Stuttgart und Baden-Württemberg So ist Stuttgart bei der Gasspeicher-Versorgung aufgestellt

Auch der Flüssiggasspeicher auf dem Gelände der EnBW in Gaisburg ist inzwischen stillgelegt. Foto: Jürgen Brand/ᄐ

Mit der Speicherkapazität für Erdgas ist es in Stuttgart und im Land nicht weit her. Die EnBW ist in Stuttgart bei dem Thema auf Rückbau eingestellt. Und die beiden größeren Untergrundspeicher im Land von anderen Betreibern sind nicht sehr groß.

Familie/Bildung/Soziales: Mathias Bury (ury)

Zurzeit ist viel davon die Rede, dass die vorhandenen Erdgasspeicher dringend aufgefüllt werden müssen vor der kalten Jahreszeit. Für Stuttgart und für Baden-Württemberg aber muss man feststellen: Weit her ist es hier mit der Speicherkapazität nicht mehr.

 

Beispiel Energie Baden-Württemberg: „Die EnBW selbst verfügt über keine strategischen Gasspeicher“, sagt Sprecherin Ricarda Bohn auf Anfrage. Man kaufe die benötigen Gasmengen für die Kundschaft „am Großhandelsmarkt ein“.

Aber wenn die EnBW größere, der Versorgungssicherheit dienenden Gasspeicher nicht hat, verfügt der Energieversorger noch über kleinere Einheiten? Auch deren Zahl hat weiter abgenommen. Der alte, historische Gaskessel ist seit Längerem außer Betrieb. Aber auch einen auf dem Gelände im Stuttgarter Osten noch vorhandenen LNG-Speicher habe man „kürzlich ebenfalls stillgelegt“, sagt Dagmar Jordan, Sprecherin der EnBW-Tochter Netze BW. Auch in diesem Fall sei das fortgeschrittene Alter des Speichers der „maßgebliche Grund für die Stilllegung“, so Jordan. Beide Anlagen seien im Inneren bereits teilweise zurückgebaut.

Nur geringe Pufferfunktion

Die Netze-BW-Sprecherin nennt auch den Grund, warum das Unternehmen keine Anstrengungen unternimmt, die vorherige Speicherkapazität zu ersetzen. „Beide Speicher konnten nur einen Bruchteil der benötigten Gasmengen speichern und dienten zum größten Teil der Abpufferung von kurzfristigen Schwankungen“, erklärt Dagmar Jordan. „An einem kalten Wintertag wäre zum Beispiel der Gaskessel rechnerisch innerhalb weniger Stunden leer gewesen.“ Das Gleiche gelte für die beiden Kugelspeicher in Vaihingen, die noch in Betrieb sind, „aber ebenfalls nur eine geringfügige Pufferfunktion für den Netzbetrieb haben“.

Stattdessen sei man dabei, die „Gasbezugsquellen deutlich zu diversifizieren“, sagt Ricarda Bohn. So habe die EnBW „bereits vor Jahren begonnen, Kompetenzen im Handel und im Einkauf im Bereich von LNG aufzubauen“. Und erst diese Woche hat die EnBW bekannt gegeben, dass man von 2026 an pro Jahr 1,5 Millionen Tonnen Flüssiggas (LNG) vom US-amerikanischen Unternehmen Venture Global LNG beziehen werde.

Einen Monat Gas für 150 000 Haushalte

Aber zwei größere, aber auch nicht wirklich große strategische Erdgasspeicher gibt es in Baden-Württemberg. Einer der Untergrundspeicher befindet sich im badischen Sandhausen (Rhein-Neckar-Kreis) in der Nähe von Heidelberg, der andere im oberschwäbischen Fronhofen bei Wilhelmsdorf (Kreis Ravensburg). Der Porenspeicher in Sandhausen des Fernleitungsnetzbetreibers Terranets BW, der ein 2700 Kilometer langes Gasleitungsnetz überwiegend in Baden-Württemberg und in Hessen unterhält, hat eine Arbeitsgaskapazität von 30 Millionen Kubikmeter. „Damit können rund 150 000 Haushalte in Baden-Württemberg einen Monat lang mit Erdgas versorgt werden“, sagt Sprecherin Myriam Brummer. Der Speicher sei „bereits zu nahezu 100 Prozent gefüllt“. Ende Februar waren es noch 85 Prozent. Der Speicher in Frondorf eines anderen Betreibers, der sich in einer Tiefe von 1300 Metern unter Ackersohle befindet, ist noch etwas kleiner, er hat ein Arbeitsgasvolumen von zehn Millionen Kubikmeter.

Zur Einordnung: Nach Angaben von Terranets BW gibt es Deutschland insgesamt 47 Untertagegasspeicher an 33 Standorten. Diese können knapp 24 Milliarden Kubikmeter Arbeitsgas aufnehmen. Dies entspreche „gut einem Viertel der in Deutschland im Jahr 2020 verbrauchten Energiemenge“.

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