Stuttgarter Autobauer Milliardenkosten und verfehlte E-Strategie: Porsche wird zur Last für Volkswagen

Der neue Porsche-Chef Michael Leiters (li.) muss Entscheidungen treffen, die unter seinem Vorgänger Oliver Blume (re.) nicht mehr gefallen sind. Foto: -/Porsche AG/dpa; dpa/Marijan Murat

Erst Zugpferd, dann Problemfall: Porsche setzt mit schwachen Zahlen den den gesamten VW-Konzern unter Druck. Der neue Chef Michael Leiters steht vor harten Entscheidungen.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Klaus Köster (kö)

Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche wird für die Muttergesellschaft Volkswagen immer mehr zum Bremsklotz. Dies geht aus den Porsche-Geschäftszahlen für das Jahr 2025 hervor, die zwar erst an diesem Mittwoch veröffentlicht werden, aber schon auszugsweise in den aktuellen Zahlen der Muttergesellschaft Volkswagen enthalten sind.

 

Während der gesamte Volkswagenkonzern im vergangenen Jahr auf eine operative Umsatzrendite von 2,8 Prozent kam, muss sich Porsche mit einem Wert von 0,3 Prozent zufriedengeben. Zum operativen Ergebnis vor Sondereffekten, das bei Volkswagen bei 14,8 Milliarden Euro liegt, steuerte Porsche nur noch 90 Millionen Euro bei.

Aufstieg oder Absturz? Porsches Geschäfte laufen derzeit im Rückwärtsgang. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttgart

Im Gegenzug wurde das Ergebnis von Volkswagen durch die hohen Sonderaufwendungen von Porsche von insgesamt 4,7 Milliarden Euro belastet. Porsche ist somit das Sorgenkind des Mutterkonzerns, für den er zuvor jahrelang das Zugpferd gewesen war.

Während der Umsatz von Volkswagen mit 322 Milliarden Euro ungefähr konstant blieb, sackte er bei Porsche um 11,7 auf 32 Milliarden Euro ab. Die Rendite, die schon 2024 auf nur noch 5,3 Prozent gesunken, sank auf 0,3 Prozent. Das Ergebnis nähert sich somit stark der schwarzen Null.

Porsches Strategiewechsel verschlingt Milliarden

Porsche musste im vergangenen Jahr hohe Sonderausgaben verbuchen, weil das Unternehmen die Elektromobilität viel zu optimistisch eingeschätzt und entsprechend einen zügigen Rückzug aus der Verbrennertechnologie geplant hatte. So verschlingt die Schließung von Cellforce in Kirchentellinsfurt, einer erst drei Jahre alten Fabrik für Hochleistungsbatterien für E-Autos, hohe Summen; überdies investiert Porsche nun massiv in neue Verbrennermodelle.

So soll es für den SUV Macan, der in Europa nur noch vollelektrisch angeboten werden kann, einen Nachfolger mit Verbrennertechnologie geben; andere Modelle wie der Geländewagen Cayenne und die Limousine Panamera sollen nun bis weit in die Dreißigerjahre mit Verbrennungsantrieben ausgestattet werden und auch Nachfolgemodelle erhalten. Umgekehrt liegt das Prestigeprojekt K1, ein vollelektrischer Super-Geländewagen, seit längerem auf Eis. Auf dem Prüfstand steht offenbar auch der Supersportwagen Taycan, der dem Unternehmen jahrelang spektakuläre Absatzerfolge eingebracht hatte, aber seit längerem massiv schwächelt.

Porsche-Modelle stehen auf dem Prüfstand

Die größten Chancen werden noch der Einsteiger-Baureihe 718 mit den Modellen Boxster und Cayman eingeräumt, die voll elektrifiziert werden soll. Deren Entwicklung ist schon so weit fortgeschritten, dass die Markteinführung nicht mehr viel Geld über das hinaus kosten würde, was ohnehin schon ausgegeben worden ist – und bei einem Aus abgeschrieben werden müsste. Überdies hängt an dieser Baureihe das für Audi wichtige Modell Concept C. Allerdings hätte auch ein Aus für den K1 Auswirkungen auf Schwestermarken, da Audi und Bentley ebenfalls Modelle planen, die auf dem K1 aufbauen.

Porsche-Chef muss wichtige Entscheidungen treffen

Vor dem neuen Porsche-Chef Michael Leiters liegen somit eine Reihe wichtiger Modellentscheidungen, die sein Vorgänger Oliver Blume in seiner Amtszeit bis Ende 2025 nicht mehr getroffen hatte. Belastet wird das Ergebnis auch durch die US-Zölle, denen das Unternehmen – anders als Wettbewerber – nicht durch die Verlagerung von Produktion in die USA ausweichen kann, weil man dort keine Fabriken hat. Ein Aufbau von Kapazitäten würde sich angesichts der vergleichsweise geringen Stückzahlen auch kaum lohnen.

Überdies ist Porsche auch von chinesischen Zöllen auf Luxusautos besonders betroffen – und davon, dass dortige Wettbewerber wie Xiaomi für einen Bruchteil des Preises Fahrzeuge anbieten, die es teilweise nicht nur bei den Fahrleistungen mit Porsche aufnehmen können, sondern auch ein frappierend ähnliches Design aufweisen. Große Sorge bereitet Porsche auch der Umstand, dass Xaomi im kommenden Jahr auf den europäischen Markt vordringen will.

Bei Porsche steht neues Sparprogramm an

Ein zentrales Thema zu Beginn der Amtszeit von Leiters wird auch das Sparprogramm sein, über das Porsche seit dem vergangenen Jahr mit dem Betriebsrat verhandeln will. Das Anfang 2025 zwischen Vorstand und Betriebsrat vereinbarte Programm, das den Abbau von 1900 Stellen und das Auslaufen von 2000 befristeten Arbeitsplätzen vorsieht, reicht nach Ansicht des Unternehmens nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit im erforderlichen Ausmaß zu verbessern.

Im Herbst 2025, noch während der Amtszeit von Porsche-Chef Chef Oliver Blume, äußerte sich Porsche zuversichtlich, die Talsohle bald durchschritten zu haben. „„Wir haben unsere strategische Ausrichtung weiter geschärft“, erklärte Finanzvorstand Jochen Breckner. „Jetzt setzen wir die klaren Entscheidungen konsequent um. Wir erwarten, dass wir den Tiefpunkt in diesem Jahr durchschreiten und Porsche sich ab 2026 spürbar verbessert.“ An diesem Mittwoch wird sich erst einmal der neue Vorstandschef Michael Leiters öffentlich zur Lage des Unternehmens äußern.

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