Ein Veteran gedenkt den gefallenen Soldaten im Falklandkrieg. Die Zeremonie findet immer Anfang April auf der Plaza San Marton in Buenos Aires statt. Foto: Imago/Zuma Press Wire
Der latente Streit zwischen London und Buenos Aires um die „Islas Malvinas“ droht wieder hochzukochen. Das hat auch mit den Atlantik-Schutzschild der USA und dem Iran-Krieg zu tun.
Tobias Käufer
03.05.2026 - 10:54 Uhr
Im Hintergrund die schneebedeckten Berge, davor die Militärbasis der argentinischen Marine. In Ushuaia, der „südlichsten Stadt der Welt“ oder wie man hier werbewirksam sagt „El fin del mundo“ („Das Ende der Welt“), könnte sie schon bald Verstärkung bekommen. Zumindest ist das laut Medienspekulationen der Plan der argentinischen Regierung um den libertären Präsidenten Javier Milei.
Konkret geht es um den neuen „Atlantik-Schutzschild“, den die USA im Schatten der jüngsten Konflikte mit Venezuela, Kuba und dem Iran zusammen mit befreundeten lateinamerikanischen Staaten aufbauen. Dazu zählen Länder wie Chile, Ecuador und Argentinien, Europäer sind nicht dabei. Vordergründig dient das neue, vor wenigen Wochen in Miami im Beisein von rund einem Dutzend Staatschefs beschlossene Bündnis der Bekämpfung von organisierter Kriminalität und Drogenhandel.
Kommt das Tauschgeschäft zwischen den USA und Argentinien?
In Ushuaia, wo Monumente und Museen heute an den Kampf der argentinischen Soldaten im Falkland-Krieg vor 44 Jahren erinnern, könnte ein neuer Brückenkopf der US-Armee entstehen. Er wäre ideal, um weit in die Antarktis hineinzuhorchen und den Südatlantik zu kontrollieren. Im Gegenzug für eine US-Basis könnte die argentinische Regierung die Unterstützung Washingtons in der Falkland-Frage einfordern.
Die Spekulationen sind schon so weit gediehen, dass inzwischen auch die Nachrichtenagenturen unter Berufung auf E-Mails aus dem Pentagon ein solches Szenario für denkbar halten. Ob das Reizthema wohl auch angesprochen wurde, als der britische König Charles III. in der vergangenen Woche zu Gast bei Donald Trump im Weißen Haus war?
Mittlerweile beginnt die Idee des Atlantik-Schutzschildes eine Eigendynamik zu entwickeln, von der niemand so richtig weiß, was am Ende dabei herauskommen könnte. Besonders deutlich wird dies an dem Dauerstreit zwischen Großbritannien und Argentinien um die Falkland-Inseln – die „Islas Malvinas“, wie die Argentinier sie nennen.
Um jene Inseln, die 750 Kilometer vor Ushuaia im Südatlantik liegen, wurde 1982 erbittert gekämpft. Die argentinische Militärjunta hatte sie besetzt – und London wenig später seine Marine als Antwort ans andere Ende der Welt geschickt. Insgesamt dauerten die argentinisch-britischen Gefechte 70 Tage. 900 Menschen verloren dabei ihr Leben.
Die in Argentinien von Zehntausenden begeistert gefeierte Besetzung der Insel endete für das südamerikanische Land in einem militärischen Debakel und läutete das Ende der gewalttätigen Militärdiktatur (1976-1983) ein.
„Die Malvinas werden immer argentinisch sein“, postete Milei
Bis heute aber ist sich die tief gespaltene argentinische Gesellschaft in einem Thema einig: „Die Malvinas waren, sind und werden immer argentinisch sein“, wie Argentiniens Präsident Javier Milei erst am Wochenende wieder über soziale Medien postete. Vorangegangen war eine Äußerung der britischen Außenministerin Yvette Cooper, die auf Spekulationen reagierte, Washington könnte seine pro-britische in eine pro-argentinische Position ändern. „Die Falklandinseln sind britisch. Die Souveränität liegt beim Vereinigten Königreich und das Selbstbestimmungsrecht liegt bei den Inselbewohnern“, bekräftigte Cooper. Allein die Tatsache, dass sich die britische Regierung überhaupt äußert, zeigt, dass das Thema in London ernst genommen wird.
Schon seit einigen Tagen gibt es aus dem engeren Umfeld des US-Präsidenten Hinweise, die darauf hindeuten, dass Washington in dieser Frage durchaus bereit ist, auf Konfrontationskurs zu gehen. Ein Grund könnte auch die Enttäuschung Donald Trumps über die ablehnende Haltung der Briten sein, den USA im Iran-Krieg beiseite zu stehen.
Ein argentinischer Soldat fährt im April 1982 in einem Jeep auf den Falklandinseln, kurz nach der Okkupation durch Argentinien. Foto: AFP/Daniel Garcia
Die Falkland-Frage ist zudem geeignet, einen Spalt zwischen Europa und Lateinamerika zu treiben. Stellen sich die Europäer hinter London, würde das in Lateinamerika, wo die argentinische Forderung unterstützt wird, nicht besonders gut ankommen. Und womöglich würde dies auch die Haltung der mit den USA befreundeten lateinamerikanischen Staaten in der Grönland-Frage ändern, Trump wirft ja nach wie vor ein Auge auf die dänische Insel.
Über allem steht aus lateinamerikanischer Sicht die Frage einer „Ent-Kolonialisierung“ von den europäischen Monarchien. Großbritannien wird zwischen Mexiko und Feuerland immer noch als Kolonialmacht wahrgenommen, die vor den Toren Argentiniens nichts mehr zu suchen hat.
In argentinischen Medien werden jene Indizien genau registriert, die darauf hindeuten, „dass Washington oder zumindest Kreise im Umfeld der republikanischen Führung beginnen, die automatische Unterstützung für das Vereinigte Königreich im Streit um die Falklandinseln zu überdenken“, wie zuletzt die mexikanische Wirtschaftszeitung „El Economista“ schrieb.
Als Beleg gilt eine auf der Internet-Plattform X veröffentlichte Stellungnahme von Marc Zell, dem Vorsitzenden der Übersee-Republikaner in Israel. Seine Aufforderung zu einem Seitenwechsel der USA in der Falkland-Frage wurde fast zwei Million Mal abgerufen.