnen entsteht ein neuer, deutlich größerer Abwasserkanal. Der Clou dabei: Mit Hilfe eines sogenannten Abwasser-Wärmetauschers „werden wir die nicht-fossile Energiequelle erschließen“, sagte Botka. Diese soll über das Nahwärmenetz dem neuen Rosensteinquartier zu Gute kommen. Für den rund 1000 Meter langen Abschnitt der B14 zwischen dem Autohaus der Schwabengarage bis zum Berger Festplatz sind die Kosten von ursprünglich 40 bis 50 Millionen Euro auf geschätzt mehr als 100 Millionen Euro gestiegen. Die Bauzeit beträgt mindestens fünf Jahre.

Ende November sollen die vorbereitenden Maßnahmen beginnen. Diese wurden extra nach vorne gezogen, um dem „Schienenersatzverkehr während der Sperrung der Stammstrecke für die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 aus dem Weg zu gehen“, betonte Botka. Auf einer Länge von rund 800 Metern wird der Mittelstreifen gerodet und zurückgebaut. Die Voraussetzung, dass dieser überfahrbar wird, damit die Fahrbahnen verschwenkt werden können. Schritt für Schritt wird dann die B14 von heute drei Spuren in jede Richtung – und einer Sonderfahrspur – zurückgebaut. „Es werden aber immer zwei Fahrspuren in beide Richtungen zur Verfügung stehen“, verspricht Botka. Ausnahmen seien lediglich kurzfristige Sperrungen in der Nacht. Für die Einrichtung der Baustelle werden die seit 2010 stehenden Blitzeranlagen abgebaut. Diese wurden für die Einhaltung des Tempolimits von 40 Kilometern pro Stunde im Kampf gegen die Feinstaubbelastung eingerichtet. Bis Juni 2026 sollen die ersten Maßnahmen abgeschlossen sein. Nach einer kurzen Pause soll dann Ende 2026 mit dem eigentlichen Bau des neuen Abwasserkanals begonnen werden.

Keine Interimsspur für Radfahrer

Dem Wunsch während der Bauzeit eine Fahrradspur zwischen der B14 und der Lärmschutzwand zum Schlossgarten einzurichten, erteilten die Experten eine klare Absage. Aufgrund der Baustelleneinrichtung sei zu wenig Platz vorhanden. Zudem könne man den dafür notwendigen Eingriff in die Lärmschutzwand nicht umsetzen, „da das aus den 1970er Jahren stammende Bauwerk unter Denkmalschutz steht“, erklärte Botka. Grundsätzlich konzentrieren sich die Planungen nicht ausschließlich auf die B14, sondern beziehen auch die Quartiere bis zur Neckarstraße ein. In diesem Bereich liegt unter anderem die Zentrale der Abfallwirtschaft, die für rund 360 Millionen Euro erneuert werden soll. Ziel sei es auch, die Ideen zur Umgestaltung der B14 in diesem Bereich mit zu integrieren. „So könnte nach dem Abschluss dann ein Fahrradweg entstehen“, stellt Botka in Aussicht.

Kritik an Umleitung für Schwerlastverkehr

Kritik hagelte es von Seiten des Bezirksbeirats Ost vor allem am Verbot von Schwerlastverkehr auf der Cannstatter Straße. Dieses sei aber notwendig, „da die Fahrzeuge zu schwer sind, um – je nach Baustellensituation notwendig – direkt über den maroden Kanal rollen zu können“, erklärte Botka. Der Schwerlastverkehr soll daher über die Neckar- und Hackstraße umgeleitet werden. Von einer „unhaltbaren Belastung“, gar von einem „Schildbürgerstreich“ war die Rede angesichts der langen Bauzeit. Gleiches gilt auch für die Sperrung des Berger Festplatzes, der als Baustelleneinrichtung genutzt werden soll. Nicht zuletzt fehlt den Lokalpolitikern das Verständnis dafür, dass die gewonnene Energie aus dem Abwasserwärmekraftwerk dem geplanten Wohngebiet im Rosensteinquartier zu Gute kommen soll. Ein solch innovatives Projekt müsse sich selbst versorgen können, so die einhellige Meinung. Vielmehr soll die gewonnene Energie den Wohngebieten im Stuttgarter Osten zur Verfügung gestellt werden.

Nesenbachkanal

Historie
Für den Ausbau der Cannstatter Straße wurde in den 1960er Jahren der Hauptsammler Nesenbach zu einem Abwasserkanal umgebaut. Bis dahin floss das Abwasser aus den Stadtteilen Vaihingen, Heslach, Kaltental und der gesamten Innenstadt bis zum Schwanenplatz in einem offenen Rinnsal zum Hauptklärwerk Mühlhausen.

Lage
Der Kanal verläuft zwischen der Kreuzung Cannstatter, Wolfram- und Heilmannstraße sowie dem südlichen Tunnelportal des Schwanenplatztunnels unter den drei Fahrspuren in Richtung Innenstadt. Er ist 7,60 Meter breit und zwischen drei und fünf Meter hoch.

Schäden
Insbesondere die Stahlbetonplatten des Kanals, auf denen der Verkehr fließt, weisen mittlerweile massive Schäden auf. 2014 und 2018 wurden zur Sicherheit insgesamt 43 Stahlrahmen eingebaut, die die Deckenelemente stützen. ale

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