Eine Straßenmeisterei ist ein Ort, an dem immer gearbeitet, selten gefeiert wird. Ganz sicher ist es nicht alltäglich, dass Tausend Menschen zu einer Straßenmeisterei strömen. Alle Straßen und Wege rund um die Straßenmeisterei Magstadt sind deshalb mit parkenden Fahrzeugen besetzt, am Sonntagmittag, und es gibt Shuttlebusse, die noch mehr Menschen zu ihr hin bringen. Zum ersten und auf lange Zeit auch zum letzten Mal lädt die Anlage bei Magstadt ein zum Tag der offenen Tür.
Zwei Jahre sind vergangen, seitdem die Straßenmeisterei eröffnete – nun präsentiert sie sich, stellt sich dar in allen ihren Arbeitsbereichen. Schon zur Eröffnung des Tages, schätzt Andreas Lier, der Leiter der Straßenmeisterei, wanderten gut 350 Menschen durch die Hallen, bis 18 Uhr, glaubt er, werden es gewiss mehr als 1200 gewesen sein.
Der Besucherandrang ist groß
Örtliche Vereine – Liederkranz, Schützenverein, der Schachclub, die Abteilung Kraftsport im SV Magstadt – bieten Unterhaltung an verschiedenen Ständen, sorgen für Bewirtung, Schulklassen verkaufen Kaffee und Kuchen. Das Publikum wird verköstigt und es hat viel Neugierde mitgebracht. Als Andreas Lier schließlich zu einer ersten Führung über das Gelände einlädt, muss seine Gruppe sogleich aufgeteilt werden, der Andrang ist groß.
Landrat Roland Bernhard leitete den Tag der offenen Tür mit einer Rede ein, in der er auch die Besonderheit des Standortes hervorhob – kein Landkreis in Baden-Württemberg, sagte er, habe eine größere Verkehrsbelastung als Böblingen. Durchschnittlich 5800 Fahrzeuge rollen täglich über seine Landesstraßen, die Zahl der Menschen, die beruflich in den Landkreis pendeln, hat seit 2008 um 30 Prozent zugenommen, jener, die aus ihm herauspendeln, um 50 Prozent.
„Die Jungs sind hart im Nehmen. Wenn eine Straßenseite einmal halbseitig gesperrt wird, sollte man lieber dankbar sein, dass hier etwas geschafft wird.“
Roland Bernhard, Landrat
Die Straßenmeistereien Herrenberg und Magstadt betreuen gemeinsam rund 560 Kilometer Straße, 60 Kreisverkehre, rund 500 technische Bauwerke, 45 Regenrückhaltebecken, 13 Kilometer Radschnellwege. Ihre Fahrzeuge sind, übers Jahr hin, 250 000 Kilometer auf der Straße, ihre Mitarbeiter fahren rund 3600 Stunden Winterdienst im Jahr. Besonderes Lob hatte der Landrat für die Tatsache, dass die Straßenmeistereien seit einigen Jahren auch die Sicherung der Biodiversität, den Schutz von Insekten, Blühpflanzen und Amphibien übernommen haben.
In der Straßenmeisterei Magstadt, so Roland Bernhard, sind, nach dem „Ein-Haus-Prinzip“, Verwaltung, Werkstatt, Fahrzeughalle, Salzlager untergebracht, zudem Katastrophenschutz und Tierseuchenbekämpfung. Und die Mitarbeiter der Straßenmeisterei sind tätig in Sommerhitze und Winterkälte – „Die Jungs sind hart im Nehmen. Wenn eine Straßenseite einmal halbseitig gesperrt wird, sollte man lieber dankbar sein, dass hier etwas geschafft wird.“
Ein gestohlenes Ortsschild schlägt mit 450 Euro zu Buche
Andreas Lier spricht, als er seine Besuchergruppe übers Gelände führt, immer wieder auch von den Schattenseiten dieser Arbeit – von den Gefahren, denen seine Mitarbeiter ausgesetzt sind, von der Belastung, die Verkehrsunfälle mit Personenschaden für sie bedeuten, aber auch immer wieder von ungehaltenen, mithin aggressiven Verkehrsteilnehmern, die die Straßenarbeiter nurmehr als Hindernis wahrnehmen. Er führt vorbei am Verwaltungstrakt der Straßenmeisterei, ermöglicht den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen, in die Arbeitsräume, spricht über die 25 Fahrzeuge, die der Meisterei zur Verfügung stehen, nur im Winter ergänzt durch fünf Fremdfahrzeuge, zeigt das große Schilderlager, und spricht über die Ortsschilder im Landkreis, Objekte, die unter Gelegenheitsdieben sehr beliebt, allerdings auch sehr teuer sind: 450 Euro kostet ein solches Schild. Die Straßenmeisterei ist dazu übergegangen, sie zu vernieten.
Maschinen helfen, wo der Mensch überfordert ist
Die Führung endet im imposanten Salzlager der Straßenmeisterei. Mehr als ein Dutzend Besucher sind Andreas Lier dorthin gefolgt, eine zweite Gruppe, nicht kleiner, macht noch die Runde. Das Interesse der Teilnehmer an der Arbeit der Straßenpfleger ist enorm und Lier beantwortet viele kundige Fragen, auch zu Details. In und vor der Halle, dort, wo ein größeres Publikum sich tummelt, beisammensitzt, am Bier nippt, ins Steak beißt oder die Zuckerwatte verzehrt, hat die Straßenmeisterei ihre Maschinen in Einsatzsituationen aufgebaut – dort gibt es eine Hubarbeitsbühne zu sehen, mit der in höheren Bereichen Totholz entfernt werden kann oder Wegweiser ausgetauscht werden, Mähraupen, die in Bereichen zum Einsatz kommen, in denen die Arbeiter nicht mehr gehen können, die Mannschaftswagen, die Kanalspülwagen, die Geräte, mit denen die Leitplanken gewaschen werden.
Die Straßenmeisterei
Kosten
Die Straßenmeisterei Magstadt wurde erbaut als größere Nachfolgeeinrichtung der Straßenmeisterei Leonberg. Der Spatenstich fand 2022 statt, die Eröffnung 2024, ihr Bau kostete 20 Millionen Euro. Das Gelände der Straßenmeisterei bei Magstadt umfasst 2,2 Hektar. Beschäftigt in Vollzeit sind 28 Personen einschließlich Verwaltung.
Aufgaben
Neben dem Winterdienst obliegt ihnen die Instandhaltung des Straßennetzes im gesamten nördlichen Teil des Landkreises Böblingen. Dazu gehört die Grünpflege, der Schutz von Amphibien, die Beseitigung von Unfallschäden, Markierungsarbeiten, Prüfen von Bauwerken und Becken, Entwässerungen, Reinigung von Tunnels, Radwegen, das Kehren der Straßen.