Yannick Mayr (li.) ist einer der Stars der Vienna Vikings. In den vergangenen beiden Jahren trug der Wide Receiver das Trikot von Stuttgart Surge (re./o.), dessen Abwehrspieler Ben Wenzler (re./u.) einer seiner besten Freunde ist – im ELF-Finale spielen die beiden nun gegeneinander. Foto: Imago/Eibner
Yannick Mayr spielt für die Vienna Vikings. Nun trifft er im Finale der European League of Football auf seinen Ex-Club Stuttgart Surge – und einen Coach, dem er viel zu verdanken hat.
Yannick Mayr (29) ist seit 16 Jahren Footballer, er hat in dieser Zeit viel erlebt, auch ein großes Finale. 2023 verlor der Wide Receiver mit Stuttgart Surge vor 31 500 Fans in Duisburg das Endspiel der European League of Football (ELF) gegen Rhein Fire mit 34:53. Seither fühlt es sich für ihn an, als habe er noch eine Rechnung offen. Diese will er nun begleichen – ausgerechnet in Stuttgart, gegen sein früheres Team. Das Championship Game an diesem Sonntag (15 Uhr) in der MHP-Arena wird zu einem Duell unter Freunden, in dem Freundschaften drei Stunden lang keinen interessieren. „Auf dem Feld“, sagt Yannick Mayr, „zählt nur der Sieg.“
Der Österreicher, der aus Salzburg stammt, ist vor dieser Saison in seine Heimat zurückgekehrt, er spielt nun für die Vienna Vikings. Seine beiden Jahre bei Surge sind aber noch so präsent, dass er jetzt von einem „home coming game“ spricht. Ein Spiel, zu dem er nach Hause kommt. „Ich hatte in Stuttgart eine sehr schöne Zeit“, sagt Yannick Mayr, „umso mehr freue ich mich auf dieses Finale.“ Was allerdings auch mit seiner eigenen Form zu tun hat.
Die ersten beiden Touchdowns vor eigenem Publikum
Im Wiener Star-Ensemble besetzte der Passempfänger eine feste Rolle, bis er sich in der zweiten Partie der Saison in Fehervar am Knie verletzte. Er zog sich einen Innenbandriss zu und hatte dabei noch Glück („Da war ein Schutzengel im Spiel“), da Kreuzband und Meniskus nicht betroffen waren. Nach einer sechswöchigen Pause ist Yannick Mayr nun wieder fit, wie er am Samstag beim 28:20-Erfolg im Halbfinale gegen Nordic Storm mit zwei Touchdowns eindrucksvoll unter Beweis stellte. „Es waren meine ersten Punkte vor eigenem Publikum, das ist ein gutes Gefühl gewesen“, sagt er, „die Form stimmt.“ Von ihm. Und von seinem Team.
Unter Feuer: Yannick Mayr und die Vienna Vikings. Foto: Imago/GEPA pictures
Die Vikings beendeten die ELF-Hauptrunde als Tabellenerster, erspielten sich ihre Bilanz (11:1) gegen starke Kontrahenten wie Rhein Fire, die Paris Musketeers und die Tirol Raiders. Die einzige Niederlage gab es zu Hause gegen Rhein Fire (26:33). Das Team aus Wien hat in Ben Holmes einen der besten Quarterbacks der Liga (Nummer drei bei den Touchdown-Pässen/40, Nummer vier bei den geworfenen Yards/2787), und in Reece Horn, Noah Touré sowie Yannick Mayr ein hervorragendes Receiver-Trio. Dazu kommt der gefährliche Runningback Karri Pajarinen. „Wir waren immer bestens vorbereitet, haben unsere Klasse gezeigt. Das werden wir auch diesmal wieder tun“, sagt Yannick Mayr, „unsere größte Stärke ist, dass wir immer alles geben – bis zum letzten Spielzug.“
Ben Wenzler duelliert sich mit einem guten Freund
Es kommt also einiges zu auf die Defensive von Stuttgart Surge, die nach Meinung vieler Experten die beste der ELF ist. Diese These untermauerte die Verteidigung im Wildcard-Game gegen die Madrid Bravos (41:17) und im Halbfinale bei den Munich Ravens (27:13). Dort ragte Ben Wenzler heraus, und auch gegen die Vikings wird der Defensive Back im Fokus stehen – schließlich trifft er auf einen sehr guten Freund. Mayr und Wenzler schreiben sich fast jeden Tag, besuchen sich regelmäßig, verstehen sich bestens – und werden sich trotzdem am Sonntag nichts schenken. „Ben wird mich decken, aber auch Marko Vidackovic oder Mitch Fettig, die ich ebenfalls sehr gut kenne“, sagt der Vikings-Angreifer, „ich freue mich auf diese Duelle. Und ich werde alles tun, damit Wien am Ende gewinnt.“ Worüber der Mann, dem Yannick Mayr viel zu verdanken hat, ziemlich unglücklich wäre.
Unter Jordan Neuman spielte der Österreicher ein Jahr lang bei den Schwäbisch Hall Unicorns (2021), dann holte ihn der Coach, der mittlerweile nach Stuttgart gewechselt war, 2023 in den Surge-Kader. „Er hat mich als Footballer geformt, aber auch viel Einfluss auf mein Leben gehabt“, sagt Yannick Mayr, „Coach Neuman ist ein Offensiv-Genie, vor allem jedoch ein großartiger Mensch. Er ist einer der besten Trainer in Europa.“ Als ähnlich charismatisch gilt Chris Calaycay, der seit 21 Jahren Coach bei den Vikings ist und mit dem Mayr ebenfalls sehr gerne zusammenarbeitet. Der Grund für seinen Wechsel nach Wien aber war ein anderer. „Es war an der Zeit, mir Gedanken zu machen, was nach der Karriere sein wird“, sagt der Sportwissenschaftler und Personal- und Athletiktrainer, „so wie es aussieht, werde ich dann wohl eher in Österreich leben.“
Derzeit ist das, was irgendwann kommt, allerdings kein Thema. Der volle Fokus gilt dem Football. Erst dem Finale in der MHP-Arena („Es wird total eng, die Mannschaft, die beim letzten Spielzug den Ball hat, wird gewinnen“), anschließend dem EM-Halbfinale Ende Oktober zwischen Deutschland und Österreich. Dann wird Yannick Mayr erneut auf Freunde aus Stuttgart treffen. Und zuvor einen Satz noch einmal wiederholen: „Auf dem Feld zählt nur der Sieg.“
Ticketverkauf fürs Finale zieht an
Eintrittskarten Nachdem klar war, dass die Heimmannschaft von Stuttgart Surge das Finale der European League of Football an diesem Sonntag (15 Uhr) in der MHP-Arena gegen die Vienna Vikings erreicht hat, zog der Ticketverkauf spürbar an. „Mit der Entwicklung“, sagte ein ELF-Sprecher am Mittwoch, „sind wir sehr zufrieden.“
Zahl Bisher wurden rund 32 000 Tickets für das Championship Game abgesetzt. Einzelne Blöcke sind ausverkauft, es gibt jedoch noch Karten in allen Kategorien.