Stuttgart will Autos in Parkhäuser lenken Stadt verlangt ab 2024 deutlich höhere Parkgebühr

Wohin mit dem Gefährt? In Parkhäusern lassen sich Autos günstiger abstellen als am Straßenrand in der City. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Parken am Straßenrand soll in der Stuttgarter City bewusst unattraktiver werden, deshalb steigen die Preise hier sehr stark. Doch auch außerhalb ist der Aufschlag 2024 deutlich. Nicht alle Stadträte sind damit einig.

Parken wird in der Landeshauptstadt von 2024 an deutlich teurer. Der Aufschlag beläuft sich stadtweit auf zehn Prozent. Die Spitze ist damit aber noch nicht erreicht. Wer sein Auto künftig in der City im öffentlichen Straßenraum abstellen will, wird 20 Prozent mehr bezahlen. Die Parktarife seien „ein wichtiges Steuerungsinstrument zur Gestaltung der nachhaltigen Mobilität in Stuttgart“, so begründet die Stadtverwaltung den Aufschlag. Ziel sei, mit den höheren Preisen eine Lenkungswirkung zu erreichen: Die Autos sollen weg von der Straße und in Parkhäusern oder im Außenbereich abgestellt werden. Man leiste einen Beitrag „zur Transformation hin zu einer lebenswerten Innenstadt“, textet die Stadt. Nicht alle Fraktionen im Gemeinderat teilen diese Sichtweise.

 

Für zwei Stunden 10,50 Euro

Zuletzt waren die Preise in Stuttgart im Juli 2020 erhöht worden, seit damals kosten die ersten 15 Minuten in der City 1,40 Euro, die erste Stunde 4,60 Euro (zuvor 1,20/4 Euro). Künftig müssen in der City für 15 Minuten 1,70 Euro (plus 21,4 Prozent) bezahlt werden. Eine Stunde kostet dann 5,50 Euro (plus 19,6 Prozent). Ab der 15. Minute steigt der Tarif linear, jeweils 1,2 Minuten kosten zehn Cent. Heute bekommt man für den Groschen noch 1,4 Minuten, vor Juli 2020 waren es 1,6 Minuten gewesen. Wer seinen Wagen für zwei Stunden in der City an den Straßenrand stellt, zahlt von 2024 an damit 10,50 Euro.

Außerhalb der City gibt es Kurz- und Langzeitparkplätze. Die Gebühr auf diesen wird dadurch höher, dass die Stadt auch hier die Taktung ändert. Die sogenannte Brötchentaste für Kurzparker bleibt an den Automaten in Außenbezirken erhalten, 30 Minuten Gratisparken ist also weiterhin möglich. Die bezahlten ersten 40 Minuten auf Kurzzeitplätzen kosten 0,80 Euro, dann werden allle fünf Minuten (bisher 5,5 Minuten) 10 Cent fällig. Die Gebühr für die erste Stunde beläuft sich damit auf 1,20 statt 1,10 Euro. Bei den Langzeitparkplätzen kosten die ersten 15 Minuten 30 Cent, danach je fünf Minuten 10 Cent. Ein Tagesticket kann man künftig für 11,30 Euro statt 10,30 Euro lösen.

Parkhaus als günstigere Alternative

Die Stadt bewirtschaftet auch einige Parkhäuser (Rathausgarage, Tiefgarage Rotebühlplatz und Schwabenzentrum). Dort kostet jede angefangene Stunde von 2024 an 3,20 Euro statt 2,90 Euro. Auch das sind rund zehn Prozent mehr, der Preis bleibt aber deutlich günstiger als der für das Parken am Straßenrand. Der Tageshöchstsatz steigt auf 24 Euro, der Abendtarif (ab 18 Uhr) von 6 auf 6,60 Euro. Es gibt Alternativen anderer Anbieter. So kostet die Stunde im Züblin-Parkhaus 2,50 Euro, in der Hofdienergarage findet man für einen Euro je 30 Minuten einen Platz, unter der BW-Bank mitten im Herzen der Stadt kostet die Stunde ab 3,30 Euro, im Gerber werden jede halbe Stunde 1,80 Euro fällig. In der LBBW-Tiefgarage am Hauptbahnhof sind die ersten 15 Minuten kostenlos, 30 Minuten kosten 2 Euro, die Stunde drei Euro. Die Daten stammen aus den Internetauftritten der Anbieter, die durch die Erhöhung der Stadt womöglich nachziehen werden. Die FDP wandte sich in der Abstimmung gegen die Erhöhung der Parkhaustarife, das sei ein Widerspruch zur Absicht, die Autos in die Häuser zu lenken. Freie Wähler und AfD wandten sich gegen alle Punkte der Erhöhung, die Fraktion Puls enthielt sich, sie verwies auf die taufrischen Empfehlungen des Bürgerrats Klima zum Parken, die berücksichtigt werden sollten, außerdem ist Puls gegen die Brötchentaste.

Große Parkplatzflächen hält die Stadt am Killesberg und im Neckarpark für Veranstaltungen vor. Am Killesberg werden künftig 7 statt 6 Euro fällig, im Neckarpark 8 statt 7 Euro, wobei Krafträder sich in der Gebührenordnung nun nicht mehr finden, sie abzustellen kostete bisher zwei Euro.

VVS-Preise nicht mehr maßgebend

Bei den neuen Preisen hat sich die Stadt letztmals an der Preissteigerung im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) orientiert, schreibt der zuständige Technikbürgermeister Dirk Thürnau (SPD). Diese habe seit 2020 zehn Prozent betragen. Künftig, argumentiert die Stadt, wolle man die VVS-Ticketpreise nicht mehr heranziehen, weil es das Deutschlandticket gebe. Bei der nächsten Erhöhung wolle man sich am Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes orientieren. Das verspricht kaum weniger Erhöhung. Insgesamt soll der Aufschlag 2024 Mehrerträge von 950 000 Euro bringen. Dem stehen 270 000 Euro Umrüstungskosten bei den Parkautomaten entgegen. Bei der Vorabstimmung hatte CDU-Fraktionschef Alexander Kotz dafür plädiert, E-Autos wieder kostenlos parken zu lassen. Dieser Bonus war erst Anfang 2023 gestrichen worden, weil die Masse der E-Autos inzwischen so groß geworden ist, dass bei Kostenfreiheit zu viele Parkplätze blockiert würden. Die CDU erhielt für ihren Vorstoß keine Mehrheit.

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