Markus Heyn führt die Kfz-Sparte von Bosch namens Mobility. Bosch konnte nun einen neuen Großauftrag von Mercedes akquirieren. Foto: Simon Granville
Mercedes setzt nach dem Ärger um Starter-Batterien wieder auf den weltgrößten Zulieferer. Der neue Großauftrag zeigt, wie eng und zugleich kompliziert die Beziehungen sind.
Die Beziehungen zwischen Autoherstellern und ihren Zulieferern gleichen in der Regel gut gehüteten Geheimnissen. Welcher Zulieferer welchen Hersteller mit welcher Technologie versorgt, bleibt auf Betreiben der Autobauer meist vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen.
Schließlich vermarkten Mercedes, BMW, Porsche, VW und Co. ihre neuen Assistenz-, Lenk-, Antriebs- und Bremssysteme unter eigenem Namen – auch wenn die Technologie häufig von Zulieferern stammt. Dass diese ihre Abnehmer öffentlich benennen, ist vertraglich meist ausgeschlossen und deshalb – wenn überhaupt – nur mit Zustimmung der Hersteller möglich.
Den GLC gibt es jetzt auch als vollelektrisches Modell. Er wurde seinerzeit von Mercedes-Chef Ola Källenius präsentiert. Foto: Sven Hoppe/dpa
Eine Ausnahme bildet nun eine neue Liefervereinbarung zwischen Bosch und Mercedes-Benz. Bosch machte selbst öffentlich, von Mercedes-Benz einen Großauftrag erhalten zu haben. Bis weit in die 2030er Jahre hinein werde der weltweit größte Autozulieferer seinen Stuttgarter Großkunden mit einem „großen Volumen an E-Motoren für die nächste Generation elektrischer Antriebe des Premiumherstellers“ beliefern, teilte Bosch mit.
Dass es dabei um mehr geht als nur um einen bedeutenden Geschäftsabschluss, zeigt eine Aussage von Bosch-Geschäftsführer Markus Heyn. „Der neue Auftrag bekräftigt unsere langjährige Partnerschaft mit Mercedes-Benz und zeigt, dass wir unsere Kompetenzen auch in technologisch anspruchsvollen Projekten erfolgreich einbringen“, erklärte der Chef der Kraftfahrzeugsparte namens Mobility. Der Auftrag knüpfe an ein erfolgreiches Jahr 2025 an, in dem Bosch weltweit mehr als 70 Kundenprojekte akquiriert habe. Die Aufträge machten deutlich: „Bosch ist auch in der Elektromobilität auf Kurs.“
Schlussstrich unter schwierige Phase für Bosch
Mit dieser demonstrativen Selbstvergewisserung zieht Bosch offenbar einen Schlussstrich unter eine Phase, in der der Konzern in der Branche für Verwunderung sorgte. Ausgerechnet in seiner Kernkompetenz – der Industrialisierung technologisch anspruchsvoller Produkte in hoher Stückzahl bei konstant hoher Qualität – geriet Bosch unter Druck.
Am Ende kostete der Engpass Mercedes im Geschäftsjahr 2023 nach Unternehmensangaben rund 100 000 Fahrzeuge Absatz, die wohl nur teilweise im Folgejahr nachgeholt werden konnten. Ein schwer zu beziffernder Teil der Kunden dürfte angesichts der langen Lieferzeiten ganz auf einen Kauf verzichtet haben. Man sei „absolut nicht glücklich“ mit der Leistung des Zulieferers, erklärte Mercedes-Finanzchef Harald Wilhelm damals in ungewöhnlicher Deutlichkeit – auch wenn er Bosch nicht ausdrücklich nannte.
Mit dem Großauftrag und seiner langen Laufzeit signalisiert Mercedes nun, dass der Konzern weiterhin Vertrauen in Bosch setzt. Der Zulieferer hatte damals alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Produktionsengpass schnell in den Griff zu bekommen – was innerhalb mehrerer Monate, in denen sich die Lage schrittweise entspannte, auch gelang.
Die Abhängigkeiten sind dabei gegenseitig. Einerseits ist Mercedes für Bosch ein wichtiger und prestigeträchtiger Kunde. Andererseits benötigt auch Mercedes einen Zulieferer wie Bosch, der technologisch breit aufgestellt und in der Branche stark vernetzt ist. Zudem sind die Hersteller grundsätzlich daran interessiert, ein breites Netz an Lieferbeziehungen aufrechtzuerhalten, um Wettbewerb unter den Zulieferern zu sichern. Langfristig haben daher beide Seiten ein Interesse an stabilen Geschäftsbeziehungen – und daran, Konflikte nicht eskalieren zu lassen.