Stuttgart Surge Es geht um den Einzug ins Finale – in einem ganz besonderen Duell

Surge-Runningback Tomiwa Oyewo (hier bei der Ballübergabe von Quarterback Reilly Hennessey) trifft an diesem Sonntag auf seine früheren Kollegen der Munich Ravens. Foto: imago/Foot Bowl

Die Footballer von Stuttgart Surge spielen im ELF-Halbfinale bei den Munich Ravens. Bei dem Ehemaligen-Treffen steht enorm viel auf dem Spiel – Extra-Motivation ist nicht nötig

Es ist ein ganz besonderes Duell, das am Sonntag (15 Uhr) im Sportpark Unterhaching stattfindet. Zwischen den Footballern der Munich Ravens und der Stuttgart Surge geht es um den Einzug ins Endspiel, weshalb Marvin Biegert sagt: „Wir spielen das Halbfinale. Wer da noch eine Extra-Motivation benötigt, muss sich Gedanken über seine Prioritäten machen.“ Und trotzdem spielen auch die Umstände eine Rolle.

 

Eine seiner nur zwei Niederlagen in dieser Saison der European League of Football (ELF) hat das Surge-Team in München kassiert – seither warten alle darauf, sich für diese unnötige 33:36-Pleite revanchieren zu können. Dazu kommt: Das Championship Game findet am 7. September in der MHP-Arena statt. Im „Finale dahoim“ den Titel zu holen, war von Anfang an das große Ziel der Stuttgarter, von dem sie nun nur noch einen Schritt entfernt sind. Und: Spiele gegen die Ravens haben in diesem Jahr eine ganz spezielle Note – weil im Surge-Kader zehn Spieler mit Münchner Vergangenheit stehen. Einer von ihnen ist Marvin Biegert.

Die Akteure kennen sich

Der Center aus der Offensive Line ist in München geboren, als Jugendlicher spielte er in Erding, 2023 und 2024 für die Munich Ravens. Dann wechselte der Footballer, der noch nie einen Touchdown erzielt hat, nach Stuttgart – und ging damit den Weg vieler Kollegen. Früher bei den Ravens aktiv waren auch Tomiwa Oyewo (Runningback), Enis Kaser, Lukas Levin, (beide Linebacker), Julian Ludwig Mayorga (Defensiv Back) sowie die Schwerathleten Raphael Zistler, Dominic Siegel, Nathan Kalemba (alle Defensive Line) und Marlon Werthmann (Offensiv Line). „Viele von uns kennen die Jungs in München bestens“, sagt Marvin Biegert, „deshalb ist es schon ein besonderes Spiel – erst recht, weil es in den Play-offs stattfindet.“ Ähnlich denkt Florian Lengauer.

Alles klar? Surge-Cheftrainer Jordan Neuman bespricht die Lage mit Mitch Fettig, dem Anführer seiner Defensive. Foto: imago/Foot Bowl

Auch der Wide Receiver ist in München geboren, er spielte dort erst Fußball, dann bei den Cowboys Football, promovierte an der Ludwig-Maximilians-Universität in Pharmazie, und wenn er an seiner Wohnung ins Auto steigt, braucht er gerade mal acht Minuten zum Sportpark Unterhaching. „Auch wenn ich nie bei den Ravens war“, sagt er, „ist es für mich ein echtes Heimspiel.“ Inklusive eines ungewöhnlichen Ablaufs. Lengauer, Biegert, Kaser und Siegel, die zu den Trainingseinheiten eine Fahrgemeinschaft nach Stuttgart bilden, werden nach dem Abschluss der Vorbereitung am Samstag nicht wie sonst vor Spielen im Teamhotel in der Nähe des Stuttgarter Flughafens übernachten, sondern in München im eigenen Bett. Um hellwach zu sein, wenn es zählt. „Wenn wir die Ravens schlagen wollen, müssen wir 100 Prozent abrufen“, sagt Florian Lengauer, „so wie zuletzt gegen die Madrid Bravos.“

Surge-Team ist zur richtigen Zeit in Topform

Im Wildcard-Game agierte Stuttgart Surge beim 41:17-Erfolg gegen die Spanier derart stark, dass Jordan Neuman seinem Team hinterher ein großes Kompliment machte: „Es war“, sagte der Cheftrainer, „ein komplettes Spiel von uns. Wir sind zum richtigen Zeitpunkt in Topform.“ Das Problem: Eine ähnliche Leistung ist nun wieder nötig. Weshalb sich Jordan Neuman auch keine Gedanken darüber macht, wieso in seinem Kader neun frühere Ravens-Spieler stehen („Natürlich ist München ein Ort, an dem wir uns nach Verstärkungen umschauen, das liegt nahe – diese hohe Anzahl aber ist vor allem eines: Zufall“). Für ihn ist nur wichtig, dass sein Team bestens vorbereitet in die Partie geht. Dafür hat er mit dem einen oder anderen seiner Ex-Münchner gesprochen, viel Neues förderte er dabei aber nicht zutage. „Die beiden Teams kennen sich extrem gut“, sagt Neuman, „jeder weiß über die Stärken und Schwächen des Gegners Bescheid.“

Klar ist: Die Surge-Defensive muss Justin Rodney stoppen. Ihm ist es als erstem Runningback aus Deutschland gelungen, in der ELF die 1000-Yards-Marke zu übertreffen, mit 1082 Yards steht er in der Liga-Statistik an Nummer eins. Dazu kommt, dass die Ravens nach vielen Duellen, die sie in der Hauptrunde knapp gewonnen haben, enorm selbstbewusst auftreten werden. „Sie spielen sehr hart, in allen vier Quartern“, erklärt Jordan Neuman, „auch deshalb ist es ihnen gelungen, viele enge Partien zu gewinnen. Das ist eine besondere Qualität.“ Die auch das Surge-Team schon zu spüren bekam.

Ende Juni lagen die Gäste kurz vor dem Ende in Unterhaching in Führung, ehe sie noch einen Touchdown kassierten und mit drei Zählern Unterschied unterlagen. „Da haben die Ravens abgeliefert“, sagt Surge-Co-Trainerin Nadine Nurasyid, die ebenfalls in München lebt und dort bis 2023 Cheftrainerin der Cowboys war, „jetzt ist es an der Zeit, dass wir abliefern.“

In einem ganz besonderen Duell.

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