Mitte Mai gibt es bei der Stuttgarter Feuerwehr Grund zum Feiern. Denn dann soll endlich die neue Feuer- und Rettungswache 5 in Möhringen in Betrieb gehen. Der 60 Millionen Euro teure Neubau hatte sich jahrelang verzögert und ersetzt die bisherige Filderwache in Degerloch. 130 Angehörige der Berufsfeuerwehr, 24 der Freiwilligen Feuerwehr und 30 Fahrzeuge werden dann in dem Neubau eine neue Heimat haben. Eitel Sonnenschein herrscht bei den Rettern deshalb aber noch lange nicht.
Denn ebenfalls seit Jahren zieht sich nun schon die Suche nach einem Gelände für das dringend benötigte neue Aus- und Fortbildungszentrum. Die Aufgabe ist schwierig: Gesucht wird ein rund 15 000 Quadratmeter großes Grundstück in Stuttgart. Die bisherige, total marode Feuerwache 5 in Degerloch sollte ursprünglich noch bis Jahresende für die Aus- und Weiterbildung von rund 2000 haupt- und ehrenamtlichen Feuerwehrleuten zur Verfügung stehen. Angesichts der erfolglosen Suche ist diese Frist jetzt bis Ende 2025 verlängert worden. Doch es braucht eine dauerhafte Lösung.
In den Blickpunkt gerückt ist im vergangenen Sommer ein Grundstück, das sich von Lage und Größe her geradezu ideal eignen könnte. Es liegt direkt neben der neuen Feuerwache 5 in der Sigmaringer Straße und gehört der Energie Baden-Württemberg (EnBW). Bisher nutzen die Netze BW das Areal als Bezirksstelle für den Netzbetrieb, auch die Stadt mit Stuttgart Netze ist dort ansässig. Außerdem hat sich ein großes Bauunternehmen eingemietet. FDP-Vertreter aus dem Gemeinderat und dem Landtag hatten das Areal ins Spiel gebracht und bei der Stadt beantragt, in Verkaufsverhandlungen zu treten.
Bei den Liberalen hat man allerdings nicht den Eindruck, dass Verwaltung und Liegenschaftsamt das Projekt mit Hochdruck angegangen sind. Erneut hat die FDP deshalb jetzt einen Antrag gestellt, in dem sie vehement den Kauf des Grundstücks und einen baldigen Bericht über den Stand der Verhandlungen fordert. Begründung: Man habe erfahren, dass „die EnBW in den kommenden sechs Monaten den Verkauf des Geländes abwickeln“ wolle. Offenbar werde auch bereits eine mögliche Kaufsumme kolportiert – 15 Millionen Euro. Es fehle aber nach wie vor jede Information darüber, ob die Stadt ihren Hut überhaupt in den Ring geworfen habe. Man befürchte deshalb, dass die Chance verpasst werde.
Die FDP befürchtet Versäumnisse
Der Stuttgarter FDP-Landtagabgeordnete Friedrich Haag hat deshalb jetzt auch die beiden Bürgermeister Clemens Maier und Thomas Fuhrmann angeschrieben. Er bittet in den Briefen darum, sich intensiv um das Areal zu bemühen, und erkundigt sich nach dem Stand. „Die Trägheit der Stadt Stuttgart ist nicht hinnehmbar. Die Chance, ein Grundstück in der optimalen Größe direkt neben einer Feuerwache zu bekommen, kommt kein zweites Mal“, sagt Haag. Und: „Der Feuerwehr endlich ein modernes Aus- und Fortbildungszentrum zur Verfügung zu stellen, ist eine Pflicht.“
Bei der Stadtverwaltung will man das Thema nicht konkret kommentieren. Man sei im Dialog mit der EnBW und werde berichten, wenn etwas Konkretes vorliege, hieß es dort zuletzt sehr zurückhaltend.
Eine EnBW-Sprecherin sagt: „Wir können bestätigen, dass die Stadt Stuttgart mit uns Kontakt aufgenommen hat.“ Nach wie vor nutze die Netze BW das Areal als Bezirksstelle für den Netzbetrieb. „Wir bitten um Verständnis, dass erst wenn der Prozess zur Übergabe des Netzbetriebs Gas an die Stuttgart Netze abgeschlossen ist, Aussagen zu spezifischen Grundstücken – wie dem EnBW-Grundstück in Stuttgart-Möhringen, Sigmaringer Straße 125 – getroffen werden können“, so die Sprecherin.
Ob und wie intensiv im Hintergrund verhandelt wird, bleibt also vorerst offen. Gut möglich ist auch, dass nicht zuviel in die Öffentlichkeit dringen soll, um die sensiblen Preisverhandlungen nicht zu beeinflussen. Sicher ist nur: Die Feuerwehr sieht dringenden Handlungsbedarf – und kann nur hoffen, dass sich in absehbarer Zeit eine Perspektive auftut.