Stuttgarter Autobauer Deshalb bekommt Porsche wieder einen neuen Vizechef

Blumes neuer Vize: Michael Steiner wird neuer Vizechef der Stuttgarter Porsche AG. Foto: Porsche AG

Nach dem plötzlichen Abgang von Lutz Meschke war das wichtige Amt des Stellvertreters von Konzernchef Oliver Blume verwaist. Nun wird es vom langjährigen Forschungschef Michael Steiner übernommen.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Klaus Köster (kö)

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate wird der Vorstand des Stuttgarter Autoherstellers Porsche AG grundlegend umgebaut. Nachdem das Unternehmen Ende Februar entschieden hatte, den Vize- und Finanzchef Lutz Meschke sowie den Vertriebschef Detlev von Platen auszutauschen, werden nun zwei weitere Vorstandsressorts neu besetzt und verjüngt.

 

Mit Entwicklungschef Michael Steiner wird außerdem der Posten des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden wieder besetzt, der seit Meschkes Ausscheiden vakant gewesen war.

Die beiden Neuen im Porsche-Vorstand: Vera Schalwig (45, Personal) und Joachim Scharnagl (49, Beschaffung) Foto: Porsche AG

Steiner war bisher in Personalunion Chef der Konzernentwicklung für den gesamten Volkswagen-Konzern. Dieses Amt gibt er nun ab und konzentriert sich auf seine aufgewertete Aufgabe bei Porsche. Das Amt des Vizechefs ist bei der Porsche AG besonders wichtig, weil Vorstandschef Oliver Blume neben dem Stuttgarter Autobauer zugleich den ungleich größeren Volkswagen-Konzern führt und seine Porsche-Aufgabe somit nur an einzelnen Tagen pro Woche ausüben kann.

Vizeposten bei Porsche besonders wichtig

Lutz Meschke wurden wiederholt Ambitionen zugeschrieben, anstelle von Blume Vorstandschef von Porsche werden zu wollen. Dies verstärkte sich nach Blumes Ernennung zum Volkswagen-Chef. Gleichzeitig steht Porsche vor großen Herausforderungen: Der schwierige Markt in China und die schleppende Entwicklung der Elektromobilität, für die hohe Vorleistungen erbracht wurden, dürften auch für Blume eine erhebliche Belastung bedeuten. Mit dem plötzlichen Abgang Meschkes war zwar die Frage des Kronprinzen vom Tisch – zugleich aber war damit auch die Funktion des Blume-Stellvertreters nicht mehr besetzt.

Meschkes Nachfolger Jochen Breckner erwies sich zwar in seiner ersten größeren Telefonpressekonferenz zur Vorstellung der Quartalszahlen als sattelfester Gesprächspartner – als Vorstandsneuling aber kam er für den Vizeposten erst einmal nicht infrage. Mit der Berufung des langjährigen Porsche-Vorstands Steiner (60) hat Porsche nun eine Antwort auf die Stellvertreter-Frage gefunden, ohne dass ein erneutes Aufflammen der Querelen zu erwarten ist.

Trotz Doppeljob: Blume bei Porsche gesetzt

Dass bei Porsche nun auch der zweite Vorstandswechsel innerhalb weniger Monate ohne eine Veränderung auf der Position des Vorstandschefs über die Bühne ging, spricht einerseits dafür, dass Blume weiter gesetzt ist. Zugleich wird durch die Verjüngung aber auch der Generationswechsel vorangetrieben und die Voraussetzung für einen Wechsel geschaffen.

Mit Personalchef Andreas Haffner (59) und Einkaufschefin Barbara Frenkel (62) werden zwei langjährige Vorstandsmitglieder aus dem Porsche-Vorstand ausscheiden. Haffner ist seit mehr als 30 Jahren bei Porsche tätig, seit 2015 als Vorstand für Personal und Sozialwesen. Zu seinen Aufgaben gehörte unter anderem die Qualifizierung der Beschäftigten für die Transformation der Branche. Zuletzt hat er zusammen mit dem Betriebsrat ein weitreichendes Programm erarbeitet, das den Abbau von 1900 Arbeitsplätzen vorsieht und die Lage des Unternehmens verbessern soll.

Frenkel arbeitet seit 2001 bei Porsche und gehört seit 2021 dem Vorstand an. Zu ihren wichtigsten Aufgaben zählte die Stabilisierung der Lieferketten gegen Störungen, die durch Pandemie, die Halbleiterkrise und den Ukraine-Krieg verursacht worden waren.

Bei Porsche stehen große Personalthemen an

Haffners Nachfolgerin im Personalressort wird die 45-jährige Vera Schalwig, die seit 2007 bei Porsche tätig ist, mit einer zweijährigen Unterbrechung als Assistentin des Volkswagen-Chefs. Seit 2021 leitet sie bereits das Personalwesen in Zuffenhausen – eine Aufgabe, die sie nun für das gesamte Unternehmen übertragen bekam.

Auf sie dürften von Anfang an große Aufgaben zukommen, denn mit dem Sparprogramm vom Februar dürften die Sparzwänge bei Porsche noch lange nicht vom Tisch sein. „Dieses Paket dient der Absicherung des laufenden Jahres“, sagte Haffner im Februar, als er das Programm zusammen mit Betriebsratschef Harald Buck in unserer Zeitung vorstellte. Es werde weitere Verhandlungen mit dem Betriebsrat geben, bei denen es um die Frage gehe, „wie wir die Arbeitsplätze bis 2030 und gegebenenfalls auch darüber hinaus absichern können“.

Langjährige Erfahrung bei Porsche

Der neue Einkaufschef Joachim Scharnagl startete bei Porsche 2002 als Einkäufer und ist seit vier Jahren verantwortlich für das Lieferantenmanagement und für die Beschaffung für neue Fahrzeugprojekte.

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