Sturzbach in Steinenbronn Überlaufender Kanal lässt Gartenmauer zusammenbrechen

Marcus Wartbiegler vor den Trümmern seiner Mauer. Foto: Stefanie Schlecht

Seit Jahren fließt bei Familie Wartbiegler bei stärkerem Regen das Abwasser aus dem darüberliegenden Kanal durch ihren Garten. Nun ist die Situation eskaliert.

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Braune Brühe rauscht über das Grundstück von Marcus und Nicole Wartbiegler. Erst stürzt das Schmutzwasser als Wasserfall über die Hofmauer, sammelt sich als brauner See auf der Terrasse und fließt dann die Treppe hinab zur Sonnenhalde, der Straße, an der das Ehepaar seit 20 Jahren wohnt. „Es stinkt nach Abwasser ohne Ende wieder mal“, hört man Marcus Wartbiegler rufen.

 

Das Video hat er am 31. Mai gefilmt. Kurz nach der Aufnahme ging er mit seiner Frau zur darüberliegenden Straße, um sich den überquellenden Kanal anzuschauen. Als sie zurückkamen, trauten sie ihren Augen nicht: Ein Teil der Mauer lag zusammengebrochen auf ihrer Terrasse, dicke Steinklötze wild durcheinander wie ein Haufen Legosteine.

Schimmel im Untergeschoss und fürchterlicher Gestank

Wartbiegler ist sich sicher, dass jahrelange Unterhöhlung die Mauer zum Einsturz gebracht hat. Denn immer, wenn es viel regnet, rennt ein Sturzbach herunter. „Vor vier Jahren ging es richtig los“, sagt er. Davor sei auch ab und zu Wasser aus dem Gulli auf ihrem Grundstück gequollen, das sei aber nicht vergleichbar gewesen. Den Einbruch der Mauer bezeichnet er als Eskalation des Problems.

Ihre Nerven lägen blank, denn im Untergeschoss drücke das Wasser rein, dort habe sich Schimmel gebildet und es stinke fürchterlich. Wartbiegler spricht von Heulkrämpfen seiner Frau, die am liebsten wegziehen würde, „aber wer will ein Haus, bei dem regelmäßig die Scheiße durch den Eingangsbereich fließt?“

Mit vielen Telefonaten und E-Mails steht das Ehepaar in Kontakt mit der Stadtverwaltung. „Seit Jahren prangern wir die Kanalsituation in Steinenbronn an“, sagt Wartbiegler, doch das Problem werde nicht gelöst. Im März sei zwar der Kanal, der über ihr Grundstück führt, provisorisch repariert worden, das habe aber nichts gebracht.

Besuch vom Bürgermeister

Nach dem Sturz der Mauer kam Bürgermeister Ronny Habakuk mit Mitarbeitern vorbei, erzählt Wartbiegler. „Sie haben aber nur nach Baumängeln geschaut und sich nicht für eine Lösung interessiert“, kritisiert er und fordert, dass endlich die Ursache angegangen wird. Die sieht Wartbiegler im engen Kanalsystem, das das Wasser bei starkem Regen nicht fassen könne.

Eng in Kontakt ist Wartbiegler mit dem Landratsamt. Ein Mitarbeiter, sagt Wartbiegler, sehe es kritisch, dass das Schmutzwasser in den Klingenbach fließe. Auf Anfrage unserer Zeitung äußert sich die Pressestelle vage. Der Sachverhalt sei bekannt und der Bereich Abwasser und Altlasten des Bauamts teilweise eingeschaltet. „Im Wesentlichen ist es aber eine Angelegenheit der Gemeinde Steinenbronn“, so die Pressesprecherin. Es würden Maßnahmen eingeleitet, „damit es erst gar nicht dazu kommt, dass Schmutzwasser in den Bach gelangt“.

Ursachenforschung im Rathaus

Habakuk sagt auf Anfrage, er habe Verständnis für die Sorgen der Betroffenen und nehme die Hinweise auf die entstandenen Schäden sehr ernst. „Seit Bekanntwerden stehen wir in engem Austausch mit den zuständigen Fachingenieurbüros, um den Sachverhalt umfassend und auf Grundlage gesicherter Erkenntnisse prüfen und bewerten zu lassen“, so der Bürgermeister. Da die Ursachen noch nicht geklärt seien und „eine rechtliche Bewertung erforderlich sein könnte“, könne er derzeit jedoch keine Stellungnahme abgeben.

Sorge vor einem langen Rechtsstreit

Am Wochenende hat Wartbiegler zusammen mit Freunden die Steine zur Seite geräumt. Ein Landschaftsgärtner soll die Mauer wieder herrichten, und zwar bald, denn: „Der Hang ist komplett unbefestigt, sonst wird es beim nächsten Regen noch schlimmer.“ Seine Versicherung werde nicht zahlen, sie sehe die Gemeinde am Zug.

„Wahrscheinlich müssen wir über Jahre gegen die Gemeinde prozessieren“, vermutet Wartbiegler.

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