Fast zwei Wände füllt die Fotocollage in der kleinen, aber feinen Architekturgalerie im Stuttgarter Westen: Die Besucher der Raumgalerie empfängt eine geballte Ladung Architektur aus dem Hause Hammeskrause Architekten. Das in Stuttgart ansässige Büro hat sich vor allem mit seinen Bauten für Wissenschaft, Forschung und Bildung einen Namen gemacht hat.
Virtueller Rundgang durch das Architekturbüro
Das Kuratorinnen-Team – die Architektinnen Natascha von Herz und Astrid Karr im Verbund mit dem Galeristen Thomas Geuder – hat stattdessen große rote Lettern auf den Fußboden vor der Fotowand aufgebracht: „Wenn Räume Antworten sind, werden Fragen essenziell“ steht da. Welcher Art diese Fragen sind, auf welchem Wertekanon sie basieren und wie dieser die Arbeitsweise von Hammeskrause Architekten prägt, erfährt man im zweiten Galerieraum. Dort führt der Boden-Wegweiser hin, und zwar direkt zu einem großformatigen Bildschirm. Der lädt zu einem virtuellen Rundgang durch das in der Krefelder Straße ansässige Architekturbüro ein, wo Nils Krause und Markus Hammes mit ihrer Mitarbeiterschaft einen Bau von Rolf Gutbrod bezogen haben.
Kommunikation wird großgeschrieben
Wer sich durchklickt, erlebt eine attraktive, zeitgemäße Arbeitswelt. Das Planungsteam hat die Wahl zwischen einer Vielzahl von einladenden Kommunikationszonen, es gibt eine Sitz-Treppe mit bunten Kissen für Mitarbeiterpräsentationen, einen Tischkicker und eine Virtual-Reality-Ecke, an der beispielsweise Bauherren durch virtuelle Modelle spazieren und so ihr künftiges Gebäude schon in der Planungsphase bis ins Detail erleben können.
Verantwortung als Schlüsselbegriff
Kommunikation, Teamwork, Teilhabe, sowohl intern als auch in Bezug auf die Kunden – das sind im Architekturalltag von Hammeskrause Architekten Schlüsselbegriffe, die sich, zusammen mit weiteren Keywords, auf weißen, von der Decke hängenden Stoffbahnen finden. Die Bürophilosophie der Stuttgarter Planer reflektiert nicht zuletzt einen Wandel im Selbstverständnis der Branche generell: Stararchitekten, die ikonografische Signature-Bauten in die Welt setzen, sich aber nicht um die Nutzer ihrer Häuser scheren, das war einmal. Heute sei eine Architektur gefragt, die auf die Menschen eingehe, so Galerist Geuder.
Besucher können Fragen hinterlassen
„Die Ausstellung ist eine Einladung, sich mit uns zu beschäftigen: Wie machen wir Architektur, was bewegt uns, wie kommen wir auf die Antworten zu unseren Fragen“, umreißt Nils Krause das Konzept. Die Schau nennt sich „Aufbrechen, teilhaben, weiterdenken“ – sozusagen der Dreiklang der Hammeskrause-Herangehensweise und auch Titel einer 2019 erschienenen Werkmonografie, an die sich die Ausstellung anlehnt. Dass Hammeskrause nicht mit hohlen Begriffen hantieren, wollen sie mit einer weiteren Station demonstrieren: Auf Stellwänden aus Recycling-Kork können Besucher Fragen festpinnen. Eine Einladung zum Diskurs, zur Interaktion – Antworten und Angebote zum Gespräch sollen sich in Bälde auf der Büro-Homepage finden, informiert Kuratorin Astrid Karr.
Die Raumgalerie in Stuttgart-West
Ausstellung
„Aufbrechen, Teilhaben, Weiterdenken“. Bis 7. September. Die Raumgalerie, Ludwigstraße 73, Stuttgart. Geöffnet Mo-Fr 11-19 Uhr, Sa und So 13-18 Uhr.
Internet
Die Raumgalerie im Netz: www.dieRaumgalerie.de