Stuttgarter Band Melody la la Seit 18 Jahren ein gut gehütetes Geheimnis
Die Band Melody la la spielt bei der About-Pop-Konferenz am 18. Mai. Wie kommt sie dorthin? Und was hat das mit dem Indie-Pop-Revival zu tun?
Die Band Melody la la spielt bei der About-Pop-Konferenz am 18. Mai. Wie kommt sie dorthin? Und was hat das mit dem Indie-Pop-Revival zu tun?
18 Jahre gemeinsam Musik zu machen, das muss man erst einmal schaffen. Das gilt für das große Business, wo man in so vielen Jahren mindestens eine Comeback-Tour absolviert, genauso wie für Bands, die sich als gut gehütetes Geheimnis verstehen – und nebenher noch Familie, Beruf und anderen Verpflichtungen zu wuppen haben.
Melody la la fallen ganz klar in die zweite Kategorie. Nur das mit dem Geheimtipp-Status könnte sich ändern. Am 18. Mai ist das Quintett mit seinem Auftritt im Stuttgarter Werkstatthaus Teil der About-Pop-Konferenz, einem Event mit Strahlkraft weit über die Region Stuttgart hinaus. „Mit Acts wie Die Selektion oder Rosa Anschütz auf dem Plakat zu sein, fühlt sich sehr gut an“, sagt die Sängerin Katharina Puscher.
Wie sie dorthin gekommen sind, ist eine ganz eigene Geschichte. Ihren ersten Auftritt spielte die Band 2006 in der Bar Bergamo. Seither sind die Bühnen zumindest nicht durchweg größer geworden; auch beim About-Pop-Auftritt im Keller des Stuttgarter Werkstatthaus wird man der Band ziemlich leicht nahekommen können. Melody la la sind vielmehr ein Beispiel für Beständigkeit im Pop – und dafür, wie wichtig es ist, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
Bei ihrer letzten EP „Battle and Dance“ gelang das nicht. Sie erschien im Juni 2019 und wurde mehr oder weniger von der Pandemie überrollt; der Lockdown killte die Release-Show und alles Weitere. „Die Platten liegen fast alle noch hier bei uns“, erzählt der Gitarrist Matthias Peissner. Deshalb gibt es die fünf neuen Songs, die dieses Frühjahr erscheinen, rein digital – schön einer nach dem anderen veröffentlicht und nicht mehr wie früher alle auf einmal, so ist eben die Spotify-Logik: einzelne Releases bringen in Summe mehr Klicks.
Die Zeiten ändern sich, auch live. Nach dem Bergamo-Gig ging es für Melody la la in den Beat Club, in den Schocken-Vorgänger Travellers Club, auch der Keller Klub steht in der Konzerthistorie – alles Locations im mittlerweile gänzlich verschwundenen Indie-Pop-Bermudadreieck zwischen Rotebühl- und Marktplatz. Immerhin kehrt das Genre zurück; Menschen, die heute jung sind, tanzen auf neuen oder wiederauferstandenen Partyreihen mit den damals Jungen zu alter und neuer hibbeliger Musik mit fluffigem Beat, zackigen Gitarren und zickigen Synthesizern. „Disco Indie Synthie Electro Pop“ stand mal auf einem Plakat zum Melody la la-Konzert in der ebenfalls längst untergegangenen Location „Gaby’s Gruft" und das hat den Stil der Gruppe laut Sängerin Puscher bisher am besten getroffen.
Sind Melody la la also Teil des aktuellen Indie-Pop-Revivals? Walter Ercolino lacht, wenn man ihm diese Frage stellt. Der Popbüro-Chef verantwortet das About-Pop-Programm und hält es bekanntlich gern zeitgenössisch. „Melody la la haben einfach eine gewisse Zeit gebraucht, um zu reifen“, sagt Ercolino, „jetzt sind sie so richtig fertig und ja, der Sound passt auch zur Zeit“.
Klassiker wie „Elastique“ oder die herzeigbare neue Single „Honey“ klingen jedenfalls nach mehr als Geheimtipp. Wird es jetzt Zeit für die Showcase-Festivals, den nächsten Stuttgarter Musikexport? Melody la la geben sich zurückhaltend. Man brauche ja schon für ein neues Bandfoto eine gefühlte Ewigkeit, neben der Musik gibt es eben noch ein anderes Leben, zum Beispiel wenn man jenseits der vierzig ist. Und klar sind 3500 Streams für „Elastique“ auf Spotify nicht wirklich umwerfend.
An dieser Stelle mag es wiederum hilfreich sein, auch die Prä-Streaming-Zeit zu kennen. „Das ist mir egal, wenn das wenige Klicks sind“, sagt Katharina Puscher. Jedenfalls wenn die 3500 Plays dafür ehrliche Aufmerksamkeit für die Musik dokumentieren und nicht von nebenbei dudelnden Playlists erzeugt werden.
So gut Melody la la-Songs in der Studioversion klingen – das Liveerlebnis zählt. Und auch da ändern sich die Zeiten. Viele Bühnen sind verschwunden, nicht ganz so viele neu dazugekommen. „Aber wenn dann mal was stattfindet, sind die Menschen dankbar dafür“, glaubt Katharina Puscher. Bei ihrem Konzert im Werkstatthaus, glaubt sie, kommen mindestens zwei Generationen zusammen – die jungen Stammgäste und die mitteljungen Menschen aus der Melody la la-Bubble.
Das könnte auch daran liegen, dass der Werkstatthaus-Leiter Thorsten Neumann im Stuttgarter Kultur- und Nachtleben bestens vernetzt ist, man kennt ihn aus dem Rocker 33, der Dresden Bar oder der Palermo Galerie. Und natürlich am dortigen Konzertprogramm. Wer noch nie ein Konzert im Werkstatthaus gesehen hat – der 18. Mai ist die beste Gelegenheit, zumal nach den Stuttgartern auch noch das sehr empfehlenswerte Kölner Duo Coma auf die Bühne tritt.