Trotz Krise Porsche zahlt 22.000 Mitarbeitern freiwillig mehr Weihnachtsgeld
Der Autobauer Porsche steckt in einer beispiellosen Krise. Dennoch zeigt sich der Stuttgarter Konzern beim Weihnachtsgeld großzügig.
Der Autobauer Porsche steckt in einer beispiellosen Krise. Dennoch zeigt sich der Stuttgarter Konzern beim Weihnachtsgeld großzügig.
Porsche steckt tief in der Krise, Gewinne brechen massiv ein, Stellen sollen gestrichen werden. Da liegt die Frage nahe: Müssen die Beschäftigten in Zuffenhausen und Weissach in diesem Jahr ums Weihnachtsgeld bangen?
Wie ernst die Lage beim Stuttgarter Sportwagenbauer ist, zeigen die Zahlen: In den ersten neun Monaten 2025 hatte das Unternehmen einen beispiellosen Gewinneinbruch von fast 96 Prozent vermeldet. Gründe: Unter anderem schwache Absätze in China, höhere Zölle in den USA und eine teure Neujustierung der E-Strategie.
Wegen der E-Auto-Krise hatten die Zuffenhausener mit Milliarden-Investitionen den Bau von Verbrenner-Modellen wieder hochgefahren. Setzen die Verantwortlichen jetzt beim Weihnachtsgeld den Rotstift an? Eine Anfrage unserer Redaktion ergibt: Nein – im Gegenteil. Porsche greift trotz schwieriger Lage auch 2025 wieder extra in die Tasche.
Ein Sprecher teilt mit: „Die Porsche AG zahlt ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im November 2025 ein Weihnachtsgeld in Höhe von bis zu 100 Prozent eines Monatsentgelts. Bis zu 55 Prozent davon beruhen auf den tariflichen Regelungen.“
Heißt: Porsche zahlt das tarifliche Weihnachtsgeld – und stockt freiwillig auf bis zu einem vollen Monatsgehalt. Den Extra-Groschen erhalten laut dem Unternehmenssprecher rund 22.000 Angestellte.
Damit liegt Porsche über dem Branchenstandard. In der Metall- und Elektroindustrie, zu der auch die großen Autobauer und Zulieferer in der Region Stuttgart zählen, ist die sogenannte tarifliche Sonderzahlung fest geregelt.
Die Spanne liegt – je nach Betriebszugehörigkeit und Tarifgruppe – zwischen 25 und 55 Prozent eines Bruttomonatsgehalts. Ob bei Bosch, Mercedes-Benz, Daimler Truck, Mahle oder Dürr – in der Region Stuttgart profitieren Zehntausende von den Metalltarifverträgen, wie eine aktuelle Umfrage unserer Redaktion zeigt.
Weil sich die Zahlung prozentual am Gehalt orientiert, fällt sie je nach Position und Entgeltgruppe sehr unterschiedlich aus – von der Facharbeiterin am Band bis zum Ingenieur im Entwicklungszentrum.
Laut aktueller Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung erhalten bundesweit 77 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben Weihnachtsgeld, während es ohne Tarifvertrag nur 41 Prozent sind. Auch die Höhe der Weihnachtsgelder schwanke enorm. Die Höhe der Zahlung variiert demnach zwischen 250 und mehr als 4200 Euro.