Neue Besen kehren gut? Gemessen an den Herausforderungen, die auf Klaus Müller zukommen, benötigt der Mann wohl eher eine ganze Flotte an Kehrmaschinen. Er soll als mittlerweile siebter Projektleiter das Krisenprojekt Stuttgart 21 über die Ziellinie führen und wird zum 1. März Vorsitzender der Geschäftsführung der Bahnprojektgesellschaft Stuttgart-Ulm (PSU). Damit baut die Bahn ein weiteres Mal die Führungsspitze in Stuttgart um.
Ob damit dem Wort der Bahnchefin Evelyn Palla genüge getan wird, die nach dem neuerlichen Platzen eines Terminplans für Stuttgart 21 im Dezember 2025 ankündigte, man durchleuchte das Projekt und lasse dabei keinen Stein auf dem anderen, bleibt offen. Die Mitteilung der Bahn, in der sie die Personalie verkündet, ist denkbar dünn.
Bisheriger S-21-Chef hat Vertrag bis Januar 2027
Das betrifft auch Informationen über das Schicksal des bisherigen Projektleiters Olaf Drescher, der bei Stuttgart 21 seit 2018 die Zügel in der Hand hält und seit 1983 erst in Diensten der DDR-Reichsbahn und später der Deutschen Bahn AG steht. Drescher werde „in den Ruhestand eintreten“, heißt es in der Mitteilung der Bahn. Drescher wird im November diesen Jahres 67 Jahre alt. In einem SWR-Interview hatte der gebürtige Dresdner Mitte vergangenen Jahres gesagt, sein Vertrag laufe bis Januar 2027. Worte des Dankes oder der Anerkennung konnte sich die Bahn in der Mitteilung der Personalrochade nicht abringen.
Dreschers Nachfolger Klaus Müller ist noch kein Vierteljahr bei der PSU. Anfang des Jahres übernahm er das Technikressort innerhalb des Projekts von Michael Pradel, der wiederum zur Bahninfrastrukturtochter Infrago wechselte, wo zuvor Müller das Amt des Vorstands für Digitalisierung bekleidete, was sicherlich kein einfacher Job war, gilt doch der Österreicher Philipp Nagl an der Spitze von Infrago nicht gerade als glühender Anhänger der Digitalisierung des Bahnverkehrs.
Neuer Chef hat Erfahrung mit Digitalisierung
Und eben jene Digitalisierung wird von der Bahn als Knackpunkt bei Stuttgart 21 angesehen. Auf das ohnehin schon komplexe Vorhaben wurde 2020 um das nicht minder herausfordernde Projekt Digitaler Knoten Stuttgart (DKS) ergänzt. Dabei sollen alle Züge auf der neuen Infrastruktur von Stuttgart 21 und auf angrenzenden Strecken vom europäischen Zugsicherungssystem European Train Control System (ETCS) geleitet werden. Vor allem bei „Entwicklung und Zulassung“ der neuen Komponenten sehe die Bahn „Terminrisiken“, schrieb der Schienenkonzern, als im November 2025 klar wurde, dass das erst kurz zuvor von der DB bestätigte Inbetriebnahmekonzept für S21 und den DKS schon wieder Makulatur ist.