Die Zahlen sind erschreckend. Nur die Hälfte der Zehnjährigen in Stuttgart kann sicher schwimmen. Bei der anderen Hälfte muss man Angst haben, dass die Kinder im Wasser ertrinken. Die Stadt will das ändern, hat vor neun Jahren die Initiative „schwimmfit“ ins Leben gerufen, Ämter, Vereine und Verbände mit ins Boot geholt, und vor allem geschaut, wo überhaupt kann man üben? Und damit freie Stunden in Bädern ermittelt. Ein verdienstvolle Vorhaben. Dass man nun selbst torpediert.
Weil eine Mehrheit der Stadträte die Zuschüsse zu den Betriebskosten für die vier Vereinsbäder in Botnang, Zuffenhausen und Bad Cannstatt um die Hälfte, also 700 000 Euro, gekürzt hat, müssen die Vereine nun schauen, wo sie bleiben und wie sie das Defizit aufbringen. Wenn nicht ein Wunder geschieht, reicht das Geld noch für zwei der vier Bäder. Zwei müssen wohl schließen. Von wegen schwimmfit.
Das ist fortan ein Lippenbekenntnis. Weniger Kinder werden künftig schwimmen lernen. Genauso fatal ist der Verlust an Vertrauen. Die vier Bäder werden von Ehrenamtlichen betrieben. In ihrer Freizeit. Denen kürzt man im Dezember das Geld, entdeckt dann im April die Folgen dieser Sparrunde und sagt: Bis Juli braucht es eine Entscheidung! Denn die trifft ja nicht die Verwaltung oder der Gemeinderat. Die Vereine müssen nun für sich entscheiden, ob sie die Bäder weiter betreiben wollen. Sie müssen sich einigen, welche Bäder weiter offen bleiben dürfen. Und sie müssen ihren Mitgliedern diese Entscheidung erklären. Das ist mal eine richtige Motivation fürs Ehrenamt. Ja, die Stadt muss sparen. Ja, das tut weh. Aber die Art und Weise dieses Vorgehens ist ein Schlag ins Wasser.