Stuttgarter Basketball 120 Kilogramm „Jugend forsch“

Allen voran Marko Josipovic (links) verkörpert den Weg des MTV Stuttgart, mit Nachwuchskräften die sportlich nächsten Schritte zu tun. Foto: Günter Bergmann

Der MTV Stuttgart gewinnt das Regionalliga-Derby in Möhringen. Allgemein arbeitet der Kräherwald-Club daran, im Männerbasketball den Abstand zur großen Konkurrenz der Region zu verkürzen. Aktuell mischen sieben Youngster im Kader mit, einer ragt heraus.

Beim amtierenden Weltmeister Deutschland hat es der Männer-Basketball in den Landeshauptstädten schwer. Lediglich drei, namentlich München, Berlin und Hamburg, sind aktuell unter den 18 Mannschaften der höchsten Spielklasse, der BBL, vertreten. Und Stuttgart? Folgt erst in der vierten Liga, der Regionalliga Südwest, mit zwei Teams – welche sich an diesem Samstag im Derby gegenüber gestanden sind. Dass der Sieger schließlich MTV Stuttgart hieß (siehe unten), ist keine Überraschung. Die Korbjäger vom Kräherwald sind der Platzhirsch. Und sie arbeiten eifrig daran, über kurz oder lang die nächsten Entwicklungsschritte zu tun.

 

Momentan sind die West-Stuttgarter im hiesigen Großraum nur die Nummer vier hinter dem deutschen Vizemeister von 2020 aus Ludwigsburg, den Kirchheim Knights (Pro A) und dem SV Fellbach (Pro B). Bis spätestens 2027 will aber auch der Männer-Primus der Schwaben-Metropole den Sprung in die unterste der drei Profiligen geschafft haben. Nötig sein werden hierfür ein Saisonetat von rund 200 000 Euro und ein starker Unterbau im eigenen Nachwuchs, woran die MTV-Verantwortlichen seit vier Jahren mit intensiv basteln. „Finanziell sind wir im Moment etwa bei einem Drittel der erforderlichen Summe, aber wenn wir personell und sportlich so weit sind, gehen wir das Abenteuer ganz sicher an“, sagt der Trainer Anestis Fesatidis.

In Sachen Jugendarbeit haben die Stuttgarter gegenüber der erwähnten regionalen Konkurrenz zuletzt enorm aufgeholt: Die U 19 der MTV-Basketball-Akademie hat zwar im Juni zum zweiten Mal in Folge die Qualifikation für die Nachwuchs-Bundesliga ihrer Altersklasse verpasst, dafür mischt die U 16 dort gerade als Aufsteiger ihre Vorrundengruppe auf: Die ersten vier Partien, unter anderem beim Nachwuchs des Erstligisten USC Heidelberg, wurden im Schnitt mit 30 Punkten Differenz gewonnen. Am 1. Dezember folgt in der Sporthalle des Friedrich-Eugen-Gymnasiums ein Endspiel um den Gruppensieg gegen die ebenfalls noch ungeschlagene Porsche-Akademie Ludwigsburg. Beide Kontrahenten sind bereits vorzeitig für die Play-offs der 24 besten deutschen Teams dieser Alterskategorie qualifiziert.

Und auch in der Regionalliga-Männermannschaft des MTV gilt in dieser Saison das Motto „Jugend forsch“. Neben dem Topscorer Vasileios Lampropoulos (34) und dem Team-Oldie Christian Gundlach (42) mischen im aktuellen Kader gleich sieben Talente im Alter von 17 bis 19 Jahren mit. Darüber hinaus sind sie auch für die zweite Mannschaft aktiv. Diese ist Tabellenführer der Oberliga – nicht zuletzt dank Marko Josipovic. Der 19-Jährige führt mit einem Mittelwert von knapp 20 Zählern pro Spiel die Punktewertung der Staffel an. Sogar im Einserteam war er zuletzt schon zweimal bester Punktesammler seines Vereins.

Zwei Meter groß, 120 Kilogramm schwer

„Körperlich bringt er alles mit, um bereits mit den besten großen Leuten der Regionalliga mitzuhalten“, sagt Fesatidis über den zwei Meter großen und 120 Kilogramm schweren Youngster, der in der vergangenen Saison, wie auch sein Mannschaftskollege Alois Mounier, noch für den Nachbarn aus Kirchheim in der Junioren-Bundesliga unterwegs war.

Insgesamt werden an der Akademie des MTV Stuttgart derzeit rund 100 Nachwuchsspieler von fünf hauptamtlichen Trainern in sechs bis acht Einheiten pro Woche ausgebildet. So sollen Talenten optimale Möglichkeiten zur Entwicklung gegeben sein und der Abstand zu den großen schwäbischen Stützpunkten in Ludwigsburg, Ulm und Urspring verkürzt werden. „An Fellbach und Kirchheim sind wir in der Jugend schon vorbei gezogen, aber die anderen haben finanziell und zeitlich einfach einen so großen Vorsprung vor uns, dass wir uns da erst ganz langsam herantasten müssen“, sagt Fesatidis.

Dass es für seine erste Mannschaft mit Hilfe der jungen Wilden schon in dieser Saison zur sportlichen Qualifikation für die Pro B reicht, ist zwar unwahrscheinlich. Aber ganz ausschließen will es Fesatidis nicht. Passieren kann im Sport schließlich viel, auch immer mal wieder Unerwartetes. Wer zum Beispiel hätte im vergangenen Jahr gedacht, dass Deutschland Weltmeister wird?

Nur 65 Derby-Punkte – zu wenig für den Aufsteiger Möhringen

Spielverlauf
Die Basketballer des MTV Stuttgart haben das erste Stuttgarter Derby in der Regionalliga Südwest seit mehr als 30 Jahren für sich entschieden. Dem Favoriten gelang beim Aufsteiger SV Möhringen ein 74:65-Sieg, für den die Gäste die Grundlage bereits im ersten Viertel (27:13) legten. „Da haben wir richtig gut verteidigt und nicht viel zugelassen“, sagt der MTV-Trainer Anestis Fesatidis. Zwischenzeitlich führte seine Mannschaft sogar mit 16 Zählern Vorsprung. In der zweiten Spielhälfte kamen die Gastgeber noch einmal bis auf fünf Zähler heran, zu einer Wende reichte es aber nicht mehr. „Unser Problem war der Abschluss. 65 Punkte in eigener Halle sind einfach zu wenig, um in dieser Liga ein Spiel zu gewinnen“, sagt der Möhringer Coach Domagoj Buljan.

Beste Werfer
Beste Werfer für die Möhringer Gastgeber waren die Routiniers Pius Weller (14 Punkte) und Tobias Heintzen (13). Beim Sieger MTV ragte Ruben Leidel mit 18 Zählern heraus, darunter fünf erfolgreiche Dreipunktewürfe.

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