Stuttgart-Kolumne Wie Stuttgart die Olympia-Bewerbung verpatzte

Demnächst fertig: das Sportbad im Neckarpark. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Jubiläum: Stuttgart wollte vor zehn Jahren Mittelpunkt der Sportwelt sein. An die misslungene Olympia-Bewerbung erinnert unser Kolumnist Peter Stolterfoht.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau: Peter Stolterfoht (sto)

Stuttgart - Die Olympischen Spiele 2022 sind seit Sonntag Geschichte. Somit geht Peking als erste Stadt in die Sporthistorie ein, die nach Sommerspielen (2008) nun auch die Wintervariante ausgetragen hat. Trotzdem bietet sich Stuttgart weiterhin die Möglichkeit, ebenfalls in die olympischen Annalen einzugehen: als erste Stadt, die sich vergeblich sowohl um Sommer- als auch um Winterspiele bemüht hat. Die nächste Gelegenheit bietet sich mit Blick auf das Jahr 2030, nachdem Mailand als Austragungsort der nächsten Winterspiele bereits feststeht. Das denkbare Konzept, lediglich die Eishalle auf der Waldau fürs Curling als olympischen Austragungsort zur Verfügung zu stellen und alle anderen Wettbewerbe in den bayerischen Alpen stattfinden zu lassen, besitzt Charme, aber sicher nicht die Durchschlagskraft, den Zuschlag zu bekommen.

 

Lesen Sie aus unserem Angebot: Stuttgart-Kolumne über Lost Places

Vermutlich ist eine nicht ganz so ernste Herangehensweise der beste Weg, sich einem tragikomischen Stuttgarter Nichtereignis zu nähern, das in diesem Jahr Jubiläum feiert. 2012 hätten in Stuttgart die Olympischen Spiele stattfinden sollen. Die Bewerbung scheiterte allerdings schon 2003 in der nationalen Ausscheidungsrunde, die an Leipzig ging. Am Ende setzte sich London durch. Und dennoch haben sich einem auch Stuttgarter Olympiabilder ins Gedächtnis gebrannt. Und diese entstammen der damaligen Kandidatenpräsentation, die in München stattfand, aber auch in Stuttgart auf einer großen Leinwand auf dem Schlossplatz verfolgt werden konnte. Zu sehen war der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, der mit Gipsarm auf der Bühne stand. Den Bruch hatte er sich zuvor beim missglückten Sprung über eine Absperrkette zugezogen, die vor dem Parkplatz des Stuttgarter Olympiabüros gespannt war.

Celloklänge begleiten Stuttgarts Abstieg als Sportstadt

Der Stuttgart Imagefilm war dann auch eher verunglückt. Erwin Teufel in einem menschenleeren Stadion sowie „Tatort“-Kommissar Dietz-Werner Steck und Fußballer Guido Buchwald als schwer identifizierbare Zeichentrickfiguren komplettierten einen Auftritt, den der damalige Berichterstatter der Stuttgarter Zeitung noch heute als „absolut unterirdisch“ bezeichnet. So sah Stuttgarts Abstieg als Sportstadt aus, den der damals siegreiche Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee bei der Präsentation der deutschen Olympiabewerber mit dem Cello musikalisch begleitete.

Stuttgarts Olympiadorf sollte übrigens im Neckarpark entstehen, dort wo demnächst auch ein Sportbad den Betrieb aufnimmt. Zu den Nutzern der Anlage gehört der SV Cannstatt. Der ambitionierte Schwimmverein will diese Eröffnung nutzen, um die Frage in den Raum zu stellen, ob bei der Stadt, in den Clubs und überhaupt bei den Stuttgartern und Stuttgarterinnen Interesse besteht, neben dem Fußball noch anderen Spitzensport und die dazugehörigen Veranstaltungen zu unterstützen. Mit Veranstaltungen versucht der SV Cannstatt nun, eine Diskussion in Gang zu bringen, wie sich Stuttgart im Sport künftig positionieren soll. Zuletzt hat der Verein Sportbürgermeister Clemens Maier, VfB-Chef Claus Vogt und Allianz-Volleyball-Managerin Kim Renkema zum diesbezüglichen Gedankenaustausch auf eine Bühne gebracht.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart Wolfgang Schuster